Geplante Schnellstrecke Dresden-Prag: Böhmische Hopfenzüchter wollen Bau verhindern!

Dresden - Die Bauern schäumen! Das Bahn-Milliardenprojekt bedroht ein legendäres Anbaugebiet für Tschechiens Bierbrauer.

Direkt unter dem Erzgebirge hindurch: So wird die Tunnel-Einfahrt bei Heidenau für die geplante Schnellbahn-Magistrale Richtung Prag aussehen.
Direkt unter dem Erzgebirge hindurch: So wird die Tunnel-Einfahrt bei Heidenau für die geplante Schnellbahn-Magistrale Richtung Prag aussehen.  © SMWA

In einer Stunde von Dresden nach Prag, in fünf Stunden von Berlin nach Wien. Auf den Ausbau der Schnellbahnstrecke einigten sich vergangene Woche Deutschland, Österreich und Tschechien.

Die böhmischen Hopfenbauern könnten die Pläne vereiteln. Die geplante Trasse soll mitten durch Tschechiens fruchtbarstes Hopfenanbaugebiet führen.

Die Aufregung unter den Bauern im Land mit dem weltweit höchsten Bierkonsum pro Kehle (138 Liter jährlich) ist groß: Ursprünglich hatte die Hochgeschwindigkeitszugtrasse entlang der Autobahn D8 führen sollen.

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Doch plötzlich gab es eine Änderung.

Die Strecke soll ab Roudnice nad Labem jetzt rechts der Elbe etwa 15 Kilometer in Richtung Norden führen - mitten durch Ustek, eines der bedeutenden vier Hopfen-Anbaugebiete des Landes!

Auf 5000 Hektar wird der berühmte böhmische Hopfen angebaut - nachgewiesen seit über tausend Jahren.
Auf 5000 Hektar wird der berühmte böhmische Hopfen angebaut - nachgewiesen seit über tausend Jahren.  © Verband der Hopfenbauern

Tschechiens Hopfenmarkt versorgt vor allem deutsche Brauer

Noch immer ist die Hopfenernte geprägt von viel Handarbeit in kleineren Betrieben. Trotzdem ist Tschechien damit Weltmarktführer Nr. 3.
Noch immer ist die Hopfenernte geprägt von viel Handarbeit in kleineren Betrieben. Trotzdem ist Tschechien damit Weltmarktführer Nr. 3.  © imago stock&people

Mit 5000 Hektar Anbaufläche ist Tschechien Nr. 3 auf dem Hopfen-Weltmarkt - und ein guter Teil des Exports versorgt deutsche Brauer.

Dazu kommt: Die nun bedrohten Felder sind die fruchtbarsten Böden des Gebietes. Die Bauern sind in heller Aufruhr.

"Die Feldgrundstücke sind in der Elbniederung ohnehin nicht so groß, der Anbau würde sich bei Flächenreduzierung nicht mehr lohnen", sagt Bauer Jaromir Ondra aus Chodouny, der auch Gemüse anbaut.

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Zudem wird der mit über 300 Kilometern pro Stunde schnelle Zug sein Dorf von der Nachbargemeinde Lounky trennen. Jetzt formiert sich entschiedener Widerstand.

"Wir haben uns in einer Erklärung bereits an das Verkehrsministerium gewandt", sagt Lubos Heyda, Vorsitzender des Tschechischen Hopfenbauernverbandes.

Böhmens Bauern schäumen inzwischen wie das süffige Bier, das mit ihrem Hopfen gebraut wird.
Böhmens Bauern schäumen inzwischen wie das süffige Bier, das mit ihrem Hopfen gebraut wird.  © Ralf Hirschberger/picture alliance / dpa

Sprecher betont: Bahn-Schnellstrecke ist wichtig für Tschechien!

Verkehrsminister Karel Havlicek (51) hat jetzt Ärger mit seinen Hopfen- und Gemüsebauern.
Verkehrsminister Karel Havlicek (51) hat jetzt Ärger mit seinen Hopfen- und Gemüsebauern.  © imago images/CTK Photo

Auch die Tschechische Landwirtschaftskammer hat das Verkehrsministerium von Karel Havlicek (51) jetzt aufgefordert, die Bauern mehr in die Entscheidungen zur Schnellzugstrecke einzubeziehen.

Gegenüber tschechischen Medien betonte ein Sprecher, dass man die Sorgen der Landwirte ernst nimmt, aber der Bau der internationalen Bahnstrecke sehr wichtig für Tschechien ist.

Würden die Baupläne jedoch tatsächlich so realisiert, könnten zudem die Bemühungen des Hopfenzüchterverbandes, das Hopfenanbaugebiet (schon im 9. Jahrhundert erwähnt) auf die UNESCO-Welterbe-Liste zu bringen, vergeblich werden.

2025 ist dort der Baubeginn geplant, Mitte der 2030er-Jahre soll die Verbindung Dresden-Prag fertig werden.

Titelfoto: Bildmontage: SMWA, Ralf Hirschberger/picture alliance / dpa

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