Von wegen Amtsbonus: Fünf Erkenntnisse aus den Kommunalwahlen in Bayern
Von Christoph Trost
München - Das landesweite Ergebnis soll erst am Mittwoch feststehen, und am 22. März gibt es noch einige Stichwahlen. Aber schon jetzt kann man eine Reihe von Erkenntnissen aus dem Kommunalwahlsonntag ziehen.
In vielen bayerischen Städten, Gemeinden und Landkreisen müssen die Wähler am übernächsten Sonntag ein zweites Mal ran.
Alleine bei den Landkreisen, kreisfreien Städten und größeren Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern stehen 128 Stichwahlen an, wie aus den vorläufigen Ergebnissen beim Landeswahlleiter hervorgeht. In 147 Fällen gibt es bereits einen Sieger.
Spannend wird es insbesondere in vielen kreisfreien Städten: Nur in 5 von 22 Fällen gab es am Sonntag bereits eine Entscheidung.
In 17 kreisfreien Städten, darunter München, Nürnberg und Augsburg, gibt es eine Stichwahl.
In München etwa muss Dieter Reiter (67, SPD) gegen seinen Herausforderer Dominik Krause (35) von den Grünen in die zweite Runde. Von den 62 Landratswahlen wurden 33 gleich entschieden, in 29 Fällen gibt es eine Stichwahl.
Klare Erkenntnis: Amtsbonus bedeutet nicht (mehr) Automatismus
Wer als amtierender Landrat, OB oder Bürgermeister noch einmal antrat und keine Skandale am Hals hatte, musste sich früher keine Sorgen um eine Wiederwahl machen.
Das ist heute anders. In vielen Fällen gibt es einen solchen Amtsbonus nicht mehr. In Kulmbach beispielsweise wurde der amtierende SPD-OB Ingo Lehmann abgewählt.
In Erlangen und Aschaffenburg holten die CSU-Kandidaten im ersten Anlauf mehr Stimmen als die SPD-Amtsinhaber. Dagegen lag in Schweinfurt, bisher CSU-regiert, am Sonntag der SPD-Kandidat vorn.
Weiterer Punkt: Die AfD wird nach den vorläufigen Ergebnissen weiterhin keinen Landrat, Oberbürgermeister oder ersten Bürgermeister in einer der großen Kommunen stellen.
Zudem erreichte dort, wo Stichwahlen notwendig sind, auch kein Kandidat eines AfD-Wahlvorschlags die meisten oder zweitmeisten Stimmen.
Stimmung ohne Gesicht: AfD bleibt bei den Personenwahlen weiterhin ohne Chance
So chancenlos die AfD bei Personenwahlen auch ist: Die Zahl ihrer Mandate in den Stadt- und Gemeinderäten sowie in den Kreistagen wird die Partei deutlich ausbauen. Viertens: Politische Großwetterlage spiegelt sich in Kommunalwahlen.
Eigentlich ist die Kommunalwahl eine Wahl, bei der es um Personen geht: Landräte, Bürgermeister, Gemeinderäte. Aber eben nicht nur. Mancherorts dürfte sich auch die politische Großwetterlage in den Ergebnissen widerspiegeln, jedenfalls bei den Gremienwahlen.
Außerdem: Nach den von Corona überschatteten Kommunalwahlen 2020 ist die Wahlbeteiligung diesmal nach ersten Auswertungen des Statistischen Landesamtes gestiegen. Der landesweite Wert soll am Mittwoch feststehen.
Titelfoto: Marijan Murat/dpa

