Experte nach Strandung eines Buckelwals sicher: "Dieses Tier wird sterben"

Niendorf - Der gestrandete Buckelwal sitzt auch am Dienstag noch auf einer Sandbank vor Niendorf fest. Eine Rettung scheint kaum möglich.

Schiffe der Küstenwache erzeugten am Montag Wellen, um den Wal bei der Befreiung zu unterstützen.
Schiffe der Küstenwache erzeugten am Montag Wellen, um den Wal bei der Befreiung zu unterstützen.  © Jens Büttner/dpa

Die Geräusche, die der in Not geratene Meeressäuger von sich gibt, vibrieren im ganzen Körper und sind kilometerweit zu hören. Es ist schwer auszuhalten, das Tier so leiden zu sehen.

Am Montag schlug die Verzweiflung bei einigen Schaulustigen schon in Wut um. "Wo ist die Feuerwehr? Warum ist keiner im Wasser und benetzt den Wal? Es muss doch jemand rein und das Tier beruhigen", schrie eine aufgebrachte Frau den Einsatzkräften vor Ort zu.

Die Feuerwehr kam, paddelte immer wieder mit einem Schlauchboot an den Wal heran. Sie konnte zwar die restlichen Teile eines Fischernetzes lösen und den Wal dazu animieren, sich zu bewegen, doch freischwimmen konnte sich der Bartenwal nicht.

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Auch die Versuche der Küstenwache, den Wal mittels erzeugter Wellen zu befreien, schlugen fehl. Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann ist sicher daher sicher: "Leute, dieser Wal ist am Ende seines Lebens. Er ist schwer krank, er ist erschöpft, er ist schwach. Die letzten Tage, das Stressen, der Futtermangel, die Hautkrankheit und alle Sekundärinfektionen - dieses Tier wird sterben. Punkt", so der Experte in seiner Instagram-Story.

"Bevölkerung, habt Verständnis. Polizei und Ordnungsamt, seid milde, informiert. Und alle Meeresexperten außen herum, informiert die Leute, was da gerade passiert. Und lasst den Wal einfach in Frieden gehen, so traurig es auch ist", lautet Lehmanns Forderung.

Am Dienstagmittag soll das weitere Vorgehen besprochen werden

Der Wal liegt wenige Meter vor der Küste auf einer Sandbank und kann sich nicht befreien.
Der Wal liegt wenige Meter vor der Küste auf einer Sandbank und kann sich nicht befreien.  © NEWS5/René Schröder

Unter seinen Kollegen herrscht aktuell keine Einigkeit über das weitere Vorgehen. Im Gespräch mit TAG24 widerspricht Frank Schweikert, Gründer und Vorstand der Deutschen Meeresstiftung, den Forderungen Lehmanns teilweise.

"Jeder Hauch von Versuch der Rettung ist erst mal richtig und wichtig", so der Biologe. Die Chancen für den Wal stehen auch aus seiner Sicht schlecht. "Aber ich finde, wenn die Wissenschaftler vor Ort signalisieren, dass der Gesundheitszustand es zulässt, sollte man auf jeden Fall noch einen Rettungsversuch unternehmen", sagt Schweikert.

Weitere Rettungsversuche stressen den Wal allerdings auch und können zu Verletzungen führen. "Bitte, liebe Behörden und Leute vor Ort, macht keine Seile an der Schwanzwurzel fest. Wenn ihr da die Wirbelkörper auseinanderzieht, dann 'querschnittslähmt' ihr den", fleht Lehmann.

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Eine Option sei es, Bergegurte um die Flipper zu legen und das Tier mit zwei Booten von der Sandbank zu ziehen. "Das ist aber erstens gefährlich, zweitens, wenn der Wal schwer aufliegt, brecht ihr ihm damit die Arme oder kugelt die aus. Ergo, alles mit Bedacht, alles sehr vorsichtig", so der Meeresbiologe.

Wie es vor Ort weitergeht, soll gegen am Mittag entschieden werden.

Titelfoto: Jens Büttner/dpa

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