Berlin - Seine Sardinenreise sorgte für Unmut in den eigenen Reihen: Der frühere CDU-Fraktionschef Jens Spahn (46) zieht sich aus dem Haushaltsausschuss des Bundestages zurück. Damit räumt er den zweiten Posten innerhalb weniger Monate.
Er habe "nach reiflicher Überlegung" entschieden, auf seinen Sitz in dem Gremium zu verzichten, teilte Spahn den Haushaltspolitikern der Union mit. Das berichten der "Spiegel" und die Nachrichtenagentur AFP übereinstimmend.
Als Grund nannte Spahn demnach die anhaltende öffentliche Debatte um seine Person. Alles rund um ihn sei derzeit derart politisiert, dass ein normales Arbeiten kaum möglich sei. Zudem sei sein Rücktritt als Fraktionschef im Juli noch zu frisch, um wieder uneingeschränkt in die parlamentarische Arbeit einzusteigen.
In Absprache mit Unionsfraktionschef Thorsten Frei (53) wolle er sich zunächst stärker auf seinen Wahlkreis und seine Familie konzentrieren. Über künftige politische Schwerpunkte solle mit zeitlichem Abstand entschieden werden.
Dem Rückzug war Ärger innerhalb der CDU über Spahns Abwesenheit bei Sitzungen des Haushaltsausschusses vorausgegangen. Mehrere der 14 Mitglieder sollen den Rauswurf Spahns aus dem Bundestagsausschuss gefordert haben.
Nach Angaben seines Sprechers hielt sich Spahn in der vergangenen Woche aus familiären Gründen auf Sardinien auf. Bilder hatten ihn dort am Flughafen Olbia gezeigt. Nach "Spiegel"-Informationen hatte es deshalb insbesondere unter den Haushaltspolitikern der Union Unmut gegeben.
Jens Spahn fehlte an zwei Terminen
Spahn hatte an der Ausschusssitzung am Mittwoch nicht teilgenommen. Auch bei einem Treffen am Donnerstagvormittag fehlte er nach Angaben aus Ausschusskreisen entschuldigt. Aus seinem Umfeld hieß es, für ihn sei jeweils eine Vertretung organisiert worden.
Der Haushaltsausschuss zählt zu den einflussreichsten Gremien des Bundestages. Er berät über den Bundeshaushalt. Wegen der laufenden Beratungen über den Etat für das kommende Jahr finden derzeit zahlreiche Sitzungen statt.
Spahn hatte in dem Ausschuss zuletzt den Etat des Auswärtigen Amts betreut.
Die Zuständigkeit hatte er von der CDU-Politikerin Franziska Hoppermann (44) übernommen, nachdem diese zur CDU-Generalsekretärin berufen worden war.