Von Christoph Trost, Marco Hadem
München - Politik ist ein schnelles Geschäft. Entsprechend kurz ist manchmal die Halbwertszeit politischer Aussagen. Ende Juli war es, als Markus Söder (59) wieder einmal gefragt wurde, ob er noch einmal als Kanzlerkandidat zur Verfügung stünde, sollte es nötig sein.
Der CSU-Vorsitzende antwortete: Das Kapitel sei abgeschlossen. "Die Frage stellt sich heute nicht - und sie wird sich auch in Zukunft nicht mehr stellen", sagte der 59-Jährige damals dem "Handelsblatt".
Sechs Wochen und eine Landtagswahl in Sachsen-Anhalt später stellt sich für viele genau diese Frage aber nun doch.
Das CDU-Desaster von Magdeburg hat Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) ins Wanken gebracht und Spekulationen über einen Kanzlertausch rasch befeuert.
Und der Name, der neben NRW-Regierungschef Hendrik Wüst (51, CDU) am häufigsten genannt wird, ist: Söder.
Nur nicht von Söder selbst freilich. Und auch die gesamte CSU versucht alles, sich tunlichst zurückzuhalten. Von der CSU werde es "auf keinen Fall" einen Kanzlersturz geben, lässt Söder selbst am Wochenende via "Bild am Sonntag" wissen.
Merz und Wüst nicht stark genug gegen eine AfD?
Auf nochmalige Nachfrage, ob er das auch für die Schwesterpartei ausschließt, sagt er: "Für die CDU bin ich nicht zuständig, da bin ich nicht der Vorsitzende."
Söders Name wird jedoch derzeit - wie auch schon in früheren Jahren - auch in der CDU gerne bei der Kandidatensuche genannt.
Unbestritten ist der ehrgeizige Franke einer der profiliertesten und bekanntesten Unionspolitiker bundesweit.
Und in Zeiten wie diesen ist mitentscheidend: Ihm trauen viele eher als Merz oder auch Wüst zu, der immer stärker werdenden AfD Kontra zu geben, gerade auch kommunikativ und in den sozialen Medien.
Gegen Söder spricht hingegen: Merz. Auch in der CSU wird es, im Moment jedenfalls, für ausgeschlossen gehalten, dass der Kanzler einfach so hinschmeißt. Vor allem: Viele, auch Söder selbst, argumentieren, dass auch ein etwaiger Nachfolger mit genau denselben Problemen zu kämpfen hätte.
Den Ausgang der aktuellen Merz-Krise kann niemand seriös voraussagen. Nachdem der CDU-Chef nun aber in die Offensive geht und auf dem Treffen mit seiner Parteispitze eine Art interne Vertrauensfrage stellen könnte, scheint er aber nicht aufgeben zu wollen.