Der Wal-Retter mit dem Selfiestick: Robert Marc Lehmann "ausgeschlossen" und auf 180

Wismar - Zum dritten Mal ist der Buckelwal in der Ostsee gestrandet. YouTuber und Experte Robert Marc Lehmann (43) ist nicht mehr dabei und erhebt Vorwürfe.

Robert Marc Lehmann (43) war gemeinsam mit weiteren Einsatzkräften stundenlang im eiskalten Wasser.
Robert Marc Lehmann (43) war gemeinsam mit weiteren Einsatzkräften stundenlang im eiskalten Wasser.  © Ulrich Perrey/dpa

Auf die spektakuläre Rettungsaktion bei Niendorf folgte am Samstag die Ernüchterung. Der Buckelwal war wieder gestrandet, diesmal in der Wismarer Bucht.

Zur Ernüchterung kam auch noch Überraschung: Von Lehmann, der vor Niendorf immer wieder in das Wasser und zum Wal gegangen war, sich nach eigenen Aussagen das Vertrauen des Wal erarbeitet hatte, fehlte jede Spur.

Für viele, die die Befreiung des Wals mitverfolgt haben, war er zum Gesicht der Rettung geworden.

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Die Erklärung folgte via Instagram. Man habe ihn ausgeladen, weiterhin Teil des Retterteams zu sein, und ihm Selbstdarstellung vorgeworfen, sagte der YouTuber.

"Wir haben niemanden ausgeschlossen. Ich sage das in aller Deutlichkeit", stellte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Sonntag klar.

Auch Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) dementierte. "Am Freitag war er mit im Bootsverband und hat diesen anschließend verlassen, ohne dass meines Wissens von irgendjemandem verlangt wurde, dass er den Verband verlassen muss", so die Tierärztin.

TAG24 war am Freitag vor Ort, als Lehmann wutentbrannt von seinem Boot stieg. "Jetzt ist es wichtig, ihn eigentlich zu guiden, dabei zu bleiben, von Menschen, die Ahnung haben", so Lehmann. Ein offensichtlicher Seitenhieb gegen Greenpeace und das ITAW, deren Vertreter zu diesem Zeitpunkt Teil des Bootsverbundes waren, der den Wal erfolgreich vom Strand fernhielt.

Auf die Frage, warum er dann nicht mehr auf dem Wasser sei, kam eine wütende Antwort. "Dann frag dich mal, warum", sagte der YouTuber und ging ohne ein weiteres Wort zu sagen davon.

Auf der Ostsee kam es zum Bruch

Robert Marc Lehmann nahm zum ersten Kontakt mit dem Wal einen Selfiestick mit.
Robert Marc Lehmann nahm zum ersten Kontakt mit dem Wal einen Selfiestick mit.  © TAG24/Tobias Bruns

Der Bruch zwischen den Experten fand also offenbar auf der Ostsee statt. Wie TAG24 vor Ort erfuhr, soll Lehmanns Team mehrfach die Bootsformation gesprengt haben und sehr nah an den Wal herangefahren sein.

Die Wasserschutzpolizei habe sie per Funk zurückgepfiffen und weitere Ausbrüche aus der Formation untersagt. Daraufhin sei das Boot mit Lehmann zurück in den Niendorfer Hafen gefahren.

Bei Hintergrundgesprächen mit Mitgliedern des Rettungsteams war zuvor schon herauszuhören, dass in der Zusammenarbeit mit dem Influencer nicht alles wie am Schnürchen lief.

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Lehmann, der zuvor "Das Vieh ist halb tot" über den Buckelwal gesagt hatte, nahm bei seiner ersten Annäherung mit dem Wal einen Selfiestick mit.

Ein nach eigener Aussage sterbendes Tier zu filmen, sei ethisch höchst fragwürdig, sagte ein Mitglied des Rettungsteams zu dieser Aktion gegenüber TAG24. Genannt werden wollte die Person nicht.

Video des YouTubers sorgte für Shitstorm gegen Wissenschaftlerin

Robert Marc Lehmann beteiligte sich am Donnerstag und Freitag an der seit Montag andauernden Rettung.
Robert Marc Lehmann beteiligte sich am Donnerstag und Freitag an der seit Montag andauernden Rettung.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Kein Wunder, gab es doch erst kürzlich einen erheblichen Shitstorm gegen Lisa Klemens vom Deutschen Meeresmuseum. Die Wissenschaftlerin vermutete Anfang März in einer ersten Einschätzung, dass es sich um einen Finnwal handeln könnte.

Lehmann veröffentlichte daraufhin ein YouTube-Video, zeigte sich fassungslos über die Einschätzung.

Die Folge: Klemens erhielt etliche Drohungen, wie das Deutsche Meeresmuseum auf Anfrage bestätigte. Verständlich also, dass man sich mit Aussagen zurückhielt.

Die Vorwürfe des YouTubers sorgen jetzt für den nächsten Shitstorm. Da das ITAW keine Social-Media-Präsenz hat, nutzen die User die Google-Rezensionen für kritische Kommentare.

Über die Aussagen, dass er nicht ausgeschlossen worden sei, machte sich der YouTuber via Instagram lustig und konnte sich einen weiteren Seitenhieb nicht verkneifen. "Jetzt sind die Leute am Drücker, die den Wal als Finnwal identifiziert haben", sagte er.

Titelfoto: Ulrich Perrey/dpa

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