Korruptionsskandal in sächsischem Bauamt: Wurde Bauplan zugunsten eines Polizisten manipuliert?

Leipzig - "Tango Korrupti" mitten in Sachsen: Im Landkreis Leipzig steht ein Bauamtsleiter unter dem Verdacht der Bestechlichkeit. Um einem Interessenten den Bau eines Hauses zu ermöglichen, soll der Mann einen Bebauungsplan der Stadt Markkleeberg manipuliert haben. Besonders pikant: Auf dem eigentlich nicht bebaubaren Grundstück wollte ein hochrangiger Beamter der sächsischen Polizei seine Villa errichten.

Der Bebauungsplan "Villen- und Siedlungsraum Raschwitz" soll an dieser Stelle (Kreis) manipuliert worden sein.
Der Bebauungsplan "Villen- und Siedlungsraum Raschwitz" soll an dieser Stelle (Kreis) manipuliert worden sein.  © Alexander Bischoff

Es war schon eine faustdicke Überraschung, als die Stadt Markranstädt im Sommer 2017 öffentlich verkündete, dass Sven Pleße (58) ihr neuer Bauamtsleiter wird. War doch der Verwaltungsmann erst Monate zuvor im nur 15 Kilometer entfernten Markkleeberg hochkant aus dem Rathaus geflogen.

Dort hatte man eine Manipulation am Bebauungsplan für den "Villen- und Siedlungsraum Raschwitz" entdeckt, die Pleße in seiner Funktion als Stadtplaner staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zufolge im April 2016 von seinem Arbeitsplatz aus vorgenommen haben soll. Ein Flurstück, das wegen seiner unmittelbaren Nähe zu einem Denkmal nicht überbaut werden darf, soll er heimlich zum Baufeld umgewidmet haben.

Von der Öffentlichkeit unbemerkt wurde Pleße viereinhalb Jahre später - und nunmehr Bauamtsleiter in Markranstädt - vom Amtsgericht Borna erstinstanzlich wegen Bestechlichkeit zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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Das Gericht ging davon aus, dass dem Amtmann für seine Manipulation ein Geldbetrag versprochen wurde.

Dieses hinter einem Bauzaun und viel Grün verborgene Grundstück in einem Markkleeberger Villenviertel beschäftigt seit 2016 die Justiz.
Dieses hinter einem Bauzaun und viel Grün verborgene Grundstück in einem Markkleeberger Villenviertel beschäftigt seit 2016 die Justiz.  © Alexander Bischoff

Polizeichef stellte Bauantrag für manipuliertes Grundstück

Doch die Sache war noch vor Baubeginn aufgeflogen: Im August 2016 hatte Pleße plötzlich Besuch von der Polizei. Bei einer Durchsuchung seines Hauses fanden die Ermittler auch den Bauantrag für das Grundstück.

Und da staunten die Beamten nicht schlecht: Der Bauantrag stammte von einem hochrangigen Kollegen. Ein sächsischer Polizeibeamter wollte hier eine Villa errichten.

Und nun wird die Sache skurril: Denn während gegen Bauamtsleiter Pleße bis heute ein Verfahren wegen Bestechlichkeit läuft, bleibt der zweite Tänzer im "Tango Korrupti" ein Phantom.

Die gegen den Polizeiführer und seine Gattin laufenden Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung wurden jedenfalls schon im September 2018 eingestellt. Weil zureichende Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung der Eheleute nicht festgestellt werden konnten, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage erklärte. Der Polizeibeamte selbst erklärte gegenüber TAG24, dass er Stadtplaner Pleße gar nicht kenne und das Grundstücksgeschäft über ein "Vermittlerbüro" gelaufen sei.

So ist es Sachsens Polizei und Justiz bis heute nicht gelungen, aufzuklären, wer Pleße das Bestechungsgeld bot.

Vor dem anstehenden Berufungsprozess werde sich sein Mandant nicht öffentlich zu der Angelegenheit äußern, erklärte dessen Anwalt Dr. Malte Heise auf Nachfrage. Vor seiner erstinstanzlichen Verurteilung hatte Pleße die Vorwürfe bestritten.

Titelfoto: Alexander Bischoff

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