Sächsin rettete als erste Frau Soldaten auf den Schlachtfeldern

Dresden/Beierfeld - Kaum einer kennt sie! Marie Simon (1824 - 1877) war eine sächsische Pionierin des Roten Kreuzes. Als erste Frau in der internationalen Rot-Kreuz-Geschichte stand die Krankenschwester mitten auf dem Schlachtfeld, um Verwundete zu versorgen. Ein rühriger Sachse aus dem Erzgebirge hat die fast vergessene Heldin nun wieder ins Licht gerückt.

Der Leiter des Beierfelder Rotkreuzmuseums, André Uebe (57), hält einen 1872 erschienenen Zeitungsartikel in die Kamera, der zeigt: "Mutter Simon" war eine zu Lebzeiten bekannte und geachtete Frau. Auch die Figur im Hintergrund zeigt Marie Simon.
Der Leiter des Beierfelder Rotkreuzmuseums, André Uebe (57), hält einen 1872 erschienenen Zeitungsartikel in die Kamera, der zeigt: "Mutter Simon" war eine zu Lebzeiten bekannte und geachtete Frau. Auch die Figur im Hintergrund zeigt Marie Simon.  © Uwe Meinhold

Marie Simon wurde am 26. August 1824 in Doberschau geboren, bildete sich früh im Fach Krankenpflege weiter.

Bekanntheit erlangte sie mit ihren überparteilichen Hilfseinsätzen auf dem Schlachtfeld: Sie war 1866 bei der Schlacht von Königgrätz persönlich vor Ort, um für das Rote Kreuz sächsische Verwundete zu versorgen und nach Hause zu transportieren - aber auch Soldaten des preußischen "Feindes" erbarmte sie sich.

Für ihren Einsatz wurde Simon zu Lebzeiten geehrt und verehrt: "Sie war hochdekoriert, erhielt Orden aus Preußen, Österreich, Württemberg und Frankreich", sagt der Leiter des Rotkreuzmuseums in Beierfeld André Uebe (57).

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Der hauptberufliche Krankenpfleger forscht seit acht Jahren zu Simon und betont: "Sie war genauso bedeutend wie Florence Nightingale. Nicht umsonst wurde auf der ersten Rotkreuzkonferenz in Paris beiden eine Goldmedaille verliehen."

Einen Besuch wert: Das sächsische Rotkreuzmuseum in Beierfeld.
Einen Besuch wert: Das sächsische Rotkreuzmuseum in Beierfeld.  © Uwe Meinhold

Marie Simon gründete in Loschwitz eine Heilstätte

In der Dauerausstellung des Museums ist zu sehen, wie Kranken- und Verwundetenversorgung einst funktioniert hat.
In der Dauerausstellung des Museums ist zu sehen, wie Kranken- und Verwundetenversorgung einst funktioniert hat.  © Uwe Meinhold

Auf Betreiben der sächsischen Kronprinzessin war Marie Simon ab 1867 damit befasst, die sächsische Pflegeausbildung zu professionalisieren, 1870/71 wurde sie wieder als Schwester, Köchin und Einsatzleiterin im deutsch-französischen Krieg eingesetzt.

Simon schrieb Fachbücher, gründete 1872 eine Heilstätte in Loschwitz. Sie verstarb 1877 infolge einer Nierenentzündung.

Geht es nach Uebe, soll Simon als emanzipierte und durchsetzungsstarke Frau in Erinnerung bleiben: "Ihre 'Fresskommandos' haben den Militärs im Krieg gehörigen Respekt eingeflößt", erzählt er.

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Diesen Mai eröffnet er eine Ausstellung zum Thema Kriegsschwestern. Anlässlich des 200. Jubiläums ihres Geburtstages 2024 wird Simon auch vom Landesfrauenrat Sachsen geehrt: "Wir werden im August an ihrem Geburtsort eine Gedenktafel einweihen", heißt es vom Landesfrauenrat.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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