George Floyd: Nach Beisetzung in goldenem Sarg: Tiefe Wunden bleiben bestehen

USA - Seit Tagen kommt es in Washington, New York und anderen US-Metropolen zu Demonstrationen gegen Polizeigewalt, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Auslöser war der Tod George Floyds (†46) nach einem Polizeieinsatz in Minneapolis. Einer von vier beteiligten Beamten drückte ihm minutenlang sein Knie in den Nacken. Alle Bitten des Afroamerikaners, ihn atmen zu lassen, ignorierte er.

Ein Screenshot des Videos zeigt, wie George Floyd mit dem Knie zu Boden gedrückt wurde.
Ein Screenshot des Videos zeigt, wie George Floyd mit dem Knie zu Boden gedrückt wurde.  © Darnella Frazier/dpa

Diskussionen rund um das Thema Rassismus und Polizeigewalt wurden wieder entfacht. Nicht nur in den USA. 

George Floyds (†46) dramatischer Tod sorgte für einen weltweiten entsetzten Aufschrei. Sein verzweifelter Hilferuf  "I can't breathe" (Ich kann nicht atmen) wurde zur Kampfansage von Tausenden wütenden Demonstranten gegen Rassismus.

Diese Wut entlädt sich allerdings nicht nur durch friedliche Demonstrationen auf den Straßen. Vermehrt kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei, Brandstiftungen und Plünderungen. Für viele verständlich. 

Der amerikanische Präsident Donald Trump (73), wie auch seine Gouverneure, wirken mit der derzeitigen Situation überfordert. 

Drohungen von Militäreinsätzen gegen Demonstranten wurden schon ausgesprochen.

Über alle weiteren Entwicklungen halten wir Euch hier auf dem Laufenden.

Update, 10. Juni, 7.15 Uhr: Die tiefe Wunde bleibt - Abschied von George Floyd

Im Tod wurde George Floyd zum jüngsten Symbol des Rassismus in den USA. Nun nahmen Hunderte Menschen von ihm Abschied. Die tiefe Wunde im Land aber bleibt. Ein politischer Kampf ist auch darum entbrannt, wer sie heilen kann.

Der Sarg glänzt golden vor der Bühne der Kirche "The Fountain of Praise" in Houston. In ihm liegt der Mann, dessen Namen etliche Amerikaner in den vergangenen zwei Wochen bei den Massenprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gerufen haben.

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Al Sharpton, Pfarrer und Bürgerrechtler, spricht während der Trauerfeier für George Floyd in der Fountain of Praise Church in Houston.
Al Sharpton, Pfarrer und Bürgerrechtler, spricht während der Trauerfeier für George Floyd in der Fountain of Praise Church in Houston.  © Godofredo A. Vásquez/POOL Houston Chronicle/AP/dpa

Update, 10. Juni, 4 Uhr: Sarg von George Floyd nach Trauerfeier auf dem Weg zum Friedhof

Nach einer bewegenden Trauerfeier für George Floyd ist der Leichnam des bei einem brutalen Polizeieinsatz getöteten Afroamerikaners auf dem Weg zu seiner letzten Ruhestätte. Als sein Sarg aus der Kirche "The Fountain of Praise" im texanischen Houston gebracht wurde, reckten viele Besucher ihre Faust als Zeichen des Kampfes gegen Rassismus in die Höhe, wie auf TV-Bildern zu sehen war. 

Eskortiert von der Polizei wird Floyds Leichnam nun zu einem Friedhof in der Nachbarstadt Pearland gebracht. Die letzte Meile (etwa 1,6 Kilometer) der Prozession soll sein Sarg offiziellen Angaben zufolge in einer Pferdekutsche transportiert werden. Nach übereinstimmenden Medienberichten wird Floyd am Dienstag anschließend neben dem Grab seiner Mutter beigesetzt.

Der Sarg von George Floyd wird in einer weißen Kutsche auf den Friedhof Houston Memorial Gardens transportiert.
Der Sarg von George Floyd wird in einer weißen Kutsche auf den Friedhof Houston Memorial Gardens transportiert.  © Bob Daemmrich/ZUMA Wire/dpa

Update, 9. Juni 23.30 Uhr: Fünf Straßen in New York sollen "Black Lives Matter" heißen

Nach tagelangen Protesten gegen Rassismus und Polizeibrutalität nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd sollen fünf Straßen in New York künftig den Namen "Black Lives Matter" tragen. 

In jedem der fünf Stadtviertel der Millionenmetropole - Manhattan, Queens, Brooklyn, Staten Island und Bronx - solle eine bedeutende Straße dahingehend umbenannt werden, kündigte Bürgermeister Bill de Blasio am Dienstag an. Zudem solle der Schriftzug in jedem Stadtviertel auf eine Straße gemalt werden, in Manhattan beispielsweise in der Nähe des Rathauses.

Zuvor hatte die Bürgermeisterin der US-Hauptstadt Washington, Muriel Bowser, veranlasst, dass der Platz vor dem Weißen Haus nun "Black Lives Matter"-Platz heiße. Zudem ließ sie auf die dortige Straße in riesigen gelben Lettern "Black Lives Matter" pinseln - auf Deutsch etwa: Schwarze Leben zählen. 

Nach tagelangen Protesten gegen Rassismus und Polizeibrutalität nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd sollen fünf Straßen in New York künftig den Namen "Black Lives Matter" tragen.
Nach tagelangen Protesten gegen Rassismus und Polizeibrutalität nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd sollen fünf Straßen in New York künftig den Namen "Black Lives Matter" tragen.  © Manuel Balce Ceneta/AP/dpa

Update, 9. Juni, 22 Uhr: New Yorker Polizist soll sich für Gewalt bei Demo verantworten

Erstmals soll ein New Yorker Polizist vor Gericht gestellt werden, der bei einer Anti-Rassismus-Demo eine Frau auf den Boden gestoßen und beschimpft haben soll. Ihm würden geringfügige Körperverletzung, Belästigung und Bedrohung vorgeworfen, berichtete die "New York Times" am Dienstag und berief sich dabei auf Angaben aus Ermittlerkreisen. Ein Termin war noch nicht bekannt.

Handy-Aufnahmen hatten gezeigt, wie der Verdächtige am 29. Mai bei Protesten im New Yorker Stadtteil Brooklyn eine Frau hart auf den Boden wirft und "Schlampe" nennt. Das Verfahren gegen den Polizisten, der sich nach dem Vorfall selbst den Ermittlern gestellt hatte, wäre das erste, das aus den vereinzelt eskalierten Protesten hervorginge. Die Zeitung ergänzt, dass derzeit an rund 40 ähnlichen Fällen gegen Polizisten gearbeitet werde.

Update, 9. Juni, 19 Uhr: Gospels bei Floyd-Trauerfeier werden in Gebärdensprache übersetzt

Vor Beginn der Trauerfeier für George Floyd in Houston (Texas) sind die eintreffenden Gäste von Musikern mit Gospels begrüßt worden. Neben dem Sänger tanzte eine Frau, die die Liedtexte mit großer Empathie in Gebärdensprache übersetzte. 

Übersetzungen in Gebärdensprache sind in den USA verbreitet, etwa bei Pressekonferenzen von Behördenvertretern. Eingerahmt wurden der Sänger und die Übersetzerin von zwei Bildern Floyds, die ihn mit Engelsflügeln und einem Heiligenschein zeigten. 

Update, 9. Juni, 14.30 Uhr: Boris Johnson äußerst Verständnis für Proteste gegen Rassismus

Der britische Premierminister Boris Johnson (55) hat Verständnis für die wachsenden Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in seinem Land und weltweit geäußert. Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd habe ein "unwiderlegbares, nicht zu leugnendes Gefühl der Ungerechtigkeit" geweckt, sagte Johnson in einer Videobotschaft, die in der Nacht zum Dienstag auf seinem Twitter-Account veröffentlicht wurde.

Großbritannien habe im Kampf gegen Rassismus große Fortschritte gemacht in den vergangenen Jahrzehnten, aber es gebe noch viel zu tun, so der Premier. Er bejahe daher friedlichen Protest unter Einhaltung der Abstandsregeln. Nicht akzeptabel seien hingegen Demonstrationen, bei denen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus missachtet würden oder das Gesetz anderweitig gebrochen werde. "Ich werde diejenigen nicht unterstützen oder mit Nachsicht behandeln, die das Gesetz brechen, die Polizei angreifen oder öffentliche Denkmäler entweihen", sagte Johnson.

Update, 9. Juni, 10 Uhr: Polizei in Los Angeles untersagt vorerst Würgegriff

Die Polizei in Los Angeles hat eine umstrittene Festnahmemethode mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Der Würgegriff, bei dem die Blutzufuhr zum Gehirn unterbunden wird, dürfe zunächst nicht mehr angewandt werden, teilte die Polizeibehörde der Stadt (LAPD) am Montag (Ortszeit) auf ihrer Website mit. Außerdem werde er zunächst auch aus dem Trainingsprogramm für Polizeibeamte verbannt. 

Gelten solle dieses Moratorium bis zur Vorlage eines Untersuchungsberichts. In seiner Mitteilung ging das LAPD nicht ausdrücklich auf die aktuellen US-Proteste gegen Polizeigewalt ein.

Polizisten feuern Tränengas auf Demonstranten ab während eines Protestes in Los Angeles. (Archivbild)
Polizisten feuern Tränengas auf Demonstranten ab während eines Protestes in Los Angeles. (Archivbild)  © dpa/Orange County Register via ZUMA/David Crane

Update, 9. Juni, 7.10 Uhr: Weiße Polizeichefin in Oregon überlässt Afroamerikaner ihren Posten

Wegen ihres Umgangs mit den Protesten nach dem Mord an dem Afroamerikaner George Floyd sah sie sich Kritik ausgesetzt. Nun ist die weiße Polizeichefin von Portland im US-Bundesstaat Oregon zurückgetreten und hat einen afroamerikanischen Kollegen als ihren Nachfolger bestimmt. Sie sei Forderungen nach Veränderungen gefolgt und die Veränderung in der Führung der Polizeibehörde "kommt von Herzen", schrieb Jami Resch am Montag (Ortszeit) auf Twitter.

Resch hatte nach lokalen Medienberichten ihren Job erst vor weniger als sechs Monaten begonnen und nun Leutnant Chuck Lovell gefragt, ob er sie ersetzen wolle. "Es wird schwierig. Ich mache mir keine Illusionen", sagte Lovell am Montag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. Es sei aber auch schwierig, jeden Tag auf die Straße zu gehen und Gerechtigkeit einzufordern.

Update, 9. Juni, 7 Uhr: Biden sieht Wendepunkt in Geschichte des Landes

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd markiert nach Ansicht des designierten Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten, Joe Biden (77), einen Wendepunkt in der Geschichte der USA. Der Ex-Vizepräsident hatte am Montag mit seiner Frau Jill (69) in der texanischen Stadt Houston für rund eine Stunde Angehörige Floyds getroffen, darunter dessen sechs Jahre alte Tochter Gianna.

"Ich denke, ihr Vater wird die Welt verändern", sagte Biden dem Sender CBS in Anspielung auf Giannas Aussage. "Ich denke, was hier passiert ist, ist einer dieser großen Wendepunkte in der amerikanischen Geschichte, was bürgerliche Freiheiten, Bürgerrechte und die gerechte Behandlung von Menschen mit Würde betrifft."

Biden sprach sich klar gegen die drastische Einkürzung der Finanzierung der Polizeibehörden aus - eine Forderung, die bei den Protesten seit Floyds Tod zunehmend Widerhall findet. Vielmehr unterstütze er, Bundesmittel an Bedingungen zu knüpfen, nämlich daran, ob die Polizei "bestimmte grundlegende Standards von Anstand und Ehrenhaftigkeit" erfülle, sagte Biden. Konkreter wurde er nicht. CBS zeigte nur einen Ausschnitt aus dem Interview, das zu einem späteren Zeitpunkt ausgestrahlt werden soll.

Update, 9. Juni, 6.50 Uhr: Chef der Innenministerkonferenz gegen Rassismus-Vorwurf bei Polizei

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Thüringens Innenminister Georg Maier (53), hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach in deutschen Sicherheitsbehörden ein "latenter Rassismus" herrsche. 

"Es gibt keine Rechtfertigung dafür, die Integrität unserer Polizei strukturell in Frage zu stellen", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Man wisse von Einzelfällen, denen man mit "aller Härte des Rechtsstaates" nachgehe. Dabei gelte: Null Toleranz für Rassismus. Gerade in der jetzigen Zeit müsse die Politik hinter der Arbeit von Polizisten und Polizistinnen stehen, forderte er.

Titelfoto: David J. Phillip/AP POOL/dpa

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