CSD-Anschlag in Berlin: Kevin Kühnert wirft Politik kalte Reaktionen vor
Berlin - Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert (37, SPD) hat die öffentlichen Reaktionen auf den Terroranschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin kritisiert.
Statt um die Opfer zu trauern, seien unmittelbar politische Forderungen erhoben und gesellschaftliche Konflikte ausgetragen worden, schrieb Kühnert in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung".
Die Hoffnung auf einen "pietätvollen Moment des Innehaltens mit Raum für Trauer und Wut" sei enttäuscht worden, erklärte der ehemalige Bundestagsabgeordnete.
Nach dem Angriff seien kaum Fragen gestellt worden, klagte der 37-Jährige an. Stattdessen sei die Politik "in den sofortigen Sendemodus" gewechselt und habe zahlreiche Forderungen formuliert.
Dabei sei es vor allem um die demonstrative Abgrenzung von anderen politischen und kulturellen Lagern gegangen, so der heutige Lobbyist.
Der Angriff erinnere ihn daran, wie sehr Schwule, Lesben und andere queere Menschen ihren Alltag weiterhin an mögliche Gefahren anpassen müssten.
Kevin Kühnert spricht von einem "Leben mit Umleitungen".
Trotz der weitgehenden rechtlichen Gleichstellung gebe es für queere Menschen nach wie vor Orte und Situationen, die sie aus Sorge vor Anfeindungen oder Gewalt meiden würden. Kühnert sprach von einem "Leben mit Umleitungen". Queere Menschen machten keine Probleme, bekämen aber welche, "wenn andere es so wollen", resümierte er.
Auch sein eigenes Verhalten in der Öffentlichkeit beschrieb der 37-Jährige. Er halte dort nicht die Hand seines Partners und prüfe vor einem Kuss grundsätzlich seine Umgebung.
Nach außen erkläre er sich dieses Verhalten damit, dass öffentliche Zuneigung "einfach nicht mein Ding" sei.
Die Anschlag auf den CSD habe der queeren Gemeinschaft erneut vor Augen geführt, wie fragil ihr gesellschaftlicher Status trotz rechtlicher Fortschritte weiterhin sei, befand Kühnert.
Titelfoto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa, Marcus Brandt/dpa

