"Menschlich gesehen ziemlich widerlich": So holt sich Simon Desue Geld von seinen Fans

Hamburg - Wenn es nach Simon Desue (28) geht, dem aufgedrehten Nachbarsjungen von YouTube, dann sind seine Fans bald reich.

Simon Desue (28) musste Mitte Januar in Hamburg vor Gericht erscheinen.
Simon Desue (28) musste Mitte Januar in Hamburg vor Gericht erscheinen.  © Georg Wendt/dpa

Zumindest verspricht der 28-Jährige ihnen eine einfache und schnelle Verdienstmöglichkeit.

Am Mittwochabend startete Joshua Weißleder, der sich hinter dem Künstlernamen Simon Desue verbirgt, die "Instagram University".

Bereits seit Tagen wirbt der nach Dubai ausgewanderte Hamburger auf Instagram und in seinen YouTube-Videos dafür. Dazu erzählt der Social-Media-Star in einem langen Video seinen Weg vom Obdachlosen auf der Alster-Parkbank zum Millionär mit Protz-Villa im Wüstensand und Model Enisa Bukvic (25) an seiner Seite.

Genau so ein Leben sei für jeden möglich, meint Desue in seinen Werbebotschaften für die "Instagram University".

Der Name ist etwas irreführend, eine richtige staatlich anerkannte Universität ist das natürlich nicht. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Video-Kurs-Programm.

Weißleder will darin zeigen, "wie du dir Reichweite auf Instagram aufbaust und deine ersten 1000 Euro mit deinem Handy verdienst". Das sei "easy" nebenbei möglich, auch wenn "du faul bist".

Doch bevor sich die ersten Fans über die Geldlawine freuen können, müssen sie erstmal zahlen. Eigentlich wären 97 Euro pro Monat fällig, zum Start sind es erstmal 7 Euro monatlich oder 49 Euro einmalig - alles zuzüglich Mehrwertsteuer! Das wird aber erst beim Bezahlen angezeigt.

Traum von Sportwagen, Villa, Reisen und Geldbündeln

Wortreich wirbt Simon Desue für seine "Instagram University".
Wortreich wirbt Simon Desue für seine "Instagram University".  © Screenshot/www.simondesue.de

Für 37 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) kann optional die "Influencer Lifestyle Blackbox" dazu gebucht werden. Darin will Simon Desue "unfaire Tricks" verraten, mit denen Influencer kostenlos an "5-Sterne-Restaurant-Besuche, Designer-Klamotten, Flüge und PS-starke Sportwagen" gelangen.

Am Mittwochabend sprach der Hamburger in seiner Instagram-Story noch von einem bis Mitternacht limitierten Angebot, danach werde es teurer. Das war bis zum Freitagmittag aber nicht geschehen.

Zeitdruck und eine undurchsichtige Preisstruktur? Böse Zungen würden dahinter Absicht vermuten, um die Interessenten zu verwirren und zum schnellen Kauf zu bewegen.

Außerdem sagte der 28-Jährige, dass die Server am Mittwoch wegen des Ansturms zeitweise zusammengebrochen seien. Dann zeigte er Profile von Instagram-Nutzern, die Screenshots seiner Lern-Videos teilten.

Auffällig dabei: Der Großteil der Profile war keine 24 Stunden alt, ältere Accounts und Klarnamen waren die Minderheit. Mindestens zwei Nutzer teilten Fotos aus Dubai, unter einem Kursvideo stand sogenannter Blindtext ("Lorem ipsum").

Fakes oder erste Kunden? Auf den ersten Blick lässt sich das nicht zweifelsfrei klären. Doch der fade Beigeschmack zieht sich durch die sogenannte "Instagram University".

Fast alle Konten verweisen per Affiliate-Link auf Desues Internetseite, kommt es darüber zur Buchung des Programms, gibt es eine Provision. Die zig Links machen das Angebot des Auswanderers bekannter und können ihm weitere Kunden beschaffen.

Gegenseitiges Folgen der Instagram-Konten ist anscheinend ein weiteres Muss. Ein weiteres Anzeichen eines sogenannten Schneeballsystems, bei dem nur derjenige an der Spitze wirklich Geld verdient.

Desue spricht gezielt junge Fans an und verspricht ihnen für wenig Arbeit ein Traumleben mit Sportwagen, Villen, Reisen und immer genug Geld in der Tasche. Wer will das nicht?!

Bereits im vergangenen Jahr war der YouTuber auf Menschenfang. Da versprach er seinen digitalen Glücksrittern zu verraten, wie jeder in nur einem Monat 10.000 Euro Umsatz machen könne. Stolze 497 Euro kostet die "10k Masterclass", sie soll erklären, wie man mit dem Amazon-Programm FBA schnell viel Geld einnehmen kann.

Enttäuschte Kunden nennen das Programm "Abzocke"

Zuvor hatte Simon Desue bereits die "10k Masterclass" gestartet.
Zuvor hatte Simon Desue bereits die "10k Masterclass" gestartet.  © Screenshot/10kmasterclass.com

Monate zuvor pries Simon Desue ein anderes Programm an, mit dem sich das Funk-Format "offen un' ehrlich" auseinandergesetzt hat. Reich wurden die Redakteure aber nicht, sie nahmen genau Null Euro ein.

Zugänge zur "10k Masterclass" werden weiterhin verkauft. Zuerst müssen sich Interessenten zu einem sogenannten "Live Training" anmelden, darin behauptet der 28-Jährige live zu streamen. Seit Wochen wird dort aber Abend für Abend dasselbe Video gezeigt.

In der YouTuber-Szene trifft Desues Geschäft auf scharfe Kritik. MontanaBlack nannte sie "Menschlich gesehen ziemlich widerlich...", Unge schrieb "sehr eklig".

TAG24 hatte Kontakt zu Kunden des Programms. Keiner wollte namentlich genannt werden, es ist aber in den Gesprächen von Enttäuschung und gebrochenen Versprechungen die Rede. Auch das Wort "Abzocke" fiel.

Teilweise soll es wochenlang keine Rückmeldung gegeben haben, zumindest sei aber irgendwann das Geld erstattet worden. Die angepriesenen hohen Einnahmen gab es nie.

Nutzt Desue seinen guten Ruf schamlos aus, um leichtgläubige Teenager und junge Menschen abzuzocken? TAG24 bat Weißleder um Stellungnahme.

Er verspreche nicht, dass jeder mit seinen Programmen reich werde, schreibt der 28-Jährige. Er sage aber häufig, "dass es im heutigen Zeitalter einfacher ist als früher." Es werde ein "tatsächlicher Mehrwert" geboten und Wissen vermittelt, die Inhalte würden vorher klar kommuniziert. Außerdem empfehle er eine Teilnahme erst ab 18 Jahren.

Desue gesteht ein, dass Support-Anfragen "nicht oder nicht rechtzeitig beantwortet" wurden. "Das wäre die einzige Leistung die nicht zu 100 Prozent erbracht wurde." Er wies daraufhin, dass Käufer jederzeit die Möglichkeit haben wegen Unzufriedenheit vom Kauf zurück zu treten. Das könnte aber von böswilligen Menschen ausgenutzt werden und sei für ihn daher ein sehr großes Risiko.

Und die Leute wollen ihr Geld zurück. Viele Käufer machen von ihrem Reklamationsrecht Gebrauch, wie Auszüge zeigen sollen, die der Unternehmer TAG24 schickte.

Schon immer galt: Wer ganz schnell, ganz viel Geld mit ganz wenig Aufwand verspricht, ist unseriös. Diesen Vorwurf muss sich jetzt auch Desue gefallen lassen.

Funk-Format "offen un' ehrlich" untersucht Simon Desues Angebote

Titelfoto: Montage: Georg Wendt/dpa, Screenshot/simondesue.de

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