Maxen: Kelterei im Schlosskeller und ein Brauer als Nachbar

Maxen - Der kleine Ort Maxen hoch über Dresden ist ein echtes Kulturdorf und macht der Kulturstadt mächtig Konkurrenz - mit einer eigenen Freilichtbühne, pazifistischen Schlachtengemälden, einem Kulturcafé und dem kleinsten Museum Deutschlands. Selbst ein Schlosstheater haben die rührigen Bewohner inzwischen. 2023 soll eine Hausbrauerei dazu kommen.

Peter Flache (53) im Bühnensaal des Schlosses.
Peter Flache (53) im Bühnensaal des Schlosses.  © Steffen Füssel

Peter Flache erscheint im Blaumann. Der 53 Jahre alte Kabarettist und Mitbesitzer von Schloss Maxen hat bereits seit dem Morgen schwer geschuftet. So wie seit Jahren mit der Familie: "Tagsüber in der Mörtelbuchse", er deutet auf die Latzhose, "abends Veranstaltung", umschreibt er das, was er mit der Familie tut, seit sie vor 17 Jahren Schloss Maxen kauften.

Jetzt muss er noch kurz zum Dorfbäcker Brötchen holen, weil auch heute Abend im Schloss-Saal Gäste erwartet werden. Natürlich ist der tägliche Plausch beim Bäcker auch die beste Nachrichtenbörse, die es auf dem Dorf gibt.

Schloss Maxen gilt als DER Geheimtipp des Dresdner Umlandes! Hier treffen Pianisten vom Range einer Ragna Schirmer auf Jazzer vom Format eines Kilian Forster.

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Zwischendrin oder gleich mit dabei Flache, dessen auch überregional bekannte Theaterstücke wie "Backes Fest" in Maxen regelmäßig laufen (schloss-maxen.de).

Das Haus selbst blickt auf eine 800-jährige Geschichte zurück. Deren Stationen heißen: Ritterburg, Schloss, Gutshaus, sowjetische Militärkommandantur, Ordensheim, Caritasheim, Verfall.

Brauerei zieht in ehemaligen Pferdestall

Das Schlossgelände von oben. Rechts im ehemaligen Pferdestall wird gerade die Brauerei eingerichtet.
Das Schlossgelände von oben. Rechts im ehemaligen Pferdestall wird gerade die Brauerei eingerichtet.  © Steffen Füssel
Diplom-Braumeister Ulrich Betsch (56) in den Räumen seiner geplanten neuen Brauerei.
Diplom-Braumeister Ulrich Betsch (56) in den Räumen seiner geplanten neuen Brauerei.  © Steffen Füssel

Seit dem Besitzerwechsel zu den Flache-Familien (aktuell leben dort drei Generationen) blüht es wieder: "Das ist gelebter Denkmalschutz, was wir hier tun. Ein bewusster Gegenentwurf zu unserer Zeit. Ein Stück heile Welt, erkauft mit Tränen und schlaflosen Nächten", so Flache - und einem Burnout.

Aber er weiß auch: "Das, was wir hier schaffen, wird uns überdauern. Wir dienen dem Haus!"

Wir, das sind unter anderen seine Frau, die die Veranstaltungen managt, und sein Schwager Markus Ressel, der nebenan einen Weinberg hat, gekeltert wird im Schlosskeller.

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Für Leben am Schloss wird auch die neue Nachbarschaft sorgen: Diplom-Braumeister Ulli Betsch (56) baut den ehemaligen Pferdestall zur Braumanufaktur um.

Der Mann ist im Müglitztal bekannt. Zwischen 1999 und 2019 betrieb er die Brauerei auf Schloss Weesenstein. Nun stehen die Brauanlagen im Seitenflügel des alten Stalls und warten auf ihren Wiedereinsatz.

Gerade sind die Fliesenleger im vorderen Trakt am Start und haben dafür zwei hohe Räume ausgekleidet. Auch das künftige Sudhaus zeigt erste Umrisse. Außen jedoch stocken die Arbeiten, weil der Denkmalschutz ein Wörtchen bei der Fassade mitreden will.

So oder so: "Ich denke, dass 2023 Eröffnung ist", so der Brauer.

Kunsthof aus der Zeit gefallen

Der Kunsthof Maxen - ein weiteres Refugium vor den Toren Dresdens.
Der Kunsthof Maxen - ein weiteres Refugium vor den Toren Dresdens.  © Christian Juppe

Nur wenige Laufminuten vom Schloss entfernt befindet sich der "Kunsthof Maxen". Das Refugium hat zwar nur sonntags geöffnet, wirkt darum jedoch noch mehr aus der Zeit gefallen.

Neben dem Café laden Yogakurse, Kunstausstellungen und Pensionszimmer zum Verweilen ein. Seminar- und Tagungsräume ergänzen das Angebot.

Allerdings: Der Kunsthof steht zum Verkauf. Eigner Peter Reindl (79) will möglichst bald in die Heimat nach Hamburg zurück.

Preis für den gesamten Hof: 599.000 Euro. Infos: kunsthof-maxen.de

Titelfoto: Montage: Steffen Füssel (2)

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