Zweites Begleitschiff nach Wal-Freilassung zurückgekehrt: Tierärztin übt Kritik

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Niendorf/Wismar/Poel/Skagen - Buckelwal "Timmy" schwimmt nach mehreren Strandungen in den vergangenen Wochen seit Samstagmorgen wieder im offenen Meer. Sein Sender hat die ersten Signale geliefert, bereitet jedoch weiterhin Probleme. TAG24 berichtet im Liveticker.

Buckelwal Timmy hat seine Barge am Samstagmorgen verlassen und schwimmt wieder im offenen Meer. Sein Sender hat die ersten Signale geliefert, allerdings nicht zur seinem Aufenthaltsort.
Buckelwal Timmy hat seine Barge am Samstagmorgen verlassen und schwimmt wieder im offenen Meer. Sein Sender hat die ersten Signale geliefert, allerdings nicht zur seinem Aufenthaltsort.  © Sebastian Peters/NEWS5/dpa

Mit einem Konvoi wurde der Ozeanriese seit vergangenem Dienstag kontinuierlich in Richtung Dänemark transportiert, nachdem die private Rettungsinitiative mit dem Barge-Plan Erfolg gehabt hatte.

In der Nordsee sollte "Timmy" freigelassen werden, doch ein erster Versuch am Freitag misslang. Am Samstagmorgen glückte der Plan, der Koloss verließ die Barge.

Die Umstände seiner Freilassung werfen jedoch Fragen auf. Zudem funktioniert der Sender, der dem Tier verpasst wurde, zumindest in Sachen Ortung nicht wie gewünscht.

4. Mai, 7.08 Uhr: Wird der Wal überleben?

Viele Wissenschaftler und Tierschutzorganisationen sprachen sich gegen die Bergung des Wals aus. Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace schätzte die Überlebenschance als minimal ein.

Die mehrfache Strandung gilt als klares Anzeichen dafür, dass der Wal krank war, als er die deutsche Küste erreichte. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass das Tier extrem geschwächt ist. Kaum abzuschätzen ist, ob tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt von einer "Rettung" gesprochen werden kann.

Nur mit Trackingdaten und damit dem jeweiligen Aufenthaltsort des Wals ließe sich transparent machen, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt hat, sagte der Greenpeace-Experte.

4. Mai, 6.35 Uhr: "Fortuna B" über Nacht in Cuxhaven eingelaufen

Kurz vor Mitternacht machte der Schlepper "Fortuna B" in Cuxhaven fest. Mit an Bord war auch Tierärztin Dr. Tönnies, welche gegenüber NEWS5 die Boots-Crew kritisierte.

Auch mit dem Kapitän soll es öfter Auseinandersetzungen gegeben haben. "Der Kapitän hat gezittert vor Wut. Er hat mir gedroht, mich in Arrest zu nehmen", berichtete Tönnies.

Nach Aussagen der Tierärztin sollen auch Filmaufnahmen von der Freilassung des Wals nicht gewollt gewesen sein. Tönnies selbst sei nicht mehr zum Wal gelassen worden. Ob das Freilassen von "Timmy" tierschutzgerecht stattgefunden hatte, konnte von der Tierärztin deswegen nicht überprüft werden.

"Ich habe so viel geheult in den letzten zehn Tagen wie nicht in zehn Jahren vorher vor lauter Emotionalität", erklärte Tönnies weiter.

Der Schlepper "Fortuna B" ist gegen Mitternacht in Cuxhaven eingelaufen.
Der Schlepper "Fortuna B" ist gegen Mitternacht in Cuxhaven eingelaufen.  © NEWS5 / Tobias Grabow

3. Mai, 21.48 Uhr: "Fortuna B" soll in anderem Hafen ankommen

Statt in Cuxhaven wird die "Fortuna B" nun doch in Wilhelmshaven erwartet. Wann genau das zweite Begleitschiff dort eintreffen wird, ist jedoch nicht ganz klar. Lange dürfte es jedoch nicht mehr dauern.

3. Mai, 21.15 Uhr: Wal-Retter gibt kurzes Statement ab

Nachdem die "Arne Tiselius" mit Mitgliedern des Retter-Teams im Hafen von Sassnitz angekommen ist, erklärt Wal-retter Jeffrey Foster im Gespräch mit "Bild": "Ich kann wirklich nicht viel sagen, aber alles, was ich sagen kann, ist, dass der Wal da draußen ist. Wir haben einige Signale von dem Tracker, also wissen wir, dass es ihm gut geht."

Nach Angaben des Experten lebt das Tier also noch. Doch wo genau er schwimmt, sei weiterhin nicht bekannt. "Wir wissen es nicht genau. Wir haben immer noch Probleme mit dem Tracker. Aber so weit läuft alles gut", so Foster auf die Frage, wo sich "Timmy" aktuell befinde.

Einen zweiten Sender gebe es nicht. Weshalb der genaue Standort des Buckelwals weiterhin unklar ist? "Daran arbeiten wir noch. Ich weiß nicht, ob er richtig programmiert wurde." Nachdem das Boot im Hafen angekommen ist, wurde die Besatzung offenbar bereits kurz nach Ankunft mit einem Bus weggefahren. Wohin, ist jedoch nicht bekannt.

3. Mai, 20.11 Uhr: Erstes Begleitschiff von "Timmy" ist zurück

Eigentlich wurde die "Arne Tiselius" gegen 18 Uhr im Hafen von Sassnitz (Mecklenburg-Vorpommern) erwartet. Erst rund zwei Stunden später gegen 20 Uhr traf das Begleitschiff schließlich dort ein. Auf diesem Schiff sollen sich nach Angaben von NEWS5 alle Mitglieder des Rettungs-Teams außer Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies befinden.

Diese befinde sich auf der "Fortuna B". Das Schiff wurde um 18 Uhr in Cuxhaven erwartet, hat jedoch Verspätung. Bislang ist es noch nicht im Hafen eingetroffen. Grund für die Verzögerung seien schwere Unwetter, Regen und Wind auf der See kurz vor Cuxhaven.

3. Mai, 17.27 Uhr: Reederei äußert sich zur Freilassung

Die "Robin Hood" hatte "Timmy" auf seinem Weg in die Nordsee begleitet. Jetzt äußerte sich die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs. Diese teilte nach Angaben von dpa in einem Schreiben mit, die Freisetzung sei erfolgreich und in Abstimmung mit Jeffrey Foster vom Whale Sanctuary Project erfolgt, unter Berücksichtigung insbesondere der Schiffssicherheit und des Wohls des Wals.

"Timmy" sei zuvor durch den Seegang offenbar immer wieder gegen die Wände der Barge gestoßen. Auch von "vielen riskanten Manövern" während des Transports ist die Rede.

Vom Team der Initiative war lediglich Jeffrey Foster an Bord des Lastkahns, als der Wal ins Wasser kam. Foster, der unter anderem an der gescheiterten Auswilderung des Orcas "Keiko" ("Free Willy") beteiligt war, teilte dpa mit, seine Teammitglieder seien an dem Morgen nicht noch einmal auf die Barge gelassen worden. Darum habe der Gesundheitszustand des Wals nicht - wie eigentlich vorgesehen - noch einmal überprüft werden können.

3. Mai, 14.51 Uhr: Greenpeace-Experte widerspricht Geldgeberin

Entgegen der Angaben von Geldgeberin Karin Walter-Mommert (62), solle der Sender am Wal keine Vitalwerte des Tieres übertragen können. Das entgegnete Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace nach Angaben von dpa.

Sollte das geschwächte Tier ertrinken, würde ein GPS-Sender ohnehin keine Ortsdaten mehr liefern: Solche Sender funken ihren Standort üblicherweise nur dann, wenn sich das jeweilige Tier an der Wasseroberfläche aufhält.

Im Todesfall würde der Kadaver trotz der beim Verwesen entstehenden Gase wahrscheinlich nicht an die Wasseroberfläche hochtreiben, weil der Wasserdruck das in tieferen Gewässern verhindert. Sollte das Tier zuvor wieder in Küstennähe geschwommen sein, könnte es dort angespült werden. Wo sich "Timmy" aktuell befindet, ist weiterhin nicht bekannt.

Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace erklärt, dass der Sender am Tier keine Vitaldaten liefert. (Archivfoto)
Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace erklärt, dass der Sender am Tier keine Vitaldaten liefert. (Archivfoto)  © Stefan Sauer/dpa

3. Mai, 12.23 Uhr: Aufenthaltsort unbekannt, aber "Timmy" geht's gut

Initiatorin Karin Walter-Mommert (62) hat gegenüber "BILD" bestätigt, dass der Sender defekt und der Aufenthaltsort von "Timmy" unbekannt sei. Es seien schon Techniker aus den USA ins Boot geholt worden.

Die guten Nachrichten: Die Vitalwerte des Tieres würden trotzdem immer dann ans Retter-Team gesendet werden, wenn der Wal auftauche und der Sender an der Luft sei.

Laut Walter-Mommert sei "Timmys" Zustand demnach "im grünen Bereich. Wenn das die nächsten 14 Tage so weitergeht, sind wir glücklich."

3. Mai, 11.27 Uhr: Hier fahren Schlepper und Begleitboote nun hin

Über die Seite "Vesselfinder" können die aktuellen Routen der an der Rettung beteiligten Schlepper und Begleitboote nachverfolgt werden.

Die "Fortuna B" ist demnach auf dem Weg nach Cuxhaven (Niedersachsen), wo sie am Abend gegen 18 Uhr erwartet wird. Die "Arne Tiselius" soll gegen 18 Uhr wiederum in Sassnitz (Mecklenburg-Vorpommern) einlaufen.

Und die "Robin Hood", die die nun leere Barge zieht, soll am morgigen Montag gegen 12 Uhr in Kiel (Schleswig-Holstein) eintreffen.

Ob sich die Beteiligten dann noch einmal zu der Mission, der Freilassung und möglichen Streitigkeiten äußern werden, ist unklar.

3. Mai, 11.04 Uhr: Retter-Mitglied über Buckelwal "Timmy" - "Er lebt!"

Der Peruaner Sergio Bambarén (65), Mitglied des Retter-Teams, hat sich am Sonntagvormittag via Instagram gemeldet - und spannende Informationen geteilt.

Nachdem er zunächst davon geschwärmt hatte, wie der Wal die Welt vereint und gezeigt habe, "dass Liebe das Unmögliche möglich machen" könne, kam er zum wirklich wichtigen Teil seines Posts.

Bambarén schrieb: "Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, kam Mike, ein Mitglied des US-Teams, zu mir. Sie empfangen die ersten Signale von Hope [so nennt er den Wal, Anm. d. Red.]. Er lebt!"

Bis zuletzt hatte es Zweifel gegeben, ob der Sender, der dem Tier verpasst worden war, funktioniert. Nun scheint es diesbezüglich also gute Nachrichten zu geben.

3. Mai, 8.16 Uhr: Initiatoren distanzieren sich von "Timmys" Freilassung

Während es auch am Sonntagmorgen keine neuen Informationen zu "Timmys" Standort und Zustand gibt, distanzierten sich die Initiatoren und Geldgeber Karin Walter-Mommert und Walter Gunz noch am Samstagabend in einem Statement von der Freilassung des Wals.

"Wir konstatieren hiermit, dass wir an der heutigen Entlassungsaktion des Wales weder beteiligt waren noch diese aktiv begleitet haben. Etwaige Konsequenzen für nicht abgestimmte Handlungen am und um den Wal haben der Eigner, die Betreiber und uns bekannte Personen der Crew der Schiffe Fortuna B und Robin Hood zu tragen", schrieben sie.

Walter-Mommert und Gunz betonten, dass die Besatzung Maßnahmen ergriffen habe, "um den Wal von Bord zu bekommen". Eine geplante Inaugenscheinnahme durch die Tierärztinnen der Initiative sei verhindert worden.

Retter-Mitglied Jeff Foster soll zudem untersagt worden sein, sein Handy zu nutzen - unter Androhung, dieses ins Meer zu werfen.

Unternehmer Walter Gunz finanzierte die Rettung von Wal "Timmy" gemeinsam mit Karin Walter-Mommert. Von der Freilassung distanzierten sich die beiden Geldgeber nun.
Unternehmer Walter Gunz finanzierte die Rettung von Wal "Timmy" gemeinsam mit Karin Walter-Mommert. Von der Freilassung distanzierten sich die beiden Geldgeber nun.  © Michael Faulhaber/-/dpa

2. Mai, 17.41 Uhr: Ministerium hat weiter keine GPS-Daten zu "Timmy"

TAG24 fragte beim Umweltministerium nach, ob inzwischen GPS-Daten zu "Timmy" eingegangen seien. Sprecherin Eva Klaußner-Ziebarth betonte am späten Nachmittag: "Wir haben nichts vorliegen."

Minister Backhaus hatte bereits am Vormittag kritisiert, dass die Rettungsinitiative noch keine Daten übermittelt habe. Daran hat sich bis jetzt nichts geändert.

Der genaue Standort des Wals sowie sein Zustand bleiben weiter unklar.

Titelfoto: Sebastian Peters/NEWS5/dpa

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