Ostsee - Seit zwei Wochen ist ein etwa zehn Meter langer Wal in der Lübecker Bucht unterwegs. Sein Zustand bereitet Experten sorgen.
Am Samstag folgte die bislang letzte Sichtung des Meeressäugers, dieses Mal vor Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern).
"Er ist schon sehr geschwächt und es besteht die Gefahr, dass er sich quasi selbst strandet", sagte Anke Neumeister, Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums, im Gespräch mit TAG24.
Das Tier wurde schon einmal in dieser Küstenregion gesichtet, damals sei er fast gestrandet.
"Er konnte sich dann aber noch mit einer Bewegung wieder in tieferes Wasser retten. Aber es ist natürlich alles total anstrengend und verwirrend für ihn. Er kennt die Region hier gar nicht und weiß nicht, wohin", so Neumeister.
Die Tierschützer von der Organisation Sea Shepherd e.V. würden dem Wal gerne helfen, ihn von einer Leine befreien, die an seinem Hals festhängt.
"Wir konnten da aber nicht an ihn ran, weil er im Flachwasser war. Er muss die Möglichkeit haben, flüchten zu können. Bei dieser Wassertiefe besteht sonst die Gefahr der Strandung", erklärt Skipper Carsten Mannheimer von Sea Shepherd.
Der Wal, bei dem sich die Experten noch nicht sicher sind, ob es ein Pott- oder ein Finnwal ist, ernährt sich normalerweise von Plankton. Da es in der Ostsee aber nicht in ausreichender Menge vorkommt, folgt das Tier Heringsschwärmen.
Wal könnte sich erneut in Ostsee-Häfen verirren
Das Problematische daran: Die Fische ziehen zum Laichen in flachere, wärmere Küstenregionen. "Gerade jetzt sind ja teilweise auch noch niedrigere Temperaturen. In Hafennähe ist das Wasser immer ein bisschen wärmer. Da haben sie ihre Gebiete, wo sie langziehen", erläutert Neumeister.
Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass er sich wieder in Häfen verirrt, die über die entsprechende Tiefe verfügen. Travemünde zum Beispiel, oder eben Wismar, wo er am 3. März auftauchte.
Damals konnte ein Taucher den Meeressäuger immerhin größtenteils von einem Fischernetz befreien.
Eine Woche später führte ihn sein Irrweg in ein Fischernetz an der Küste vor Steinbeck (Mecklenburg-Vorpommern). Der Fischer, dem das Netz gehörte, bemerkte den ungewöhnlichen Beifang und holte es ein. Dabei wurde es zerstört und das Tier befreit.
Die Experten hoffen, dass der Meeressäuger den Weg zurück in den Atlantik findet.
Bis dahin bittet das Deutsche Meeresmuseum die Bevölkerung darum, sich bei Sichtungen unter der Rufnummer 0173 9688 267 oder per Mail an sichtungen@meeresmuseum.de zu melden.