Erste Tram ohne Leitung in vier Jahren: Beim Wasserstoff will Sachsen ganz vorne mitspielen

Sachsen - Klimafreundliche Busse, Lkw und Bahnen – das alles könnte schon bald keine Zukunftsmusik mehr sein. In puncto Wasserstoff möchte Sachsen ganz vorne an der Spitze stehen und erarbeitet deshalb derzeit eine Strategie, um künftig führender Wasserstoffstandort von ganz Europa zu sein.

Emissionsfrei fahren mit Wasserstoff: In Sachsen werden innovative Ideen ausgetüftelt.
Emissionsfrei fahren mit Wasserstoff: In Sachsen werden innovative Ideen ausgetüftelt.  © 123RF

"Mit der Sächsischen Wasserstoffstrategie wird die Staatsregierung in wenigen Wochen entsprechende Eckpunkte vorlegen, die den Weg bereiten sollen, Sachsen zum Wasserstoff-Land zu entwickeln", kündigte Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) Mitte Juli bei einer Sitzung des Innovationsbeirats Sachsen an.

Wasserstoff soll ein Schlüsselelement sein, um die von der EU gesteckten Klimaziele zu erreichen.

"Der Freistaat hat beste Voraussetzungen, bei der Entwicklung von Wasserstoff-Anwendungen ganz vorne mit dabei zu sein", findet Katherina Reiche, Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrates der Bundesregierung. "Die Rahmenbedingungen hier vor Ort sind gut. Wirtschaft, Forschung und Politik sollten nun an einem Strang ziehen, um Sachsen H2-ready zu machen."

Autodiebe nach Verfolgungsjagd in Sachsen gestoppt
Sachsen Autodiebe nach Verfolgungsjagd in Sachsen gestoppt

Einer der vielen Bausteine wurde bereits in der Oberlausitz gelegt. Mit dem "Hydrogen Lab Görlitz" entsteht derzeit mithilfe des Bundes ein Forschungszentrum für innovative Wasserstofftechnologien. Die Wasserstoffwirtschaft schaffe außerdem Tausende von neuen Arbeitsplätzen, kündigte Verkehrsminister Martin Dulig (47, SPD) im April an.

Einer von der TU Chemnitz erstellten Studie zufolge könnte die Wasserstoffwirtschaft in Sachsen im Jahr 2030 bis zu 4800 Arbeitsplätze schaffen und rund 1,7 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften.

So funktioniert Wasserstoffantrieb

Brennstoffzellen-Autos sind im Grunde auch Elektrofahrzeuge.
Brennstoffzellen-Autos sind im Grunde auch Elektrofahrzeuge.  © Volkswagen AG

Wasserstoff kann mithilfe von Brennstoffzellen Energie speichern, Häuser heizen und eben auch Elektromotoren antreiben. Wasserstoffautos zählen deshalb auch zu den E-Autos.

Der Unterschied zu "herkömmlichen" E-Autos: Wasserstofffahrzeuge beziehen die Energie nicht aus einer Batterie, die extern aufgeladen werden muss. Vielmehr haben Wasserstofffahrzeuge quasi ihr eigenes kleines Kraftwerk an Bord – nämlich die Brennstoffzelle. In ihr wird elektrischer Strom aus Wasserstoff gewonnen.

Das geschieht durch das Prinzip der umgekehrten Elektrolyse. Wasserstoff und Sauerstoff aus der Luft reagieren zu Wasser, dabei entstehen Wärme und elektrische Energie – letztere treibt den Motor an.

Batterie oder Brennstoffzelle?

Technologien für klimafreundliches Fahren sind vorhanden – doch welche ist die Bessere?
Technologien für klimafreundliches Fahren sind vorhanden – doch welche ist die Bessere?  © picture alliance/dpa/CosmosDirekt

E-Batterien oder Wasserstoffantrieb? Was ist effizienter und welche Technologie führt uns in eine klimafreundliche Zukunft?

Zuallererst: Das wichtigste Argument eint alle beiden Strategien. Sowohl Autos mit Batterie als auch solche mit Brennstoffzelle stoßen keine schädlichen Emissionen aus. So weit, so gut.

Die Entwicklung der Wasserstoff-Technologie befindet sich in Sachsen noch in Kinderschuhen. Wie auch bei Batterie-Autos entscheidet die Dichte der Tankstellen über den Erfolg. In ganz Deutschland gibt es laut h2.live gerade einmal etwa 90 Wasserstoff-Tankstellen.

Erste Impfzentren in Sachsen ab heute zu, weitere folgen bald
Sachsen Erste Impfzentren in Sachsen ab heute zu, weitere folgen bald

Diese konzentrieren sich in und um die großen Metropolen wie Hamburg, Berlin, München und Köln. Besonders dünn ist es um Wasserstoff-Tankstellen in Sachsen bestellt – hier gibt es nur drei Stationen.

Der Vorteil von Wasserstoff-Autos: Sie sind innerhalb weniger Minuten vollgetankt.

In Sachsen gibt es nur wenige Möglichkeiten, Wasserstoff zu tanken.
In Sachsen gibt es nur wenige Möglichkeiten, Wasserstoff zu tanken.  © 123RF

In Sachen Reichweite punktet die Brennstoffzelle. Ein voller Wasserstofftank hält bis zu 600 Kilometer, die Reichweite einer Batterie liegt im Schnitt bei 400 Kilometer.

Auf Wasserstoff wird keine Energiesteuer erhoben. Ein Kilogramm kostet derzeit etwa 9,50 Euro. Pro 100 Kilometer sind das zwischen acht und neun Euro. Beim Ladestrom kommt man auf zwischen sechs und 15 Euro pro 100 Kilometer.

Als Wasserstoffautos kommen eher größere Fahrzeuge in Betracht. Für Busse, Züge oder Schiffe sind Batterien bisher kaum denkbar.

Erste Tram ohne Leitung soll in vier Jahren rollen

Komplett Wasserstoff-betrieben: Wie dieser Zug könnte bald auch eine Straßenbahn aus Leipzig stromfrei rollen.
Komplett Wasserstoff-betrieben: Wie dieser Zug könnte bald auch eine Straßenbahn aus Leipzig stromfrei rollen.  © imago/Sebastian Willnow

Nicht nur auf der Straße, sondern auch auf der Schiene ist die Mobilitätswende angekommen. Sächsische Ingenieure wollen die erste Wasserstoff-betriebene Straßenbahn auf den Markt bringen.

Die Schienenfahrzeugbauer des französischen Konzerns Alstom mit Werken in Bautzen und Görlitz haben die Technologie der Zukunft bereits in einem Wasserstoff-Zug verbaut. Warum also nicht auch in der Tram?

In den kommenden Jahren tüfteln Entwickler der Leipziger Firma Heiterblick, der Chemnitzer Firma Hörmann und von Automation & Robotik aus dem Erzgebirge an der Wasserstoff-Tram.

Der erste Prototyp soll in vier Jahren rollen – ohne Oberleitung und nur auf Gleisen.

Titelfoto: imago/Sebastian Willnow

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