Sterbender Buckelwal in der Ostsee: Retter sind "am Ende ihrer Kräfte"

Wismar - Während der Buckelwal im Sterben liegt, werden die Retter weiter angefeindet. Inzwischen sind die Experten nervlich am Ende, wie TAG24 im Gespräch mit dem Deutschen Meeresmuseum erfuhr.

Seit dem 3. März wurden zahlreiche Aktionen gestartet, um dem Buckelwal zu helfen.  © Florian Manz/Greenpeace Germany/dpa

Seit über einem Monat blicken die Medien und etliche Menschen auf die Ostseeküste und die Tragödie um den verirrten Buckelwal. Vor knapp zwei Wochen wurde schließlich entschieden, dass man alle Rettungsversuche einstellt. 

Der Wal liegt im Sterben, so das einstimmige Urteil der Experten vor Ort. Dafür spreche laut Gutachten die wiederholte Einzelstrandung, die bei Walen in der Regel auf ein schweres Gesundheitsproblem hindeute. 

Die Haut zeige großflächige, blasenartige Hautveränderungen, zudem wurde der Ozeanriese offenbar von einer Schiffsschraube verletzt. Ob und in welchem Umfang sich ein Geisternetz im Maul des Tieres befindet, konnte nicht beurteilt werden.

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Doch die in den vergangenen Wochen entstandene Community rund um das Wal-Drama will sich damit nicht abfinden. "Die Anfeindungen, die gehen nach wie vor weiter. Da können wir jetzt, glaube ich, nichts mehr richtig machen in den Augen derjenigen, die so eine harte Meinung haben. Uns wird alles im Mund umgedreht und vorgeworfen", so eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums gegenüber TAG24.

"Die Wissenschaftler, die involviert sind, hatten keinen freien Tag seit über einem Monat. Man kann sich vorstellen, wie man sich fühlt", so die Sprecherin.

Hinzu kommen die Anfeindungen, teils sogar Morddrohungen. "Gerade diejenigen, die so richtig involviert sind, sind wirklich am Ende ihrer Kräfte."

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Retter bekamen teils über hundert Nachrichten am Tag

Der Buckelwal wird derzeit nur mit Wasser benetzt, um die Qualen zu lindern.  © Philip Dulian/dpa

Losgetreten hat die Anfeindungen ein Video des Influencers Robert Marc Lehmann (43), der eine erste Einschätzung, das es sich bei dem Tier um einen Finnwal handeln könne, scharf kritisierte und die Kontaktdaten einer Wissenschaftlerin veröffentlichte.

Namen werden seitens der beteiligten Organisatoren in Stellungnahmen inzwischen kaum noch genannt. „Es ist wirklich gefährlich, sich zu dem Wal zu äußern“, so die Sprecherin.

Wie TAG24 erfuhr, bekamen beteiligte Experten teils über hundert Nachrichten am Tag von wildfremden Menschen, die sie beleidigten oder bedrohten. Es ging so weit, dass Rufnummern gewechselt werden mussten.

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Die Retter sind inzwischen nervlich am Ende.

"Wir hätten uns alle gern ausschließlich auf den Wal konzentriert, aber wenn man von allen Seiten beschimpft wird, dann kann man irgendwann nicht mehr. Diese Zeit ist jetzt so langsam gekommen und wir haben ja noch die Obduktion vor uns. Wir wissen nicht, wie lange die Wissenschaftler das noch durchhalten", sagt die Sprecherin.

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