Umstrittene Buckelwal-Freilassung: Tierärztin rechnet mit Boots-Crew ab

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Cuxhaven - Buckelwal "Timmy" ist frei: Die Freude am Samstag war zunächst groß, doch immer mehr Fragen kommen rund um die Freilassungsaktion des Ozeanriesen auf. Tierärztin Kirsten Tönnies (58) übte harsche Kritik gegenüber NEWS5 an der Boots-Crew.

Die Tierärztin Kirsten Tönnies (58) stellt klar, dass sie mit der Freilassungsaktion des Buckelwals nicht zufrieden ist. (Archivfoto)
Die Tierärztin Kirsten Tönnies (58) stellt klar, dass sie mit der Freilassungsaktion des Buckelwals nicht zufrieden ist. (Archivfoto)  © Philip Dulian/dpa

Mit dem Eintreffen des Schleppers "Fortuna B" in Cuxhaven machte Tierärztin Tönnies ihrem Ärger Luft. Die 58-Jährige berichtete, als die Crew am Samstagmorgen schauen wollte, ob der Buckelwal noch in der Barge liegt, doch Tönnies wurde ausgeschlossen.

Schon am Vortag habe sie nicht zu dem Wal gedurft, angeblich sei die See zu rau gewesen. "Das war Unsinn, weil ich eine der Geschicktesten beim Übersteigen war", stellte die Veterinärin klar.

Von außen gab es Kritik, dass die Experten bei der Freilassung nicht dabei sein durften, und das sei ihrer Meinung nach auch richtig so. "Ich habe versucht, mit einigen darüber zu reden, die finden dann komische Ausreden, sie meinten: Hauptsache, der ist draußen, egal wie."

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Für Tönnies sei das ein klarer Verstoß gegen die Abmachung: Die Freilassung sollte tierschutzgerecht stattfinden und das sei nicht zugelassen worden.

Kapitän drohte Tönnies unter Arrest zu stellen

Buckelwal "Timmy" ist seit Samstag frei, doch zu welchem Preis? (Archivfoto)
Buckelwal "Timmy" ist seit Samstag frei, doch zu welchem Preis? (Archivfoto)  © Sebastian Peters/NEWS5/dpa

Vorher hatte die Crew an sich einen guten Job gemacht, so die Veterinärin. Die Entladung sei für sie jedoch ein absolutes No-Go gewesen. Nach der Befreiungsaktion hatte sie das Gefühl, dass die Männer ihren Erfolg feiern wollten: "Ich habe dann gesagt, dass das absolut nicht in Ordnung war", so Tönnies. Einer der Crew-Mitglieder habe gesagt: "Das Mistviech ist jetzt weg, das ist die Hauptsache!"

Die Stimmung war ihren Worten nach "sehr ungemütlich an Bord", die Männer reagierten teilweise unterschwellig aggressiv ihr gegenüber. Alle glaubten, Tönnies würde Informationen nach draußen geben, und sie konnte niemanden vom Gegenteil überzeugen. Für die Tierärztin sei die Situation teilweise richtig schlimm gewesen mit den "zehn kräftigen Männern" an Bord.

Auch mit dem Kapitän gab es Auseinandersetzungen: "Der Kapitän hat gezittert vor Wut, war knallrot, als er in den Raum reinkam." Sie wollte die Wogen mit ihm glätten, doch er verweigerte ein Gespräch mit ihr. Er habe ihr auch gedroht, sie in Arrest zu nehmen. "Ich war völlig allein, am Ende isoliert. Keiner durfte mehr mit mir reden."

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Die vergangenen Tage waren für die 58-Jährige nicht leicht: "Ich habe so viel geheult in den letzten zehn Tagen wie nicht in zehn Jahren vorher vor lauter Emotionalität". Ihrer Meinung nach sind die Leute der Initiative belogen worden, die "Entladung" des Buckelwals sei nicht tierschutzgerecht abgelaufen: "Timmy wurde rausgezogen."

Der einzige Experte, der bei der Freilassung dabei war, ist Sergio Bambarén, bislang hält er sich jedoch mit einem Statement zu den angewendeten Befreiungsmethoden zurück.

Titelfoto: Bildmontage: Sebastian Peters/NEWS5/dpa, Philip Dulian/dpa

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