Bekanntester Masse-Männelmacher vom Erzgebirge: "Ich habe einen aussterbenden Beruf"

Annaberg-Buchholz - Holzschnitzer - kennen wir. Drechsler ebenso. Doch Masse-Männelmacher sind in Vergessenheit geraten. Nun muss die bekannteste Werkstatt dieser seltenen Zunft auch noch ihr Stammhaus verlassen.

"Ich habe einen aussterbenden Beruf", sagt Männelmacher Konstantin Brückner (43).
"Ich habe einen aussterbenden Beruf", sagt Männelmacher Konstantin Brückner (43).  © Uwe Meinhold

"Ich habe einen aussterbenden Beruf", sagt Konstantin Brückner (43). "Zwar bin nicht der letzte meiner Art. Es gibt im Erzgebirge schon noch ein paar Masse-Männelmacher. Aber meine Firma ist die bekannteste."

In diesen Tagen macht Brückner Inventur und packt die ersten Sachen zusammen. Weil das Elternhaus an seinen Bruder fiel, muss er ausziehen. Mit ihm rund 1000 Masseformen.

In diese handgroßen Schachteln wird Zellulose, also zerriebenes feuchtes Altpapier, gepresst. Heraus kommen filigrane Körper, die, ausschließlich handbemalt, wunderschöne Figuren ergeben.

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Als Heilige Familie stehen sie zu Tausenden auf deutschen Gabentischen, als Jäger, Bergmann oder Zwerg gingen sie einst in alle Welt. Gerade lässt sich die Kirche in Reichenberg ihre 120 Jahre alten Krippen-Figuren restaurieren. Brückner ist mit von der Partie.

Blick in die Mildenauer Werkstatt, die künftig in Annaberg zu finden sein wird.
Blick in die Mildenauer Werkstatt, die künftig in Annaberg zu finden sein wird.  © Uwe Meinhold
Rund 1000 Formen besitzt Brückner.
Rund 1000 Formen besitzt Brückner.  © Uwe Meinhold
Alle alten Formenkisten müssen umziehen.
Alle alten Formenkisten müssen umziehen.  © Uwe Meinhold
Eine typische Krippe mit den Massefiguren.
Eine typische Krippe mit den Massefiguren.  © Uwe Meinhold

Handarbeit hat ihre Grenzen

Seine Firma "Lahl Massefiguren" ist noch älter. Die Firmengründung datiert auf das Jahr 1864. Als mit Theodor Paul Lahl 1959 der letzte Lahl starb, übernahm Brückners Vater. Konstantin Brückner führt die Firma seit dem Jahr 2000. "Ich bin also die 5. Generation", sagt er.

Der bevorstehende Umzug hat aber nicht nur familiäre Gründe. "Die Herstellung der Figuren ist sehr aufwendig. Das kann man nicht maschinell machen. Und wegen der Handarbeit gibt es eine natürliche Grenze hinsichtlich der Menge", sagt er. Davon könne man - auch angesichts gestiegener Preise - nicht mehr leben.

In Annaberg will der studierte Kommunikationsdesigner darum an einer Berufsschule arbeiten - und in der neuen Werkstatt vor allem die gefragten Führungen anbieten.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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