Sassnitz/Teneriffa - Seit Montag, dem. 4. Mai, sind alle Schiffe, die "Timmy" von der Ostsee in die Nordsee begleitet haben, wieder zurück von ihrer Mission – und damit auch die Retter. Doch noch immer stehen große Fragen im Raum: Wo ist der Buckelwal? Lebt er noch? Und vor allem: Was genau geschah bei seiner Freilassung?
Sergio Bambarén (65) war einer der Mitglieder der privaten Rettungsinitiative und damit auch bei der Fahrt mit der Barge und den Begleitschiffen in die Nordsee mit dabei. Nun ist der Experte zurück in seiner Heimat Teneriffa und gab am Dienstag ein ausführliches Statement dazu ab, was aus seiner Sicht in den letzten Tagen passiert ist.
"Ich war weder auf der Barge noch auf einem nahe gelegenen Schiff anwesend, als Hope [so nennt er den Wal, Anm. d. Red.] ins Meer entlassen wurde", so Bambarén auf Instagram.
So habe sich Bambarén etwa 500 Meter weiter entfernt auf einem anderen Schiff befunden. Trotz seines Wunschs, bei der Freilassung in der Nähe des Wals sein zu können, soll die Crew den Experten dabei allerdings nicht in die Nähe des Tieres gelassen haben. Der Grund: Sicherheit und die Gesundheit von Bambarén.
Bisher kursierten bereits Gerüchte, dass die Freilassung womöglich nicht gemäß den Richtlinien zum Tierschutz erfolgte. "Ich hörte, dass sie Probleme hatten, Hope wegen rauer See im Wasser auszusetzen." So soll der Wal in Panik geraten sein "und es gab widersprüchliche Befehle seitens der Retter und des Kapitäns, der alle Retter zurück auf das Schiff schickte, auf dem ich mich befand". Außer Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies (58).
Eine Entscheidung, die er nach eigenen Angaben nie verstehen werde. Nachdem ein Versuch, das Tier freizulassen, offenbar gescheitert war, soll es am frühen Morgen des nächsten Tages einen weiteren Versuch gegeben haben. "Es war grausam, Hope die ganze Nacht allein und niemanden mit ihm im Wasser des Lastkahns zu lassen."
Auch diese Entscheidung empfand Bambarén als großen Fehler. "Aber schließlich wurde er freigelassen", so der Experte, ohne weitere Details hinzuzufügen. Und der Sender? "Ein Ortungsgerät wurde angebracht, um ihn zu überwachen und bis heute empfangen wir Signale, dass es Hope gut geht und er am Leben ist."
Wo ist "Timmy"? Ministerium liegen Senderdaten noch nicht vor
Dem Ministerium lagen Daten des Senders bislang allerdings noch nicht vor. Und auch das Meeresmuseum Stralsund äußerte sich kritisch dazu, dass die Senderdaten fehlen.
Doch das war noch nicht alles. Bambarén behauptet auch, dass Tierärztin Dr. Tönnies allein auf dem Hauptschiff "Fortuna B" gelassen wurde, ohne die anderen Retter. Diesen Befehl habe der Kapitän erteilt. "Dr. Kirsten ist ein wunderbarer Mensch, eine sehr starke Frau und eine hervorragende Tierärztin. Sie hat es nicht verdient, so behandelt zu werden, wie sie behandelt wurde."
Bereits am Montag schilderte die 58-Jährige ihre schrecklichen Erlebnisse auf dem Schiff. So habe der Kapitän ihr auch gedroht, sie in Arrest zu nehmen. Neben Tönnies war also auch Bambarén nicht direkt bei der Freilassung von "Timmy" dabei. Dennoch ist sich der Experte sicher: "Hope ist frei und lebendig und mein Herz und meine Seele jubeln vor Glück."
Ob "Timmy" also wirklich noch am Leben ist? Nach seiner Freilassung und fehlenden Senderdaten gab es einige kritische Stimmen. Unter anderem vom Meeresmuseum, das nicht ausschließt, dass der Buckelwal mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits gestorben sei.