Ein Stammbaum, ein Hof und viele Ahnen-Geschichten: Diese Familie ist in 500 Jahren nie umgezogen

Großröhrsdorf - Ihre dokumentierte Geschichte reicht bis ins Spätmittelalter zurück: Seit 500 Jahren lebt Familie Hörnig auf ihrem Vierseitenhof in Großröhrsdorf (bei Radeberg).

Die "amtierenden" drei Generationen vor den alten Linden: Christian (83), Gerd (56) und Lukas (23) Hörnig.
Die "amtierenden" drei Generationen vor den alten Linden: Christian (83), Gerd (56) und Lukas (23) Hörnig.  © Norbert Neumann

Über 13 Generationen gaben die Väter Bauernhof und Land an ihre Söhne weiter, überstanden Kriege, Brände und den Sozialismus. Zwei alte Linden stehen schon seit hundert Jahren auf dem Hof, wie historische Fotos zeigen.

Doch die Familiengeschichte beginnt bereits 400 Jahre zuvor: Gregor Hörnig besaß das Gut seit 1520, wie der Großröhrsdorfer Chronist Friedrich Ehregott Praßer (1819-1888) auch nach Sichtung der Kirchenbücher festhielt.

Martin, Hans, Matthäus: Der Familienstammbaum dokumentiert die Geschichte bis hin zu Karosseriebau-Meister Gerd Hörnig (56), der heute in 13. Generation die Geschicke leitet.

"Es waren alles Bauern, die von ihrer Hände Arbeit gelebt haben", sagt er. "Sie bauten Getreide, Kartoffeln oder auch Senf an. Es gab Kühe, Pferde, Schafe. So eine lange Geschichte macht uns stolz und glücklich. Auch dass es immer einen Sohn gab, ist fast ein Wunder."

Nicht immer gab es schließlich 14 Kinder wie unter Georg (1646-1710) in der vierten Generation. Über die Jahrhunderte trotzten Hof und Familie etlichen Katastrophen wie dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648).

Aus dem Landwirtschaftsbetrieb wurde eine Karosseriewerkstatt

Der Stammbaum der Familie reicht zurück bis in Spätmittelalter, zeigt 14 Generationen mit ihren Verzweigungen.
Der Stammbaum der Familie reicht zurück bis in Spätmittelalter, zeigt 14 Generationen mit ihren Verzweigungen.  © Norbert Neumann

1739 starb ein Hörnig am Biss eines wild gewordenen Kettenhundes, ein anderer fiel 1744 bei Kesselsdorf als königlich sächsischer Musketier. Drei verheerende Feuer überstand der Hof. Als das Wohnhaus 1779 abbrannte, "mussten die Hausbewohner unbekleidet entfliehen", wie die Praßer-Chronik beschreibt.

Das dritte Feuer 1938 im Kuhstall kostete Willy (†39, 11. Generation) das Leben. Dessen Sohn Christian war damals erst ein Jahr alt: "Es waren schwere Jahre, die Mutter hielt alles am Laufen", erinnert sich der Senior (83) heute zurück. Er lebt noch immer auf dem Hof, neben seinem Sohn Gerd.

Der machte nach der Wende aus dem Landwirtschaftsbetrieb eine Karosseriewerkstatt mit Lackiererei. "Alles war durch die LPG heruntergewirtschaftet, die Häuser kaputt", erinnert sich Gerd. Der Wechsel stellte die Weichen für die Zukunft. "Wir hoffen auf weitere 500 Jahre", sagt Gerd.

Sohn Lukas (23) hat bereits seinen Meister gemacht, will eines Tages Hof und Werkstatt in 14. Generation übernehmen. "Anfangs war ich unsicher, ob ich das so will. Aber jetzt bin ich froh darüber und freue mich darauf", sagt der Junior.

Die Aufnahme um 1943 zeigt Christian Hörnig als kleinen Jungen auf dem Wagen mit seinen Schwestern. Im Hintergrund die noch heute stehenden Linden.
Die Aufnahme um 1943 zeigt Christian Hörnig als kleinen Jungen auf dem Wagen mit seinen Schwestern. Im Hintergrund die noch heute stehenden Linden.  © privat
Blick auf den historischen Hofeingang.
Blick auf den historischen Hofeingang.  © privat
Christian um 1943 auf einem Pferd im Hof.
Christian um 1943 auf einem Pferd im Hof.  © privat

Die Hörnigs wollen nun mit Dutzenden Angehörigen aus Deutschland, Irland und Österreich auf dem Hof 500 Jahre Familien-Jubiläum feiern.

Titelfoto: Norbert Neumann

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