Sachsens Feuerwehr geht in die Luft! Fliegen bald überall Drohnen?

Dresden/Radeburg - Als im Jahr 2019 eine Industriehalle brannte, sah Kreisbrandmeister Ingo Nestler (59) keine andere Wahl: Um zu sehen, wo welche Kameraden am besten löschen sollten, stieg er in den Polizeihubschrauber, sah sich die Sache von oben an.

Feuerwehrmann Marcus Mambk (37) hat die Ausbildung zum Drohnenpiloten absolviert.
Feuerwehrmann Marcus Mambk (37) hat die Ausbildung zum Drohnenpiloten absolviert.  © Holm Helis

Mittlerweile geht das im Landkreis Meißen einfacher: Die Wehren dort verfügen über die erste offizielle sächsische Feuerwehrdrohne. Ein Modell für die Zukunft?

Seit August 2019 heißt es in der Leitstelle "Status 2", für Laien: Einsatzbereitschaft für die Drohne "Yuneec H520" bei der Feuerwehr Bärnsdorf.

Dem gingen jahrelange Planungen voraus: "Wir haben hier viele Wald- und Wiesenbrände", sagt der Kreisbrandmeister. "Bei solchen ist es sinnvoller, sich einen Überblick mit der Drohne zu verschaffen, bevor ich erst mit dem Kommandowagen in den Wald fahre, um mir selbst ein Bild zu machen."

Zumal das auch in der munitionsverseuchten Gohrischheide nicht möglich ist. "Aber sollte sich jede Wehr nun eine Drohne anschaffen?", so Nestler. "Wir haben uns dann entschieden, erst mal eine zentral für den ganzen Landkreis anzuschaffen."

Nun steht sie auf dem bei der Ortsfeuerwehr Bärnsdorf stationierten Gefahrguteinsatzwagen, wird bei Bedarf von dort in den ganzen Landkreis geschickt.

6.000 Euro hat das Gerät gekostet, doch dabei blieb es nicht: "Wir haben auch elf Piloten ausgebildet", sagt Nestler. "Das hat noch mal so viel gekostet."

Die Drohne hilft der Feuerwehr bei ihren Einsätzen

Für den Drohnenwagen musste Kreisbrandmeister Ingo Nestler (59) auch neue Schilder organisieren.
Für den Drohnenwagen musste Kreisbrandmeister Ingo Nestler (59) auch neue Schilder organisieren.  © Holm Helis

Denn mag das Fliegen noch recht einfach sein, die Rechtslage ist es bei Weitem nicht. "Drei Tage dauerte die Ausbildung", sagt Radeburgs Stadtwehrleiter Marcus Mambk (37), der den Hexacopter fliegen darf. "Zwei davon Theorie, einer Praxis."

Nun wissen die Bärnsdorfer beispielsweise, dass sie die Drohne über ihrem Gerätehaus nur 50 statt 100 Meter hoch fliegen lassen dürfen, weil sich das Dörfchen in der Einflugschneise zum Dresdner Flughafen befindet.

Ihren ersten "heißen" Einsatz hatte die Drohne bei einem Lasterbrand beim Rasthof Nossen. Dort war auf einem Auflieger Schrott in Brand geraten. 

Drohne eignet sich auch bei Suche nach Vermissten

Über den Bildschirm kann der Pilot gleich mehrere Kameras sehen.
Über den Bildschirm kann der Pilot gleich mehrere Kameras sehen.  © Holm Helis

"Mit der Wärmebildkamera konnten wir sofort erkennen, wo die größte Hitze ist", sagt Kreisbrandmeister Nestler. "Sonst hätten wir mit Hacke, Axt und Spaten mühevoll suchen müssen."

Auch in der Landesfeuerwehrschule präsentierten die Meißner ihren neusten Schatz, nun wollen auch andere Wehren nachziehen.

Denn nicht nur bei Großlagen schafft das Gerät einen schnellen Überblick: "Die Drohne eignet sich mit der Wärmebildkamera auch für die Suche nach Vermissten", sagt Nestler. "Durch den GPS-Sender kann sie automatisiert ein Gerät abscannen. Ich glaube nicht, dass die Feuerwehr der Zukunft an dieser Technologie vorbeikommen wird."

Der Landkreis Meißen will jetzt ein Jahr Erfahrung sammeln, danach entscheiden, ob auch der zweite Erkundungswagen in Glaubitz mit einer Drohne bestückt wird.

Titelfoto: Holm Helis

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