Medizin-Engpässe immer schlimmer: Kinder-Arznei eigentlich für Ukraine bestimmt

Düsseldorf - Der Apothekerverband beklagt einem Medienbericht zufolge einen verbreiteten Mangel an Medikamenten in Nordrhein-Westfalen.

Fast jedes zweite Rezept in den nordrhein-westfälischen Apotheken ist derzeit von Engpässen betroffen.
Fast jedes zweite Rezept in den nordrhein-westfälischen Apotheken ist derzeit von Engpässen betroffen.  © Uli Deck/dpa

"Von den 100 Millionen Rezepten, die jährlich in den Apotheken von NRW eingereicht werden, ist mittlerweile fast jedes zweite von einem Engpass betroffen", sagte der Chef des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis (64), der "Rheinischen Post" (Montag). Mal gebe es das Medikament gar nicht, mal nicht in der verschriebenen Dosierung oder Darreichungsform.

Laut Preis hat das auch zur Folge: "Der Hersteller eines Paracetamol-Safts für Kinder liefert nun Packungen nach Deutschland, die eigentlich für die Ukraine bestimmt sind, eine ukrainische Aufmachung und einen ukrainischen Beipackzettel haben."

Auch Hausärzte sind dem Blatt zufolge alarmiert: "Die Engpässe betreffen verschiedene Blutdruckmedikamente, Schmerzmittel, Psychopharmaka und auch Antibiotika. Bestimmte Säfte sind nicht zu bekommen, das trifft besonders Kleinkinder, die keine Tabletten schlucken können", sagte der Chef des Hausarztverbands Nordrhein, Oliver Funken.

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"Wir fordern die Rückverlagerung der Medikamenten-Herstellung in den Schengenraum."

Lieferengpässe auch bei Krebsmedikamenten

Lieferengpässe gab es zuletzt bei patentfreien Medikamenten wie Fiebersäften für Kinder, aber auch bei Präparaten für Erwachsene wie Antibiotika und Krebsmedikamenten.

Um das künftig zu vermeiden, sollen nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums auch neue Regeln für Vorräte als Sicherheitspuffer kommen.

Titelfoto: Uli Deck/dpa

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