Ausgebüxt! Seeadler-Dame flog von Rheinland-Pfalz nach Sachsen: So wurde sie in die Falle gelockt

Meißen (Sachsen) - Ein Riesenseeadler auf der Flucht gen Osten! Das hat's so auch noch nicht gegeben. Durch ungünstige Winde trieb es ein ein Jahr altes Weibchen weg von ihrem Zuhause, dem Greifvogelzoo Föckelberg in Rheinland-Pfalz. 

Beherzt griff Hans-Peter Schaaf zu und bekam das flüchtige Tier zu fassen.
Beherzt griff Hans-Peter Schaaf zu und bekam das flüchtige Tier zu fassen.  © Thomas Türpe

Nach einer wochenlangen Odyssee durch halb Deutschland landete das Tier jetzt bei Meißen, wo der erfahrene Falkner Hans-Peter Schaaf (49) vom Jagdfalkenhof Schloss Proschwitz mit viel Geduld zur Stelle war.

"Rund fünf Wochen ist unsere Lagherta verschwunden gewesen", sagt ihr Besitzer Harald Schauß (54). 

"Bei einer unserer Flugshows hat ein starker Westwind sie rausgedrückt. Sie ist erst ein Jahr alt und noch nicht so erfahren, hat wohl Panik bekommen." 

Und dann war das seltene Tier aus der eigenen Nachzucht auch schon weg. Immer mal wieder wurde das Riesenseeadler-Weibchen gesichtet - in Hanau bei Frankfurt, in Kassel, Berlin und zuletzt in Potsdam. "Danach war zehn Tage Funkstille und wir dachten schon, sie ist über die Grenze."

Bis Falkner Hans-Peter Schaaf einen Anruf bekam. "Leute hatten einen großen Greifvogel im Meißener Raum mit Ledergeschirr gesichtet, ich dachte erst, es wäre meiner", sagt er. 

"Aber das Tier reagierte gar nicht auf mich und ließ sich von mir auch nicht anlocken." Deshalb musste der erste Fangversuch am Montagabend auch abgebrochen werden.

Angelockt mit einer Forelle

Harald Schauß (54) ist froh, dass seine Lagherta wieder eingefangen werden konnte.
Harald Schauß (54) ist froh, dass seine Lagherta wieder eingefangen werden konnte.  © Wildpark Potzberg / PR
Auf einem Dach in der Nähe eines Maisfeldes hatte es sich der Greifvogel zwischenzeitlich gemütlich gemacht.
Auf einem Dach in der Nähe eines Maisfeldes hatte es sich der Greifvogel zwischenzeitlich gemütlich gemacht.  © Thomas Türpe
Falkner Hans-Peter Schaaf (49) versuchte zuerst das Weibchen mit einer Rehkeule zu locken - ohne Erfolg.
Falkner Hans-Peter Schaaf (49) versuchte zuerst das Weibchen mit einer Rehkeule zu locken - ohne Erfolg.  © Thomas Türpe
Dann kam Plan B: Mit einer Wanne, in die er Wasser und Fisch gab, wollte Schaaf den Riesenseeadler einfangen.
Dann kam Plan B: Mit einer Wanne, in die er Wasser und Fisch gab, wollte Schaaf den Riesenseeadler einfangen.  © Thomas Türpe
Auch sein eigener Seeadler (l.) sollte das Weibchen zum Futterplatz locken, es klappte: Lagherta kam nach Stunden endlich angeflogen.
Auch sein eigener Seeadler (l.) sollte das Weibchen zum Futterplatz locken, es klappte: Lagherta kam nach Stunden endlich angeflogen.  © Thomas Türpe

Doch Dienstag früh um 5 Uhr machte sich Schaaf wieder auf den Weg in die Nähe eines Maisfeldes bei Diera-Zehren (Landkreis Meißen). 

Mit viel Geduld und mithilfe seines eigenen Riesenseeadlers konnte der das Weibchen dann aber doch fangen. "Ich habe meinem Tier eine Forelle gegeben, das hat Lagherta letztendlich angelockt, und sie wurde unkonzentriert, da habe ich zugepackt." Beide - Schaaf und Schauß - sind überglücklich. 

"Zwei unserer Leute sind auch schon unterwegs, um unser Tier zurückzubringen. Wir sind unendlich dankbar", sagt Schauß.

Es gibt nur noch 5000 Exemplare

Der Kamtschatka Riesenadler ist eine stark gefährdete Greifvogelart. Weltweit gibt es nur noch etwa 5000 Exemplare.

Er ist der größte in der Seeadler-Familie und lebt vor allem in den pazifiknahen Flüssen und Küsten Russlands, seine Überwinterungsgebiete liegen in Japan. 

Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,80 Meter und einem Maximalgewicht von etwa neun Kilo wird er deutlich größer als zum Beispiel ein Weißkopfseeadler - der bringt nur rund fünf Kilo auf die Waage. 

Titelfoto: Thomas Türpe

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