Berlin - Die Große Koalition steht in der Kritik, woran die Christdemokraten einen gewichtigen Anteil haben. Angela Merkel (72, CDU) nimmt dieser Tage eine Beobachter-Rolle im politischen Geschehen ein. Im Rahmen von "Merkel unplugged", einem Format von Deutschlandfunk Kultur, wurde der Ex-Kanzlerin auf den Zahn gefühlt, mit wem sie koalieren würde.
Eine Jugendliche namens Felicia aus Hamburg-Bergedorf stellte der ehemaligen Bundeskanzlerin eine Art Gretchenfrage, ob sie nämlich eher eine Koalition mit AfD oder den Linken eingehen würde.
"Mit beiden würde ich mich sehr schwertun, eine Koalition einzugehen", begann Merkel ihre Antwort gewohnt diplomatisch. Sie stellte jedoch einen gravierenden Unterschied zwischen den Parteien fest.
Dazu wählte sie als Vergleichskategorie Die Linke in Thüringen unter Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (70).
"Dann haben die Ansichten, die teile ich nicht, sind aber im Großen und Ganzen nicht gegen das Grundgesetz. Bei der AfD hab ich da deutlich mehr Zweifel", führte Angela Merkel auch aus.
Sie hätte es als richtig empfunden, dass die Merz-Regierung am 18. März 2025 auch mithilfe der Linken eine Gesetzesänderung zur Reform der Schuldenbremse beschlossen hatte.
"Mit der AfD sollte man nicht zusammenarbeiten", verdeutlichte die Ex-Bundeskanzlerin ihren Standpunkt.
"Merkel unplugged": Für AfD-Landtagspräsident würde Ex-Kanzlerin nicht die Hand heben
Ob es etwas ändern würde, wenn wie in Sachsen-Anhalt die AfD nach Stimmen deutlich vorn gelegen hätte, wollte Moderator Korbinian Frenzel (48) wissen.
"Wenn es möglich ist, ja", antwortete Merkel, dass es richtig sei, dass andere Parteien so zusammenarbeiten sollten, um eine AfD-geführte Regierung zu vermeiden.
Die AfD in Sachsen-Anhalt habe ein Programm gehabt, "da würde ich nicht meine Hand heben, um den Landtagspräsidenten zu wählen".
Ihren Charakter habe die Alternative für Deutschland bewiesen, als sie neben dem Landtagspräsidenten auch einen Vizepräsidenten durchgedrückt, dafür Kandidaten anderer Parteien nicht unterstützt habe, erläuterte Merkel ihre Ansicht.
Des Weiteren gab die Kanzlerin im etwas mehr als eine Stunde dauernden Talk ihre Einschätzung zur Gefährdung der Demokratie, der Aufnahme von Flüchtlingen im Jahr 2015 und Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) ab.