Telefon-Betrüger machen in Sachsen Millionen-Beute!

Leipzig - "Nun rate mal, wer hier ist …". Oft beginnen sie so, die Anrufe bei alten Menschen, die nichts Gutes verheißen. Der Enkeltrick am Telefon ist in Sachsen zur kriminellen Seuche geworden. Durchschnittlich acht Betrugsanrufe pro Tag registriert die Polizei, die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Der Schaden geht in die Millionen.

Mit dem Enkeltrick wurden sächsische Rentner 2020 um 713.540 Euro betrogen. Der Schaden sämtlicher Trickbetrügereien lag bei 2,3 Millionen Euro.
Mit dem Enkeltrick wurden sächsische Rentner 2020 um 713.540 Euro betrogen. Der Schaden sämtlicher Trickbetrügereien lag bei 2,3 Millionen Euro.  © 123RF/Berna Namoglu

Noch immer fallen Senioren auf diesen plumpen Rate-Trick herein, nennen den Anrufer Namen von Enkeln und Neffen. Und schon hat der Betrüger sein Einfallstor in die Privatsphäre seiner Opfer und gaukelt mit abenteuerlichsten Geschichten finanzielle Nöte vor.

"Ein Verwandter bräuchte dringend Geld für den Kauf einer Wohnung, eines Autos oder zur Regulierung eines Unfallschadens", nennt LKA-Sprecherin Kathleen Zink die Klassiker der Lügengeschichten.

Schlimmer noch: "Seit Beginn der Corona-Pandemie geben sich die Anrufer oft auch als Klinikmitarbeiter aus und behaupten, ein Angehöriger sei schwer an Corona erkrankt und benötige ein teures Medikament", so Zink.

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Sachsen Hoyerswerda: Gedenken an schwere rassistische Krawalle im Herbst 1991

Allein in Sachsen wurden nach LKA-Angaben im vergangenen Jahr 79 solcher Corona-Schockanrufe polizeibekannt. Insgesamt wurden 2902 Telefon-Betrügereien angezeigt, davon 1079-mal Enkeltrick, 1236 Gewinnanrufe und 587 Anrufe falscher Polizisten. Gesamtschaden: mehr als 2,3 Millionen Euro!

Die Geschichte des Enkeltricks

"Der Enkeltrick ist eine deutsche Erfindung mit internationaler Verbreitung", sagt Soziologe Christian Thiel, der die Hintergründe von Betrugstaten erforscht. In der Schweiz und in Österreich sei die Masche etwa als Neffentrick bekannt.

Als Erfinder gelte der polnischstämmige Arkadiusz 'Hoss' Lakatosz (53), so Thiel. Der in Hamburg lebende Pate eines Roma-Clans habe eine schon in den 1950er-Jahren existierende, vorwiegend auf osteuropäische Aussiedler zielende Strategie aufgegriffen und ausgebaut.

Er entwickelte den Enkeltrick: Chef-Abzocker Arkadiusz 'Hoss' Lakatosz (53) auf einem Fahndungsplakat der polnischen Polizei.
Er entwickelte den Enkeltrick: Chef-Abzocker Arkadiusz 'Hoss' Lakatosz (53) auf einem Fahndungsplakat der polnischen Polizei.  © imago/Eastnews

Thiel: "Er hat eine logistische Infrastruktur geschaffen, die den Enkeltrick seit den frühen 2000er-Jahren zu einer wahren Seuche werden ließ."

Titelfoto: 123RF/Berna Namoglu

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