Sachsen setzt auf Flugtaxis: Schon bald könnte es so weit sein

Freiberg - Noch in diesem Jahrzehnt werden sich Teile des Personenverkehrs auch über mittlere und kurze Entfernungen in die Lüfte erheben. Ob es bald auch in Sachsen Flugtaxis gibt, ist nicht die Frage. Sondern nur, wann hier der Startschuss erfolgt.

Flugtaxis der deutschen Firma Volocopter sollen 2024 zu den Olympischen Spielen in Paris durchstarten. Auch in Sachsen könnten bald Flugtaxis unterwegs sein.
Flugtaxis der deutschen Firma Volocopter sollen 2024 zu den Olympischen Spielen in Paris durchstarten. Auch in Sachsen könnten bald Flugtaxis unterwegs sein.  © imago/Arnulf Hettrich

Damit der Freistaat diesen nicht verpasst und auch bei dieser Zukunftstechnologie mitmischen kann, gab Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt (61, CDU) für 278.000 Euro eine Vorstudie in Auftrag. Deren Ergebnisse liegen nun vor.

Bereits 2024 will das deutsche Unternehmen Volocopter bei den Olympischen Spielen in Paris einen Flugtaxi-Service anbieten. Weltweit tüfteln gut finanzierte Start-ups und Flugzeughersteller an entsprechenden Prototypen.

Einige stehen kurz vor der Marktreife. Man rechnet damit, dass die Europäische Agentur für Flugsicherheit die ersten Transportmittel 2025 zulassen wird.

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Zunächst werden sich künftige Flugtaxi-Unternehmen natürlich auf staugeplagte Megacitys (etwa Paris, Singapur) stürzen oder ihren Service vom Flughafen in die Innenstadt anbieten.

In Sachsen könnte aber auch der ländliche Raum von solchen Zusatzangeboten profitieren. Anders als beim Boom der Elektroautos, als man zu spät mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur begann, will man nun vorne mit dabei sein.

Die Innovationswerkstatt "Phase 10" in der Freiberger Innenstadt beschäftigt sich auch mit Flugtaxis für Sachsen.
Die Innovationswerkstatt "Phase 10" in der Freiberger Innenstadt beschäftigt sich auch mit Flugtaxis für Sachsen.  © Phase 10/PR
Das Ticket ist gekauft. Statt über Straßen oder Gleise geht es bald auch durch die Lüfte. (Symbolbild)
Das Ticket ist gekauft. Statt über Straßen oder Gleise geht es bald auch durch die Lüfte. (Symbolbild)  © imago/Westend61

Noch gibt es ein Problem: Flugtaxis sind zu laut, doch das könnte sich bald ändern

Ronny Erfurt (55) organisierte die Vorstudie.
Ronny Erfurt (55) organisierte die Vorstudie.  © Phase 10/PR

Gemeinsam mit Verkehrswissenschaftlern der TU Dresden untersuchte die Freiberger Ingenieur- und Planungsgesellschaft "phase 10" in einer Vorstudie "SmartFly" die Potenziale dieser neuen Technologie und welche Anforderungen an die Bodenstationen gestellt werden.

Geschäftsführer Ronny Erfurt (55): "Des Weiteren führten wir Umfragen im Raum Dresden durch, welche Akzeptanz diese bei vielen noch unbekannte Technik findet und was die Leute bereit sind, für ein Lufttaxi zu bezahlen."

Bei der Analyse der Fluggeräte konzentrierten sich die Studienbeteiligten auf pilotengesteuerte, elektrisch betriebene, senkrecht startende Flugtaxis - im Fachchinesisch eVTOL's genannt.

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Je nach Hersteller haben sie zwei bis zehn Sitzplätze, eine Reichweite von 37 bis 116 Kilometer und erreichen eine Geschwindigkeit zwischen 125 und 285 Kilometern pro Stunde.

Ronny Erfurt: "Ein Problem ist, dass die meisten Fluggeräte noch zu laut empfunden werden. Ich rechne aber mit einem rasanten technischen Fortschritt."

Dresdner Postplatz könnte Landeplatz für Flugtaxis werden

Der Postplatz in Dresden eignet sich laut der Vorstudie für einen künftigen Start- und Landeplatz für Flugtaxis.
Der Postplatz in Dresden eignet sich laut der Vorstudie für einen künftigen Start- und Landeplatz für Flugtaxis.  © Phase 10/PR

Der Platzbedarf für eine gewöhnliche Haltestelle ist laut Studie mit etwa 32 mal 30 Metern gar nicht mal so hoch. Auch ein Knotenpunkt, an dem die Passagiere in ein anderes Flugtaxi umsteigen und es eine kleine Abfertigung gibt, kommt mit etwa 32 mal 50 Metern aus.

Stadtplanern wird empfohlen, diese an Umsteigestationen der bisherigen Verkehrsinfrastruktur zu setzen.

Für ein funktionierendes Netzwerk für Flugtaxi-Unternehmen sind in Sachsen auch einige Depotstationen notwendig, um unter anderem die Wartungsprozesse zu optimieren.

Erfurt: "Hier bieten sich die vorhandenen Flugplätze – auch ehemalige – an." Von den ursprünglich 81 in Augenschein genommenen potenziellen Start- und Landeplätzen im Freistaat wurden in der Vorstudie, an der sich "phase 10" mit weiteren 32.500 Euro beteiligte, 28 detaillierter betrachtet.

Als eine Haltestelle können sich die Experten den Postplatz in Dresden oder den Parkplatz am Freiberger Bahnhof vorstellen. In Chemnitz hat man einen Parkplatz zwischen Brücken- und Mühlenstraße im Blick.

Umfrage unter Dresdnern: Nur 20 Prozent würden derzeit ein Flugtaxi nutzen

In Dresden ist die Akzeptanz für Flugtaxis noch gering.
In Dresden ist die Akzeptanz für Flugtaxis noch gering.  © Eric Münch

Dem Freistaat empfehlen die Studienbeteiligten, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu werben und diese auch aktiv in die Planungsprozesse mit einzubeziehen. Eine Umfrage im Großraum Dresden (1123 Beteiligte zwischen 7 und 74 Jahren) ergab, dass etwa die Hälfte noch skeptisch ist, was auch dem Bundesdurchschnitt entspricht.

Erfurt: "Natürlich wird es immer Menschen geben, die etwas Neues zunächst erst einmal ablehnen. Derzeit zeigen aber 20 Prozent eine uneingeschränkte Bereitschaft, auf ein Flugtaxi umzusteigen."

Als Hauptargument dafür wurde genannt, dass man gern den Stau umgehen mag – danach kommen Umweltgründe und der Spaßfaktor.

Erfurt: "Ab 15 Minuten Zeitersparnis kommen viele Menschen ins Grübeln. Derzeit zieht man einen Taxiflug von Dresden nach Chemnitz eher in Betracht als für einen Sprung von einem Stadtbezirk in den andern."

Je nach Distanz und Anlass können sich die Dresdner einen Preis von 27 bis 45 Euro pro Flug vorstellen – die Zahlungsbereitschaft ist im Umland höher als im Zentrum.

Kommen die Flugtaxis auf Abruf oder fliegen sie im Linienbetrieb?

So könnten Flugtaxis künftig aussehen.
So könnten Flugtaxis künftig aussehen.  © 123rf/cheskyw

Kommt das Flugtaxi nun auf Abruf oder gibt es einen Linienbetrieb nach Flugplan? Und rechnet sich das überhaupt?

Ronny Erfurt: "Der Treiber dabei ist ja immer die Wirtschaft. Eine Vielfalt an Betreibermodellen ist möglich."

Er geht davon aus, dass Flugtaxis anfangs für medizinische Dienste genutzt werden, bald darauf als Business- und Tourismusangebote.

"Aber eine Airline, die für einen größeren Flug zusätzlich einen Flug aus Wohnortnähe zum Flughafen anbietet, dürfte ebenfalls schnell im Vorteil sein."

Vielleicht startet das erste Flugtaxi in Sachsen erst in fünf Jahren. Oder in acht. Bis dahin hat sich die Politik noch viele Gedanken zu machen – auch in rechtlichen Fragen.

Je nach Hersteller erreichen die fliegenden Taxis eine Geschwindigkeit zwischen 125 und 285 Stundenkilometern.
Je nach Hersteller erreichen die fliegenden Taxis eine Geschwindigkeit zwischen 125 und 285 Stundenkilometern.  © 123rf/cheskyw

Oder darüber, wie man die sächsische Wirtschaft in diese Zukunftstechnologie einbindet. Immerhin hat man damit begonnen.

Titelfoto: Eric Münch, 123rf/cheskyw

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