Sachsens Weihnachtsmärkte leben wieder auf, werden aber wohl teurer und kleiner

Sachsen - Es geht wieder los! Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause sollen Sachsens Weihnachtsmärkte im Advent wieder in altem Glanz strahlen. Doch die Corona-Jahre und die hohe Inflation gehen nicht spurlos an den Märkten vorbei.

Seit einigen Tagen steht die Striezelmarkt-Tanne in Dresden. Ab dem 23. November soll der weltberühmte Weihnachtsmarkt eröffnen.
Seit einigen Tagen steht die Striezelmarkt-Tanne in Dresden. Ab dem 23. November soll der weltberühmte Weihnachtsmarkt eröffnen.  © Norbert Neumann

So klagen Händler über Personalnot und mancherorts ist es schwieriger geworden, ausreichend Anbieter und die gewohnte Vielfalt an Leckereien und Waren aufzutun. Auch die Preise für Glühwein, Kunsthandwerk und Co. dürften höher ausfallen als zuletzt.

So wird es etwa in Annaberg-Buchholz, Aue und Chemnitz etwas weniger Stände geben. Von Absagen der Händler wegen Personalmangels ist die Rede, aber auch von Lieferschwierigkeiten und Problemen bei der Materialbeschaffung.

In Aue wird mit 30 Händlern gerechnet, in Annaberg-Buchholz sind 78 Stände geplant. Auch in Chemnitz fällt die Zahl nach Angaben der Stadt mit 148 etwas geringer aus als früher.

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Wegen der Unsicherheiten in den Vorjahren seien Händler, Gastronomen und Schausteller lange zurückhaltend gewesen, erklärte der Geschäftsführer von Plan de Saxe, Holger Zastrow (53, FDP). Sein Unternehmen richtet unter anderem den Augustusmarkt in Dresden und den Pirnaer Canalettomarkt aus.

Etliche hätten in der Corona-Zeit aufgegeben und Personal sei in andere Branchen abgewandert. "Das ist dramatisch", betonte Zastrow. "Ich denke, dass viele Weihnachtsmärkte deswegen kleiner ausfallen werden." Zudem sei die Produktvielfalt geringer.

Die ersten Buden werden für den Striezelmarkt in Dresden aufgebaut.
Die ersten Buden werden für den Striezelmarkt in Dresden aufgebaut.  © Sebastian Kahnert/dpa
FDP-Politiker Holger Zastrow (53) vermutet, dass die Weihnachtsmärkte kleiner ausfallen. Grund dafür sei die Corona-Pandemie.
FDP-Politiker Holger Zastrow (53) vermutet, dass die Weihnachtsmärkte kleiner ausfallen. Grund dafür sei die Corona-Pandemie.  © Thomas Türpe

Städte setzen auf sparsame LED-Beleuchtung

In Chemnitz sollen 16.000 LED-Lichter den Weihnachtsmarkt erstrahlen lassen.
In Chemnitz sollen 16.000 LED-Lichter den Weihnachtsmarkt erstrahlen lassen.  © Kristin Schmidt

Zastrow versucht, dies anderweitig auszugleichen. So verspricht er den Besuchern eine größere kulinarische Vielfalt sowie mehr Kunst und Kultur sowie Events auf den Märkten.

"Der Schau- und Erlebniswert wird erhöht." Zugleich werden Besucher auch nach den Weihnachtstagen noch über den Augustusmarkt am Goldenen Reiter schlendern können: Er dauert bis Anfang Januar.

Bei der Beleuchtung will der Unternehmer sogar aufstocken. Die Diskussion um Einsparungen bei den Lichtern sei eine Phantomdebatte, sagte er. Die Energiefresser auf Weihnachtsmärkten seien vielmehr im Imbissbereich zu finden.

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Auch in Annaberg-Buchholz wird bei der Beleuchtung alles sein wie gewohnt, versichert die Stadtverwaltung. Sie sei in der Vergangenheit auf sparsamere LED umgestellt worden. Die Stadt Chemnitz setzt nun ebenfalls komplett auf LED – dort sollen rund 16.000 Lichter den Weihnachtsmarkt erstrahlen lassen.

Etwas sparsamer geht man dagegen in Aue-Bad Schlema in die Adventszeit. Die Stadt lässt nur einen statt wie bisher zwei Weihnachtsbäume aufstellen und knipst nur jeden zweiten Schwibbogen in öffentlichen Gebäuden an, hieß es.

Große Vorfreude auf Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz

Oberbürgermeister Rolf Schmidt (62, Freie Wähler) freut sich auf den Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz.
Oberbürgermeister Rolf Schmidt (62, Freie Wähler) freut sich auf den Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz.  © Uwe Meinhold

Doch werden die Menschen nach zwei Jahren Pause und anhaltender Corona-Pandemie wieder zuhauf auf die Märkte strömen?

Die Sehnsucht der Bevölkerung nach dem Weihnachtsmarkt sei groß, erklärte der Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz, Rolf Schmidt (62, Freie Wähler). "Er gehört zum Advent wie die Lichter auf den Schwibbogen und der Zucker in den Stollen."

Der Ausfall in den vergangenen Jahren sei sehr schmerzhaft gewesen und habe vielen aufs Gemüt geschlagen.

Umso größer sei die Vorfreude in seiner Stadt auf das Anschieben der großen Pyramide zur Eröffnung am 25. November, betonte Schmidt. Nach Angaben der Stadt hat der Weihnachtsmarkt in der Vergangenheit schätzungsweise jeweils zwischen 120.000 und 140.000 Besucher angelockt.

Auch Schmidts Amtskollege in Aue, Heinrich Kohl (CDU), spricht von einem "Zeichen der Hoffnung", dass am 1. Advent wieder der "Raachermannelmarkt" in seiner Stadt stattfinden kann.

Preis-Schock beim Glühwein? Zastrow: "Viel mehr als 4 Euro halte ich für schwierig"

Eine Tasse Glühwein wird wohl deutlich teurer als in den Vorjahren sein.
Eine Tasse Glühwein wird wohl deutlich teurer als in den Vorjahren sein.  © Jonas Walzberg/dpa

Neben Glühwein, Stollen, Lebkuchen und gebrannten Mandeln sind das erzgebirgische Kunsthandwerk auf den Märkten nicht wegzudenken. "Wir sind sehr froh, dass es bald wieder losgeht", sagte der Geschäftsführer des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller, Frederic Günther.

Die Märkte seien ein wichtiger Vertriebskanal für die Werkstätten. Und die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass die Nachfrage nach Engeln, Räuchermännern, Lichterbögen und Pyramiden ungebrochen sei – trotz Preiserhöhungen etwa wegen gestiegener Lohnkosten. Allerdings räumt auch Günther ein: "Es wird weniger Stände mit erzgebirgischem Kunsthandwerk geben."

Auch an anderen Stellen werden sich die Besucher der Märkte auf höhere Preise als früher einstellen müssen. Zu Einzelheiten verweisen die Kommunen auf die Händler, der Handelsverband Sachsen hält sich auf Anfrage noch bedeckt und verweist auf eine Pressekonferenz am 10. November.

Höhere Preise werden etwa auch beim Glühwein erwartet. Die bisherigen Preise seien kaum zu halten, konstatierte Zastrow: "Aber viel mehr als 4 Euro halte ich für schwierig."

Titelfoto: Kristin Schmidt, Jonas Walzberg/dpa

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