Einer von Europas meistgesuchten Verbrechern: Europol fahndet nach flüchtigem Erpresser

Dresden - Er ist einer der meistgesuchten Kriminellen in ganz Europa: Die Staatsanwaltschaft Dresden und das LKA Sachsen fahnden nach dem verurteilten Khadzhimurat Chichaev (53) und erhoffen sich Hilfe aus der Öffentlichkeit.

Khadzhimurat Chichaev (53, r.) im Juni 2018 bei seiner Verhandlung im Landgericht Dresden.
Khadzhimurat Chichaev (53, r.) im Juni 2018 bei seiner Verhandlung im Landgericht Dresden.  © Peter Schulze

Nachdem der 53-Jährige als Mitglied der "Tschetschenen-Mafia" fast zwei Jahre in U-Haft gesessen hatte, setzte ihn das Bundesverfassungsgericht wegen "überlanger Verfahrensdauer" auf freien Fuß.

Eine Entscheidung, die sich rächte - denn seit Mittwoch fahndet Europol öffentlich nach dem Gewalttäter.

Eine Blamage für Sachsens Justiz: Kaum musste Chichaev im Sommer 2018 freigelassen werden, soll er versucht haben, seine Ehefrau zu erwürgen und verschwand danach.

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Wohin genau, weiß heute keiner. "Nach vorliegenden Erkenntnissen könnte er sich derzeit bei seiner in Tschetschenien lebenden zweiten Ehefrau aufhalten", so Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt (47). "Darüber hinaus liegen Hinweise zu Aufenthalten in Schweden, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Weißrussland vor."

Bekannt ist, dass der Gesuchte neben Russisch und Tschetschenisch auch gebrochen Deutsch und Schwedisch spricht.

Khadzhimurat Chichaev wurde wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung verurteilt

Nach Khadzhimurat Chichaev (53, M.) wird europaweit gesucht.
Nach Khadzhimurat Chichaev (53, M.) wird europaweit gesucht.  © Peter Schulze

2020 verurteilte ihn das Dresdner Landgericht, damals noch unter seinem Alias-Namen Faber zu dreieinhalb Jahren Haft wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung.

Die soll er jetzt absitzen, außerdem gibt es noch einen internationalen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags gegen ihn.

Die sogenannte Tschetschenen-Mafia hatte hier besonders bei Landsleuten brutal Schutzgeld erpresst, Ermittler fanden Schusswaffen, Messer und Macheten bei dem Trupp. Er gilt als gefährlich und gewalttätig.

Die Polizei, das Landeskriminalamt Sachsen und Europol suchen nach Zeugen

Khadzhimurat Chichaev (53) ist seit 2018 auf der Flucht.
Khadzhimurat Chichaev (53) ist seit 2018 auf der Flucht.  © Polizei Sachsen

Der Gesuchte verfügte zum damaligen Zeitpunkt neben einem russischen Reisepass auf den Namen Khadzhimurat Usaevic Chichaev auch über einen durch Schweden ausgestellten Flüchtlingspass auf den Namen Hadzhimurat Tjitjaev.

Darüber hinaus könnte er auch unter dem Namen Khadzhimurat Usaevic Faber in Erscheinung treten.

Von der Polizei wird der Flüchtige wie folgt beschrieben:

  • schlanke Gestalt
  • 1,89 Meter groß
  • Augenfarbe grau/blau/braun
  • glattes dunkelbraunes Haar mit Geheimratsecken
  • möglicherweise Vollbart
  • osteuropäisches Erscheinungsbild
  • besondere Merkmale sind eine acht Zentimeter lange Narbe an der linken Wange und eine drei Zentimeter lange Narbe an der rechten Wange

Habt Ihr Khadzhimurat Chichaev gesehen, könnt Informationen zu seinem aktuellen Aufenthaltsort geben oder seid im Besitz von Bild- und Videomaterial, das ihn ab dem Jahr 2018 zeigt?

Hinweise nimmt an das Landeskriminalamt Sachsen unter der Telefonnummer 0351 855-100 entgegen. Alternativ könnt Ihr Euch an jede andere Polizeidienststelle wenden oder eine E-Mail an lka@polizei.sachsen.de schreiben. Zusätzliche Infos zur Kampagne und zu allen Fahndungen findet Ihr auf der Europe’s Most Wanted Webseite von Europol.

Titelfoto: Peter Schulze

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