Drei Mal so viel Sturmfluten wie üblich suchten den Norden heim

Hamburg - Der Blanke Hans wütete zuletzt besonders heftig in Norddeutschland. Das hat eine Auswertung ergeben.

Sturmtief "Zeynep" peitsche die Wellen der Nordsee an die Küste. (Archivbild)
Sturmtief "Zeynep" peitsche die Wellen der Nordsee an die Küste. (Archivbild)  © Daniel Reinhardt/dpa

Wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Dienstag mitteilte, gab es im Winterhalbjahr 2021/2022 16 Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste sowie in Emden, Bremen und Hamburg. Das waren dreimal so viel wie im Durchschnitt.

Dabei ist ein Fakt außergewöhnlich. Die Sturmfluten traten gehäuft in Ketten auf. Innerhalb von 48 Stunden folgte die nächste. Besonders drastisch war das in der Zeit vom 30. Januar bis 7. Februar 2022. Der Blanke Hans tobte neun Tage am Stück, das BSH zählte sechs Sturmfluten, von denen zwei schwer waren. Nur kurz darauf folgten vom 17 bis 22. Februar sieben weitere. Das war nach BSH-Angaben die längste Sturmflutkette seit 1990.

Orkantief "Zeynep" führte in der Nacht zum 19. Februar zu einer sehr schweren Sturmflut in Hamburg. Damit stand nicht nur als bundesweites Symbol für Hochwasser in Hamburg bekannte Fischmarkt unter Wasser.

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Auch Teile der Speicherstadt wurden überflutet. Zwei Männer mussten aus ihrem vom Wasser der Elbe eingeschlossenen Auto gerettet werden. Im langjährigen Mittel tritt so eine sehr schwere Sturmflut alle fünf Jahre in Hamburg auf, zuletzt war es 2013 der Fall.

Das war der Grund für die Sturmflut-Kette in Norddeutschland

Die Feuerwehr musste die beiden Auto-Insassen per Schlauchboot aus den Fluten der Elbe in der Hamburger Hafencity retten. (Archivbild)
Die Feuerwehr musste die beiden Auto-Insassen per Schlauchboot aus den Fluten der Elbe in der Hamburger Hafencity retten. (Archivbild)  © Daniel Bockwoldt/dpa

"Zeynep" richtete auch an der Nordseeküste schwere Schäden an. In Sankt Peter-Ording im Kreis Nordfriesland rissen die Wellen einen Holzsteg der markanten Pfahlbauten weg und beschädigten die Dünen.

Grund für die ungewöhnliche Kette waren mehrere aufeinanderfolgende starke Sturmtiefs mit orkanartigem Wind aus nordwestlicher Richtung. Ob das mit dem Klimawandel zusammenhängt, hat das BSH nicht kommentiert. Auch Forscher bringen eine Sturmflut-Häufung damit bislang nicht in Verbindung.

Um die Bevölkerung in den von Überflutungen gefährdeten Regionen einfacher zu erreichen, setzt das BSH mit der im Oktober begonnenen aktuellen Sturmflutsaison auch auf die Warn-Apps NINA und KATWARN.

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Allein in Hamburg befinden sich mehr als 100.000 Haushalte in sturmflutgefährdeten Gebieten und die Erinnerung an die Flutkatastrophe von 1962 mit 315 Toten in der Hansestadt sitzt tief im kollektiven Gedächtnis.

Titelfoto: Daniel Reinhardt/dpa

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