Björn Höcke in Düsseldorf: Rechtsextremist beleidigt Demonstrierende als "Opfer"
Von Bettina Grönewald, Maurice Hossinger
Düsseldorf - Mit einem Motivwagen des Künstlers Jacques Tilly, Chören und vielen Aktionsformen haben laut Polizei rund 7000 Menschen gegen einen Auftritt des Thüringer AfD-Landesparteichefs Björn Höcke (53) in Düsseldorf demonstriert.
Ein breites Bündnis aus Bürgerinitiativen, Gewerkschaften und zahlreichen weiteren Bereichen der Zivilgesellschaft beteiligte sich an dem bunten Widerstand gegen die AfD.
Das Mitglied der in Teilen rechtsextremen AfD hat am Abend bei einer Veranstaltung des Düsseldorfer Kreisverbands eine Rede gehalten und betitelte die Demonstrierenden unter anderem als "Opfer".
Vor der Veranstaltungshalle machten Tausende AfD-Gegner ihrem Unmut Luft. "Gegen den Faschismus", skandierten Demo-Teilnehmer lautstark.
Auf Transparenten standen Slogans wie "Wir alle sind die wehrhafte Demokratie", "Rote Karte für Nazis" oder "Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hat". Andere skandierten: "Keine Böcke auf Höcke" oder wiederholten in lieblich verpackter Melodie den immer gleichen Schmäh-Gesang: "Scheiß AfD".
Vor dem Veranstaltungsort wurde auch ein Anti-AfD-Wagen von Tilly aufgefahren. Darauf zu sehen war ein großer bunter Fisch mit der Aufschrift "Wir sind mehr!", der einen kleineren mit der Aufschrift "Wir sind das Volk!" frisst.
Höcke-Hausverbot von SPD, Volt und Linke gescheitert
Wie die Polizei berichtete, versuchte eine Gruppe von Gegendemonstranten in unmittelbarer Nähe des AfD-Veranstaltungsorts, eine Absperrung zu durchbrechen. Das sei ihnen aber nicht gelungen, weil die Sicherheitskräfte Pfefferspray eingesetzt hätten. Dabei sei niemand verletzt worden.
Der 53-jährige Höcke ist zweimal wegen der Verwendung einer verbotenen Nazi-Parole rechtskräftig verurteilt worden. Die von ihm geführte Thüringer AfD wird vom dortigen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.
In Düsseldorf hatten drei Bündnisse unter dem Motto "Kein Platz für Faschisten in Düsseldorf" und "Garath ist bunt, nicht braun" dazu aufgerufen, an Aufzügen durch die Stadt und anderen Protestaktionen teilzunehmen - darunter das Bündnis "Düsseldorf stellt sich quer". Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und zahlreiche weitere Unterstützer haben sich in den Protest eingereiht.
Zuvor war ein gemeinsamer Antrag von SPD, Volt und Linke an den Düsseldorfer Rat gescheitert, Höcke Hausverbot in den städtischen Veranstaltungsräumen zu erteilen. Die Ratsmehrheit hatte Bedenken, ob das rechtskonform wäre, will sich aber dafür einsetzen, eine rechtssichere Grundlage für künftige Fälle zu schaffen.
Erstmeldung vom 23. Februar, 17.18 Uhr, aktualisiert um 22.24 Uhr.
Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

