2022 war in Sachsen-Anhalt besonders waldbrandträchtig

Magdeburg - Große Brände im Nationalpark Harz, ein Katastrophenfall, aber auch Großfeuer in anderen Landesteilen - 2022 hat die Einsatzkräfte besonders gefordert. Das Thema Waldbrand-Prävention bleibt auch 2023 ein wichtiges Thema.

Mit über zehn Hektar Brandfläche entstand in Schönhausen an der Elbe der zweitgrößte Waldbrand. (Archivbild)
Mit über zehn Hektar Brandfläche entstand in Schönhausen an der Elbe der zweitgrößte Waldbrand. (Archivbild)  © Cevin Dettlaff/TNN/dpa

Das Landeszentrum Wald hat für das laufende Jahr 167 Waldbrände auf 98 Hektar Fläche in Sachsen-Anhalt erfasst. "Das Jahr 2022 zählt zu den waldbrandträchtigen Jahren", erklärte eine Sprecherin in Halberstadt auf Nachfrage.

Es liege aber mit der erfassten Fläche noch hinter dem Jahr 2018, das von besonders lang anhaltender Trockenheit geprägt gewesen war. Damals waren 171 Brände auf 113 Hektar erfasst worden.

Wie die Sprecherin weiter mitteilte, erfasst das Landeszentrum Wald in der Statistik nicht die Flächen des Nationalparks oder landwirtschaftlich genutzt Flächen.

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Das Landeszentrum Wald gibt auf die Frage nach dem größten Brand in diesem Jahr einen in Calvörde (Landkreis Börde) vom 20. Juli an. Dort seien 25 Hektar betroffen gewesen. Der zweitgrößte Brand sei mit zehn Hektar ein Feuer am 6. August in Schönhausen an der Elbe gewesen.

In Gräfenhainichen gerieten am 23. März 2,86 Hektar in Brand, hieß es.

Schwierige Löscharbeiten im Nationalpark Harz

Löschflugzeuge aus Italien unterstützen die Einsatzkräfte beim Waldbrand im Harz. (Archivbild)
Löschflugzeuge aus Italien unterstützen die Einsatzkräfte beim Waldbrand im Harz. (Archivbild)  © Matthias Bein/dpa

In diesem Jahr war es auch im 25.000 Hektar großen Nationalpark Harz zu mehreren Bränden gekommen. Sie konnten im unwegsamen Gelände nur mit hohem Aufwand gelöscht werden.

Tagelang kämpften Anfang September rund 1800 Einsatzkräfte gegen Flammen nahe Schierke. Der Landkreis rief den Katastrophenfall aus, weil die eigenen Kräfte nicht mehr reichten.

Erstmals kam internationale Unterstützung, italienische Löschflugzeuge halfen ebenso wie mehrere Löschhubschrauber.

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Die Trockenheit, der Borkenkäfer und heftige Stürme haben die Vegetation im Nationalpark binnen weniger Jahre verändert, riesige Fichtenbestände starben ab. Dieses Totholz geriet stellenweise in Brand. Über das Maß der betroffenen Flächen herrschte Uneinigkeit, zuletzt waren für den Brand von Anfang September zehn Hektar angegeben worden.

Die Ursachen der Waldbrände sind schwierig zu ermitteln, denn die betroffene Fläche ist groß und Spuren schwer auszumachen. Mögliche Spuren werden durch den Brand oder Löscharbeiten vernichtet.

Das zeigen beispielhaft die Zahlen des Polizeireviers Harz: Bis kurz vor Weihnachten führte die Polizei 87 Ermittlungen im Zusammenhang mit Wald- und Flächenbränden, davon 7 im Nationalpark Harz. In insgesamt 6 Fällen sei ein Tatverdächtiger ermittelt worden. Die Ermittlungen zum Großbrand Anfang September laufen noch.

Totholz im Harz ist großes Streitthema

Der Naturschutzbund klagte, weil zu viel Totholz aus dem Harz abtransportiert wurde. (Archivbild)
Der Naturschutzbund klagte, weil zu viel Totholz aus dem Harz abtransportiert wurde. (Archivbild)  © Matthias Bein/dpa

Über das Totholz, das weite Teile des Nationalparks prägt, wurde heftig debattiert. Der Landrat des Landkreises Harz, Thomas Balcerowski (50), sieht es als die größte Gefahr.

Das Totholz führe zu großen Feuern in oftmals schwer zugänglichem Gebiet. Prävention sei das Gebot der Stunde, hatte Balcerowski Mitte November mitgeteilt. Dem Prinzip des Nationalparks zufolge aber soll so wenig wie möglich in die Natur eingegriffen werden.

Der Naturschutzbund Nabu Sachsen-Anhalt zog vor Gericht, weil aus seiner Sicht zu viel Totholz aus den Wäldern geholt wurde. Die Naturschützer kritisierten einen herben Verlust an Biodiversität und sahen die Maßnahmen als nicht vereinbar mit dem Naturschutzrecht an.

Anfang Dezember wurde ein Vergleich zwischen Nabu und Nationalpark öffentlich. Dazu gehörte, dass Holz, das beim Anlegen von Brandschneisen im Sommer sowie in der Nähe von Schierke angefallen war, aus dem Nationalpark abtransportiert werden durfte.

Weitere Maßnahmen am Ortsrand des Tourismusortes am Brocken durften aber nicht weitergehen. Es soll zunächst eine FFH-Verträglichkeitsprüfung geben. Zudem sollen Umweltverbände künftig stärker einbezogen werden.

Verständigung bei Präventionsmaßnahmen

In einer Ende September geschlossenen "Wernigeröder Erklärung" hatten sich der Landkreis, die Stadt Wernigerode und der Nationalpark auf Präventionsmaßnahmen verständigt.

Vereinbart wurde etwa, dass insbesondere zum Schutz von Orten vermehrt abgestorbene Bäume beseitigt werden sollen. Zudem soll der Nationalpark Harz mehr Brandschneisen schaffen, damit die Feuerwehr Brandorte besser erreichen kann.

Wo und in welchem Ausmaß die Schneisen entstehen, sollen Nationalpark, Feuerwehr und der Landkreis Harz entscheiden.

Titelfoto: Matthias Bein/dpa

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