Ex-FDP-Chef Christian Lindner äußert sich über Kanzler Merz: "Die Tragik für unser Land"
Berlin - Der frühere Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner (47) schließt nach eigener Aussage eine Rückkehr in die Politik praktisch aus. An Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) übt er scharfe Kritik.
"Die Wahrscheinlichkeit, noch einmal für ein öffentliches Amt zu kandidieren, geht gegen null", sagte Lindner der "Welt am Sonntag". Auf die Frage, ob er ein Comeback vorbereite, antwortete er: "Keinesfalls. Ich habe mit Leidenschaft für meine Überzeugungen gestritten. Aber alles hat seine Zeit."
"Wer in der Wirtschaft wirklich operativ Verantwortung übernehmen will, kann das nicht mit einem Bein in der Parteipolitik", sagte Lindner, der inzwischen im Vorstand des Automobilhändlers Autoland AG arbeitet. "Wir haben ehrgeizige Wachstumsziele und wollen den Automobilhandel weiter modernisieren", sagte er. Daneben investiere er mit seiner eigenen Beteiligungsgesellschaft in junge Unternehmen.
Seine zuletzt wieder häufigen politischen Äußerungen in Onlinenetzwerken widersprächen seinem Abschied von der Politik nicht, sagte Lindner der "Welt am Sonntag". "Ich bleibe ein politischer Mensch. Politische Rahmenbedingungen prägen ja auch das Wirtschaftsleben", sagte er. Er könne zugleich aus seiner politischen Erfahrung und seiner praktischen Arbeit in der Wirtschaft argumentieren.
Deutliche Kritik übte Lindner an Friedrich Merz. "Die Tragik für unser Land ist, dass es zwar einen Kanzlerwechsel gab, aber keinen Politikwechsel", sagte er. "Die Enttäuschung über Friedrich Merz ist deshalb so groß, weil er das Erbe von Frau Merkel nicht abwickelt, worauf viele Unterstützer gesetzt hatten", sagte Lindner. Merz treibe Fehlentwicklungen vielmehr weiter voran.
Christian Lindner spricht sich für Ilse Aigner aus
Für das Amt des Bundespräsidenten sprach sich Lindner für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (61, CSU) aus. Sie sei für Merz "ein Geschenk auf dem Silbertablett". Der CDU-Chef hätte sich diese Personalie schon längst zu eigen machen sollen, sagte Lindner.
Lindner war von Dezember 2021 bis zum Bruch der Ampelkoalition im November 2024 Bundesfinanzminister. Nach der Bundestagswahl im Februar 2025 hatte er seinen Abschied aus der Politik angekündigt.
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