Zum 100. Jubiläum: Warum Sylt einen neuen Namen für den Bahndamm will

Von Birgitta von Gyldenfeldt

Westerland - Syltdamm statt Hindenburgdamm: Zum 100. Jubiläum im kommenden Jahr will die Insel den neuen Begriff etablieren und nur noch diesen im Zusammenhang mit dem Bahndamm durchs Watt verwenden. Darauf haben sich die Gemeinde und zahlreiche andere Partner nun zum Start des Jubiläumsjahres verständigt. Offiziell umbenennen lässt sich eines der bekanntesten Bahnbauwerke Deutschlands indes nicht.

Ein Zug der Deutschen Bahn (DB) fährt über den Bahndamm zwischen Sylt und Niebüll.  © Carsten Rehder/dpa

Paul von Hindenburg (1847–1934) ist eine hochgradig umstrittene Figur. Er war Reichspräsident in der Weimarer Republik, heute gilt er vielen vor allem als "Steigbügelhalter Hitlers", den er zum Reichskanzler machte und damit die Diktatur erst ermöglichte.

In vielen Städten wurden nach Hindenburg benannte Straßen und Plätze nach zum Teil langen und kontroversen Debatten bereits vor Jahren daher umbenannt. 

Offiziell auf diesen Namen getauft wurde der Bahndamm nie. Dass sich die Bezeichnung "Hindenburgdamm" in den Sprachgebrauch eingebürgert hat, rührt wahrscheinlich von der Gegebenheit, dass der damalige Reichspräsident Paul Hindenburg bei der Eröffnung des Dammes am 1. Juni 1927 anwesend war.

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Und der damalige Reichsbahn-Chef Julius Dorpmüller in seiner Rede Hindenburg huldigte und befand: Auf dessen Namen "wollen wir" den neuen Damm taufen – er heiße "Hindenburgdamm". 

Über den Begriff für den Bahndamm wird seit Jahren immer wieder debattiert. Vielen ist auch schon länger bewusst, dass der Name Hindenburgdamm problematisch ist. So taucht auf den Internetseiten der Deutschen Bahn und anderenorts der Begriff schon seit einigen Jahren nicht mehr auf.

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Der Syltdamm müsste eigentlich "1210" heißen

Wolken ziehen vor einem blauen Himmel über das Wattenmeer am Syltdamm vor der Insel Sylt.  © Axel Heimken/dpa

Auch die Sylt Marketing GmbH benutzt den Begriff beispielsweise schon lange nicht mehr in ihrer Kommunikation. Und Gäste und Einheimische sprechen mittlerweile ebenfalls öfter als früher einfach vom Bahndamm nach Sylt oder Syltdamm. 

Jeder könne nach wie vor den Namen verwenden, den er möchte, sagte der Pressesprecher der Gemeinde Sylt. Innerhalb des Eventteams "100 Jahre Syltdamm" wurde sich für die Kommunikation rund um das Jubiläumsjahr aber bewusst auf die Bezeichnung Syltdamm verständigt. "Eine Umbenennung wurde damit nicht beschlossen."

Offiziell heißt der Damm weiterhin weder Hindenburgdamm noch Syltdamm. Ein Namensschild an der Strecke gibt es nicht.

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Denn die einzigen Eisenbahnbauwerke, die offiziell getauft werden, sind nach Angaben der Deutschen Bahn Tunnel. Das Bauwerk zwischen Festland und Insel ist ein Abschnitt der Strecke Elmshorn – Westerland und trägt wie jede Strecke der Deutschen Bahn eine interne Nummer. In diesem Fall ist es die 1210.

Von April bis September 2027 wird es eine Ausstellung des Sylter Archivs anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bahndamms im Foyer des Westerländer Rathauses geben. Die Schau widmet sich der Geschichte des Bahndamms, seiner Bedeutung für die Insel und insbesondere der historischen und aktuellen Diskussion um die bis heute verbreitete Bezeichnung Hindenburgdamm, teilte das Eventteam mit.

Thematisiert werden demnach unter anderem die Entstehung des Namens, die Person Paul von Hindenburg sowie vergangene und aktuelle Debatten über den Umgang mit Ehrungen von Persönlichkeiten, die inzwischen kritisch betrachtet werden, und mögliche Formen der Auseinandersetzung damit.

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