Retter-Mitglied über "Timmy": "Er lebt" - Erstes Begleitschiff mit Helfern ist wieder zurück

Niendorf/Wismar/Poel/Skagen - Buckelwal "Timmy" schwimmt nach mehreren Strandungen in den vergangenen Wochen seit Samstagmorgen wieder im offenen Meer. Sein Sender hat die ersten Signale geliefert. TAG24 berichtet im Liveticker.

Buckelwal Timmy hat seine Barge am Samstagmorgen verlassen und schwimmt wieder im offenen Meer. Sein Sender hat die ersten Signale geliefert.  © Sebastian Peters/NEWS5/dpa

Mit einem Konvoi wurde der Ozeanriese seit vergangenem Dienstag kontinuierlich in Richtung Dänemark transportiert, nachdem die private Rettungsinitiative mit dem Barge-Plan Erfolg gehabt hatte.

In der Nordsee sollte "Timmy" freigelassen werden, doch ein erster Versuch am Freitag misslang. Am Samstagmorgen glückte der Plan, der Koloss verließ die Barge.

Die Umstände seiner Freilassung werfen jedoch Fragen auf. Zudem funktioniert der Sender, der dem Tier verpasst wurde, zumindest in Sachen Ortung nicht wie gewünscht.

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3. Mai, 20.11 Uhr: Erstes Begleitschiff von "Timmy" ist zurück

Eigentlich wurde die "Arne Tiselius" gegen 18 Uhr im Hafen von Sassnitz (Mecklenburg-Vorpommern) erwartet. Erst rund zwei Stunden später gegen 20 Uhr traf das Begleitschiff schließlich dort ein. Auf diesem Schiff sollen sich nach Angaben von NEWS5 alle Mitglieder des Rettungs-Teams außer Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies befinden.

Diese befinde sich auf der "Fortuna B". Das Schiff wurde um 18 Uhr in Cuxhaven erwartet, hat jedoch Verspätung. Bislang ist es noch nicht im Hafen eingetroffen. Grund für die Verzögerung seien schwere Unwetter, Regen und Wind auf der See kurz vor Cuxhaven.

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3. Mai, 17.27 Uhr: Reederei äußert sich zur Freilassung

Die "Robin Hood" hatte "Timmy" auf seinem Weg in die Nordsee begleitet. Jetzt äußerte sich die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs. Diese teilte nach Angaben von dpa in einem Schreiben mit, die Freisetzung sei erfolgreich und in Abstimmung mit Jeffrey Foster vom Whale Sanctuary Project erfolgt, unter Berücksichtigung insbesondere der Schiffssicherheit und des Wohls des Wals.

"Timmy" sei zuvor durch den Seegang offenbar immer wieder gegen die Wände der Barge gestoßen. Auch von "vielen riskanten Manövern" während des Transports ist die Rede.

Vom Team der Initiative war lediglich Jeffrey Foster an Bord des Lastkahns, als der Wal ins Wasser kam. Foster, der unter anderem an der gescheiterten Auswilderung des Orcas "Keiko" ("Free Willy") beteiligt war, teilte dpa mit, seine Teammitglieder seien an dem Morgen nicht noch einmal auf die Barge gelassen worden. Darum habe der Gesundheitszustand des Wals nicht - wie eigentlich vorgesehen - noch einmal überprüft werden können.

3. Mai, 14.51 Uhr: Greenpeace-Experte widerspricht Geldgeberin

Entgegen der Angaben von Geldgeberin Karin Walter-Mommert (62), solle der Sender am Wal keine Vitalwerte des Tieres übertragen können. Das entgegnete Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace nach Angaben von dpa.

Sollte das geschwächte Tier ertrinken, würde ein GPS-Sender ohnehin keine Ortsdaten mehr liefern: Solche Sender funken ihren Standort üblicherweise nur dann, wenn sich das jeweilige Tier an der Wasseroberfläche aufhält.

Im Todesfall würde der Kadaver trotz der beim Verwesen entstehenden Gase wahrscheinlich nicht an die Wasseroberfläche hochtreiben, weil der Wasserdruck das in tieferen Gewässern verhindert. Sollte das Tier zuvor wieder in Küstennähe geschwommen sein, könnte es dort angespült werden. Wo sich "Timmy" aktuell befindet, ist weiterhin nicht bekannt.

Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace erklärt, dass der Sender am Tier keine Vitaldaten liefert. (Archivfoto)  © Stefan Sauer/dpa

3. Mai, 12.23 Uhr: Aufenthaltsort unbekannt, aber "Timmy" geht's gut

Initiatorin Karin Walter-Mommert (62) hat gegenüber "BILD" bestätigt, dass der Sender defekt und der Aufenthaltsort von "Timmy" unbekannt sei. Es seien schon Techniker aus den USA ins Boot geholt worden.

Die guten Nachrichten: Die Vitalwerte des Tieres würden trotzdem immer dann ans Retter-Team gesendet werden, wenn der Wal auftauche und der Sender an der Luft sei.

Laut Walter-Mommert sei "Timmys" Zustand demnach "im grünen Bereich. Wenn das die nächsten 14 Tage so weitergeht, sind wir glücklich."

3. Mai, 11.27 Uhr: Hier fahren Schlepper und Begleitboote nun hin

Über die Seite "Vesselfinder" können die aktuellen Routen der an der Rettung beteiligten Schlepper und Begleitboote nachverfolgt werden.

Die "Fortuna B" ist demnach auf dem Weg nach Cuxhaven (Niedersachsen), wo sie am Abend gegen 18 Uhr erwartet wird. Die "Arne Tiselius" soll gegen 18 Uhr wiederum in Sassnitz (Mecklenburg-Vorpommern) einlaufen.

Und die "Robin Hood", die die nun leere Barge zieht, soll am morgigen Montag gegen 12 Uhr in Kiel (Schleswig-Holstein) eintreffen.

Ob sich die Beteiligten dann noch einmal zu der Mission, der Freilassung und möglichen Streitigkeiten äußern werden, ist unklar.

3. Mai, 11.04 Uhr: Retter-Mitglied über Buckelwal "Timmy" - "Er lebt!"

Der Peruaner Sergio Bambarén (65), Mitglied des Retter-Teams, hat sich am Sonntagvormittag via Instagram gemeldet - und spannende Informationen geteilt.

Nachdem er zunächst davon geschwärmt hatte, wie der Wal die Welt vereint und gezeigt habe, "dass Liebe das Unmögliche möglich machen" könne, kam er zum wirklich wichtigen Teil seines Posts.

Bambarén schrieb: "Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, kam Mike, ein Mitglied des US-Teams, zu mir. Sie empfangen die ersten Signale von Hope [so nennt er den Wal, Anm. d. Red.]. Er lebt!"

Bis zuletzt hatte es Zweifel gegeben, ob der Sender, der dem Tier verpasst worden war, funktioniert. Nun scheint es diesbezüglich also gute Nachrichten zu geben.

3. Mai, 8.16 Uhr: Initiatoren distanzieren sich von "Timmys" Freilassung

Während es auch am Sonntagmorgen keine neuen Informationen zu "Timmys" Standort und Zustand gibt, distanzierten sich die Initiatoren und Geldgeber Karin Walter-Mommert und Walter Gunz noch am Samstagabend in einem Statement von der Freilassung des Wals.

"Wir konstatieren hiermit, dass wir an der heutigen Entlassungsaktion des Wales weder beteiligt waren noch diese aktiv begleitet haben. Etwaige Konsequenzen für nicht abgestimmte Handlungen am und um den Wal haben der Eigner, die Betreiber und uns bekannte Personen der Crew der Schiffe Fortuna B und Robin Hood zu tragen", schrieben sie.

Walter-Mommert und Gunz betonten, dass die Besatzung Maßnahmen ergriffen habe, "um den Wal von Bord zu bekommen". Eine geplante Inaugenscheinnahme durch die Tierärztinnen der Initiative sei verhindert worden.

Retter-Mitglied Jeff Foster soll zudem untersagt worden sein, sein Handy zu nutzen - unter Androhung, dieses ins Meer zu werfen.

Unternehmer Walter Gunz finanzierte die Rettung von Wal "Timmy" gemeinsam mit Karin Walter-Mommert. Von der Freilassung distanzierten sich die beiden Geldgeber nun.  © Michael Faulhaber/-/dpa

2. Mai, 17.41 Uhr: Ministerium hat weiter keine GPS-Daten zu "Timmy"

TAG24 fragte beim Umweltministerium nach, ob inzwischen GPS-Daten zu "Timmy" eingegangen seien. Sprecherin Eva Klaußner-Ziebarth betonte am späten Nachmittag: "Wir haben nichts vorliegen."

Minister Backhaus hatte bereits am Vormittag kritisiert, dass die Rettungsinitiative noch keine Daten übermittelt habe. Daran hat sich bis jetzt nichts geändert.

Der genaue Standort des Wals sowie sein Zustand bleiben weiter unklar.

2. Mai, 16.21 Uhr: Peilsender soll erste Signale gesendet haben

Laut "BILD" soll der Peilsender inzwischen erste Signale gesendet haben, wenn auch nur sporadisch. Demnach scheint sich "Timmy" aber in die richtige Richtung zu bewegen.

Die Vermutung sei, dass der Sender womöglich beschädigt wurde, als der Wal aus der Barge freigelassen wurde.

2. Mai, 16.03 Uhr: Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe gegen Besatzung

Nun hat auch Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies schwere Vorwürfe gegen die Besatzung der "Fortuna B" erhoben. Auf Instagram postete die Medizinerin ein Video-Statement.

Zu sehen waren die Aufnahmen vom gestrigen Freitag, als ein Schlauchboot direkt hinter und sogar in der Barge war und versucht wurde, den Wal mit einem Seil ins Meer zu ziehen.

Tönnies erklärte, dass das eine Aktion der Besatzung gewesen sei, bei der die Mitglieder der Rettungsinitiative ausgeschlossen worden seien. "Das ist eine unfassbare Frechheit, was hier abgeht", kommentierte die Veterinärin.

Die Tierärztin deutlich: "Niemand von uns darf dabei sein und die machen mit Timmy, was sie wollen. Unfassbar, ich bin so wütend!". Die Aufnahmen der Seil-Aktion hatten für viel Aufruhr gesorgt.

Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies hat schwere Vorwürfe gegen die Besatzung der "Fortuna B" erhoben.  © Philip Dulian/dpa

2. Mai, 15.43 Uhr: Retter sollen von Freilassung überrascht worden sein

Wie Initiatorin und Geldgeberin Karin Walter-Mommert gegenüber "BILD" erklärte, sollte der Buckelwal eigentlich erst am Samstagnachmittag freigelassen werden - nach einer erneuten Begutachtung durch die anwesenden Tierärztinnen.

Doch am Morgen sei der Plan offenbar von der Besatzung über den Haufen geschmissen worden. "Es gab wohl Druck auf die Schlepper-Kapitäne. Einer soll schon am 7. Mai in Holland sein. Und das, obwohl ich die Schlepper mit OpenEnd gebucht hatte", verdeutlichte Walter-Mommert.

Eine Erklärung dafür habe es nicht gegeben. Der Kapitän der "Fortuna B" habe von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und dem Retter-Team jede weitere Dokumentation untersagt. Die Mitglieder der Initiative seien daraufhin auf einem anderen Schlepper untergekommen.

Unternehmerin Karin Walter-Mommert (62) finanziert die Rettung. Sie erhebt nun Vorwürfe gegen die Besatzung des Schleppers "Fortuna B". (Archivfoto)  © IMAGO / Marius Schwarz

2. Mai, 13.28 Uhr: Aufenthaltsort von "Timmy" bleibt ein Mysterium

Constanze von der Meden, die Rechtsanwältin der Initiative, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass vorerst keine Angaben zur Schwimmrichtung des Wals gemacht werden könnten. Was das Problem sei, blieb zunächst unklar.

Meeresbiologe Fabian Ritter übte deutliche Kritik: "Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das 'Rettungsteam'. Es gab bisher genug Anlässe, an der Professionalität des Teams zu zweifeln, dies wäre der folgenschwerste."

Wenn das Tier nicht verfolgt werden könne, könne man die gesamte Mission als fehlgeschlagen bezeichnen.

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