Im Bann der Magie! Nachwuchszauberer auf dem Weg zur großen Bühne

Stuttgart - Trotz Pandemie, technischen Fortschritts und YouTube-Videos, die kein Geheimnis für sich behalten: Zauberei als Kunstform zieht Jugendliche nach wie vor in ihren Bann.

Der Zauberkünstler Maurice Grange (18) übt in seinem Zimmer.
Der Zauberkünstler Maurice Grange (18) übt in seinem Zimmer.  © Marijan Murat/dpa

Bei Maurice Grange (18) sieht es nicht nach einem typischen Teenager-Zimmer aus: Zwischen einem Behälter mit bunten Regenschirmen, einem Kleiderständer mit einem schwarzen Jackett und Kisten voller kleiner Bälle, Bastelutensilien sowie Kartendecks steht ein breiter, fast deckenhoher Spiegel.

Davor trainiert der 18-Jährige aus Stuttgart fast täglich Zauberkunststücke.

Sein Ehrgeiz wurde in diesem Jahr belohnt: Grange belegte noch vor seinem 18. Geburtstag den ersten Platz bei den Deutschen Jugendmeisterschaften der Zauberkunst, in der Sparte Manipulation. In dieser magischen Disziplin geht es um Kunststücke mit kleineren Gegenständen, die viel Fingerfertigkeit erfordern.

Verurteilter Vergewaltiger aus Illerkirchberg aufgetaucht
Baden-Württemberg Verurteilter Vergewaltiger aus Illerkirchberg aufgetaucht

Um eine Demonstration muss man Grange nicht lange bitten - ruckzuck holt er einen Stapel Karten aus seinem Zimmer und lässt ihn nach und nach auf unerklärliche Weise auf die Größe eines Daumennagels schrumpfen.

"Es fasziniert mich vor allem, andere Menschen zu beeindrucken und sie einen Moment den Alltag vergessen zu lassen", erklärt Grange, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr im Stuttgarter Staatstheater absolviert.

Seit vier Jahren probt er magische Kunststücke. Sein Ziel: die Zauberei zum Beruf machen.

Eberhard Riese: "Das ist ein Verrückter"

Maurice Grange (18) hält seine Spielkarten in den Händen.
Maurice Grange (18) hält seine Spielkarten in den Händen.  © Marijan Murat/dpa

Interesse an der Zauberei in Deutschland gibt es nach wie vor. Der Magische Zirkel von Deutschland, in dem sich die nationalen Zauberkünstler und -künstlerinnen vereinigen, zählt laut Präsident Eberhard Riese (71) etwa 2900 Mitglieder. Darunter sind etwa 200 Jugendliche.

Selbst Corona konnte die seit 20 Jahren stabile Mitgliederzahl nicht reduzieren. Allerdings habe die Pandemie für einen "Kahlschlag" bei den Vollzeitzauberinnen und -zauberern gesorgt.

In den Großstädten sei dies jedoch kein Problem: Soziale Netzwerke und Persönlichkeiten wie die Ehrlich Brothers machen das Zaubern laut Riese bekannt und zu einem anerkannten Genre der Unterhaltungskunst. "Wir sitzen nicht mehr in so einer verschmuddelten Ecke", sagt er.

Mit Samuraischwert bewaffnet: Mann geht auf BMW-Fahrerin los
Baden-Württemberg Mit Samuraischwert bewaffnet: Mann geht auf BMW-Fahrerin los

Riese hat den jungen Grange unter seine Fittiche genommen. Der pensionierte Mathe-, Deutsch- und Geschichtslehrer gibt dem Zaubernachwuchs Ratschläge, führt Regie bei Auftritten und stellt Kontakte her.

Über den jungen Mann sagt sein Mentor: "Das ist ein Verrückter - wie alle Manipulatoren." Was dieser an Übungszeit zu Hause zubringe im stillen Kämmerlein, um sich Techniken anzueignen, sei "unglaublich".

Maurice Grange: "Die Kunststücke helfen auch im Alltag"

Natürlich arbeite man sehr viel alleine zu Hause, bestätigt Grange. Angefangen hat er mit Youtube-Videos und Zauberbüchern. Seinem Mentor Riese zufolge kommt man damit bis zu einer gewissen Stelle. Dann brauche es den persönlichen Kontakt mit Fachleuten, die einem sagen, was man falsch mache.

Auch im Alltag helfen Grange die Kunststücke, wie er sagt. Man könne etwas kaschieren, was nicht gesehen werden solle. Außerdem finde man bei Problemen schneller eine Lösung. Als seine Familie vor einiger Zeit die Küchentür reparieren wollte, erinnerte er sich an einen Mechanismus aus einer seiner Nummern.

Dank des technischen Fortschritts gebe es derzeit immer mehr innovative und digitale Kunststücke, erzählt Grange. "Was mich fasziniert, ist, dass ich nach vier Jahren selbst noch von vielem verblüfft bin und nicht weiß, wie es geht."

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

Mehr zum Thema Baden-Württemberg: