Früher kamen sie zum Schuften, jetzt machen sie Urlaub: Die Polen erobern Sachsen

Von Jakob Anders, Thomas Staudt

Dresden - Polen in Sachsen? Bislang galt als abgemacht, dass unsere Nachbarn im Freistaat vor allem zum Schuften weilen - als Spargelstecher oder Erdbeerpflücker. Ein längst überholtes Klischee.

Bad Muskau wirbt seit geraumer Zeit gezielt um polnische Touristen.
Bad Muskau wirbt seit geraumer Zeit gezielt um polnische Touristen.  © dpa/Frank Hammerschmidt

Immer mehr Polen kommen nach Sachsen - als Urlauber! Im Vorjahr stellten die Polen sogar die größte Gruppe unter den Besuchern aus dem Ausland. Im Freistaat stimme einfach das Preis-Leitungs-Verhältnis, sagt ein polnischer Reiseveranstalter.

War Deutschland vor einigen Jahren für Polen noch vergleichsweise teuer, nähern sich Lohn- und Preisniveau immer weiter an.

"Reisen und Aufenthalte in Deutschland werden für die polnischen Touristen immer erschwinglicher", bestätigt Krzysztof Mojek (67), Reiseveranstalter aus Karpacz.

29 Jahre im Dienst, jetzt unter dem Hammer: Feuerwehrauto wird versteigert
Sachsen 29 Jahre im Dienst, jetzt unter dem Hammer: Feuerwehrauto wird versteigert

25 Prozent seiner Angebote gehen nach Deutschland - in die Sächsische Schweiz, nach Meißen und in den Spreewald, hauptsächlich aber nach Dresden, sagt er.

Der Zwinger, das Schloss, eine Dampferfahrt, aber auch die Gläserne Manufaktur oder das Hygienemuseum sind bei seinen Kunden beliebt.

Immer mehr Gäste übernachten im Freistaat

Die Themen Görliwood und Filmsets sind bei jüngeren Görlitz-Besuchern aus Polen besonders beliebt.
Die Themen Görliwood und Filmsets sind bei jüngeren Görlitz-Besuchern aus Polen besonders beliebt.  © dpa/Sebastian Kahnert

Erfreulich sei, dass längst nicht mehr nur Tagesgäste kommen, meint Axel Klein (54) vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Sachsen). Laut dem Statistischen Landesamt betrug die durchschnittliche Aufenthaltsdauer polnischer Gäste im vergangenen Jahr 2,6 Tage.

Insgesamt registrierten sächsische Beherbergungsbetriebe über 260.000 Übernachtungen polnischer Gäste und damit 25,4 Prozent mehr als im Vorjahr sowie knapp 101.000 Ankünfte (+30,9 Prozent).

Bad Muskau (Kreis Görlitz) wirbt seit kurzem gezielt um polnische Besucher. Von Vorteil sind dabei polnische Sprachkenntnisse. Aber sie sind kein Muss, sagt Franziska Glaubitz vom Görlitzer Stadtmarketing.

Wenn Bauschutt schützt: Sächsische Deponie wird zur Brutstätte seltener Vögel
Sachsen Wenn Bauschutt schützt: Sächsische Deponie wird zur Brutstätte seltener Vögel

Dessen Infomaterialien sind mit Polnisch, Tschechisch und Englisch sogar viersprachig. "Über polnische Blogger versuchen wir gezielt Familien mit Kindern zu erreichen."

Dabei kommuniziere man meist auf Englisch, so Glaubitz.

Wichtige sächsische Reisedestination: Schloss Moritzburg.
Wichtige sächsische Reisedestination: Schloss Moritzburg.  © Eric Münch
Reiseveranstalter Krzysztof Mojek (67, r.) im Gespräch mit seinem Reiseleiter Piotr Gryszel. 25 Prozent seiner Reisen gehen nach Deutschland, die Hälfte davon nach Dresden.
Reiseveranstalter Krzysztof Mojek (67, r.) im Gespräch mit seinem Reiseleiter Piotr Gryszel. 25 Prozent seiner Reisen gehen nach Deutschland, die Hälfte davon nach Dresden.  © Biuro Turystyczne SUDETY
Freut sich über die steigende Übernachtungsdauer: Dehoga Sachsen-Chef Axel Klein (54).
Freut sich über die steigende Übernachtungsdauer: Dehoga Sachsen-Chef Axel Klein (54).  © Uwe Meinhold

Internetseiten von Dresden und Chemnitz auch auf Polnisch abrufbar

Deutsch-Polnisch, sei es auf Speisekarten, in Museen oder Tourismusbüros, ist in Sachsen umso selbstverständlicher, je näher man der Grenze kommt. Sind die Internetseiten von Dresden und Chemnitz auch auf Polnisch abrufbar, können User von leipzig.de nur zwischen Deutsch und Englisch wählen.

Dennoch sind viele polnische Gäste mit dem Angebot "hüben" nicht unglücklich. "Die Teilnehmer unserer Touren äußerten sich in der Regel positiv über die Dienstleistungen und den Service", meint Krzysztof Mojek.

Ist da irgendwo ein Augenzwinkern? Schwer zu sagen, wenn man per E-Mail kommuniziert.

Titelfoto: dpa/Frank Hammerschmidt, dpa/Sebastian Kahnert

Mehr zum Thema Sachsen: