Hier wird an der Zukunft gebastelt! Der Zellenbauer aus dem Erzgebirge

Olbernhau - Die Energieversorgung in Deutschland steht vor ihrer größten Herausforderung seit 1945. Alternative Energieträger sind gefragt. Schon hat ein Wettlauf begonnen, der gerade im Bereich Mobilität zur Glaubensfrage geworden ist: Elektroantrieb oder Brennstoffzelle? Sachsen spielt bundesweit bei beiden Systemen ganz vorn mit. Doch während E-Mobilität bereits zum Alltag gehört, führt Wasserstoff (H2) noch ein Nischendasein. Ein Zustand, der sich gerade ändert, wie die TAG24-Serie "Wasserstoffland Sachsen" zeigt. Heute: "WätaS", die Macher aus Olbernhau.

Juniorgeschäftsführer Florian Enders (26) mit dem Modell eines Brennstoffzellen-Stapels.
Juniorgeschäftsführer Florian Enders (26) mit dem Modell eines Brennstoffzellen-Stapels.  © Uwe Meinhold

Der kleine Ort Olbernhau steht eher für Beschaulichkeit und Heimatverbundenheit.

Die Telefonvorwahl ist länger als der jeweilige Hausanschluss. Hier lässt es sich schön urlauben, Katzenstein und Schwarzwassertal bieten romantische Wanderpfade.

Das Erzgebirgische Spielzeugmuseum zeigt mit Lichterengel, Pyramide, Räuchermann die besondere Tradition der Region. Wer hätte gedacht, dass in Olbernhau auch an der Zukunft gebastelt wird.

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Die Firma WätaS Wärmetauscher ist ein mittelständiges Unternehmen. "Wir produzieren Kühler und Kondensatoren rund ums Thema Wasserstoff", erklärt Juniorchef Florian Enders (26).

"Diese finden zum Beispiel in Brennstoffzellensystemen, Elektrolyseuren und Sonderlösungen rund um H2 Einsatz. Wir zeichnen uns vor allem durch Innovation und individuelle Lösungen im Bereich der Wärmeübertragung aus."

Das Unternehmen beliefere im Jahr etwa 6000 verschiedene Kunden aus allen Branchen mit Wärmeübertragern.

Brennstoffzellensystem treibt wasserstoffbetriebene Straßenbahn an

Seniorchef Torsten Enders (58).
Seniorchef Torsten Enders (58).  © Uwe Meinhold

Bei WätaS soll auch jenes Brennstoffzellensystem entstehen, das die erste wasserstoffbetriebene Straßenbahn der westlichen Hemisphäre antreibt.

Die Tram wird zurzeit von Hörmann Vehicles Engeneering in Chemnitz entwickelt und später bei HeiterBlick in Leipzig gebaut.

WätaS wurde 2003 als Start-up mit zehn Mitarbeitern gegründet. Zu Beginn des Unternehmens wurden ausschließlich Kupfer-Aluminium-Wärmeübertrager gefertigt. Schnell jedoch erweiterte sich das Portfolio um Edelstahl-Wärmeübertrager, so Enders.

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Begonnen hatte alles in Pobershau, das heute zu Marienberg gehört. Vater Torsten Enders (58) startete mit der "Industrievertretung Torsten Enders".

Heute nennt er eine ganze Firmengruppe sein Eigen, darunter die Sächsische Amaturenfabrik (SAF) in Leipzig, zu DDR-Zeiten der einzige Hersteller von Wasserhähnen.

Und er bewahrt auch das Erbe der DDR-Parfüm-Legende Casino in Leipzig (Casino de luxe, Casino action).

WätaS hat allein in Olbernhau 120 Mitarbeiter

Eine der WätaS-Werkhallen in Olbernhau.
Eine der WätaS-Werkhallen in Olbernhau.  © Uwe Meinhold

Doch zurück zu WätaS Wärmetauscher: Binnen fünf Jahren wuchs das Unternehmen auf 100 Mitarbeiter an. 2009 erfolgte der Umzug aus Pobershau in neue Produktionsflächen nach Olbernhau. 2019 erwarb WätaS besagte SAF.

Eine weitere Tochter ist die WätaS Fuel Cell Saxony GmbH (Deutsch: Sächsische Brennstoffzellen GmbH). Beide Unternehmen sitzen in Leipzig. Den Einstieg in die Brennstoffzellentechnik markierte 2016 ein Projekt mit der TU Chemnitz und weiteren Industriepartnern.

"Heute ist es das Ziel, in unserem Tochterunternehmen 10.000 Brennstoffzellenstapel pro Jahr zu produzieren", erklärt der Junior. "Damit wäre das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt einer der größten Produzenten der Welt."

Schon jetzt entstünde eine der weltweit modernsten Produktionslinien für die Fertigung von Bipolarplatten in Leipzig. Insidertipp vom Junior: "Aktuell suchen wir für die WätaS Fuel Cell Saxony GmbH Investoren."

Die WätaS Wärmetauscher Sachsen GmbH übrigens macht pro Jahr zehn Millionen Euro Umsatz. Allein in Olbernhau hat sie 120 Mitarbeiter.

Was ist eine Brennstoffzelle?

Größter Konkurrent vom Wasserstoff-Pkw ist das E-Auto.
Größter Konkurrent vom Wasserstoff-Pkw ist das E-Auto.  © DPA / Hendrik Schmidt

Die gebräuchlichste und hier vorgestellte ist die Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle. Denn um die Reaktion zwischen dem Element Sauerstoff (02) und Wasserstoff (H2) geht es.

Das Wirkprinzip wurde 1838 entdeckt. Im Grunde handelt es sich "nur" um die Gewinnung elektrischer Energie aus chemischen Energieträgern.

Eine Brennstoffzelle besteht aus Anoden (1, Elektroden, die Elektronen aufnehmen) und Kathoden (1, Elektroden, die Elektronen abgeben). Die Anode wird von H2 umspült, die Kathode von O2. Der H2 wird in Ionen umgewandelt. Dabei gibt er Elektronen ab (2).

Während die Ionen durch eine Membran (4) oder ein Elektrolyt in eine Sauerstoffkammer gelassen werden, verbleiben die Elektronen an der Anode.

Koppelt man Anode und Kathode fließen die Elektronen, Strom entsteht (3).

An der Kathode wird der Sauerstoff zu Anionen reduziert und reagiert, Wasser entsteht. Brennstoffzellen werden heute gestapelt verwendet, weil die Ausbeute einer einzelnen Zelle zu wenig Energie bringt.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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