Legendäres Weltreise-Segelboot gesunken: Vater und drei Söhne bauten es über Jahre
Rostock - Am Mittwochmorgen ist im Stadthafen Rostock ein historisches Boot gesunken. Die "Maranatha" hat eine bewegte Vergangenheit.
Die Nachricht über das gesunkene Schiff erreichte die Wasserschutzpolizei gegen 8 Uhr. Die Brigantine aus massivem Tropenholz sei aus noch unbekannten Gründen auf den Grund der Warnow gesunken, teilte die Behörde mit.
Bei der Havarie riss das Schiff beinahe noch ein 22 Meter langes Motorboot mit in die Tiefe, das an dem gesunkenen Schiff befestigt war.
Die Feuerwehr habe aufgrund einer "bunt schillernden Substanz" eine Ölsperre rund um das Boot ausgelegt. Die Wasserschutzpolizei nahm eine Anzeige wegen Gewässerverunreinigung auf.
Was dort am Grund des Rostocker Stadthafens liegt, ist ein Unikat mit bewegter Geschichte. 135 Quadratmeter Wohnfläche, sieben Zimmer, eine Einbauküche mit Geschirrspüler und mehrere Bäder fanden an Bord Platz.
Erbaut wurde das Schiff von 1984 bis 1991 von Udo Grebe und seinen drei Söhnen. Die Familie investierte laut dem Magazin Yacht rund 40.000 Arbeitsstunden, 1,5 Millionen Mark an Materialkosten und grenzenlose Leidenschaft.
Der Traum: Eine Weltumsegelung mit der ganzen Familie.
"Maranatha" segelte bis in die Karibik
Die Kosten für den Bau wurden durch eine eigene Baufirma, eine Erbschaft und Kredite finanziert. Jeder baute auf dem Schiff seine eigene Kajüte. Für die letzten Schritte musste der Koloss ins Freie - und lockt Schaulustige und Journalisten an.
Durch die Berichterstattung wurde das Schiff bekannt wie ein bunter Hund. Als es 1991 zu Wasser gelassen wurde, wohnten Tausende dem Spektakel bei.
Mit einer 13-köpfigen Crew aus Familienmitgliedern lief die "Maranatha" schließlich am 25. August 1991 aus.
Doch die Reise stand unter keinem guten Stern. Das Ruder brach, die Technik machte Probleme, ein Brand im Maschinenraum und eine zerstörerische Windhose brachten die Familie zur Verzweiflung.
Als das Schiff schließlich trotzdem die Karibik erreichte, war das Geld alle. Die Überquerung des Atlantiks mit der Lübecker Bucht als Ziel war die letzte Reise der Familie. Anschließend wechselte die "Maranatha" den Besitzer.
In Rostock wurde das Schiff zuletzt zu einem Motorschiff umgebaut.
Titelfoto: Stefan Tretropp

