"Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" - die große Final-Enttäuschung!

Deutschland - Die größte Saga der Kinogeschichte ist abgeschlossen - aber auf ernüchternde Weise! "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers", die neunte und damit (vorerst) letzte Episode, startet am heutigen Mittwoch in den deutschen Kinos. Dieser dritte Film der dritten Trilogie soll der Abschluss der Geschichte rund um die Skywalkers sein.

General Leia (r., Carrie Fisher) setzt Reys (Daisy Ridley) Jedi-Ausbildung fort.
General Leia (r., Carrie Fisher) setzt Reys (Daisy Ridley) Jedi-Ausbildung fort.  © PR/Disney/Lucasfilm

In ihm müssen die Rebellen schon zu Beginn eine erschreckende Neuigkeit hinnehmen. Darth Sidious/Palpatine (Ian McDiarmid) ist zurückgekehrt!

Supreme Leader Kylo Ren (Adam Driver) macht sich mit einem speziellen Kompass auf den Weg zur geheimen Sith-Welt Exegol, um Antworten zu finden und Darth Sidious zu töten, weil er Rens Macht bedroht.

Doch es kommt anders: Wie schon bei Anakin Skywalker, der später Darth Vader wurde, versteht sich der zurückgekehrte frühere Kanzler der Republik darauf, die Wünsche seines Gegenübers zu erspüren.

Er verspricht Ren die größte Flotte aller Zeiten. Also mehr als genug Schiffe, um den Widerstand ein für alle mal zu vernichten. Aus der "First Order" wird die daher die "Final Order".

Kylo soll Rey (Daisy Ridley) töten und anschließend seinen Platz als oberster Sith-Lord einnehmen. Er begibt sich auf die Suche nach Rey, die auf einem Dschungelplaneten von General Leia (Carrie Fisher) weiter in den Jedi-Künsten geschult wird.

Ihre Freunde Poe Dameron (Oscar Isaac) und Finn (John Boyega) halten derweil die Hoffnung auf einen Sieg des Widerstandes am Leben. Doch nur gemeinsam mit den Droiden BB-8 (Dave Chapman/ Brian Herring), C-3PO (Anthony Daniels), R2-D2 und natürlich Wookie Chewbacca (Joonas Suotamo) haben sie eine Chance gegen die übermächtigen Gegner...

Regisseur J.J. Abrams gelingt auch im zweiten Versuch kein guter "Star-Wars"-Film

Poe Dameron (r., Oscar Isaac) und Finn (M., John Boyega) und C-3PO (Anthony Daniels) haben alle Hände voll zu tun, um die Rebellion gegen die "First Order" am Leben zu halten.
Poe Dameron (r., Oscar Isaac) und Finn (M., John Boyega) und C-3PO (Anthony Daniels) haben alle Hände voll zu tun, um die Rebellion gegen die "First Order" am Leben zu halten.  © PR/Disney/Lucasfilm

Diese Geschichte hat J.J. Abrams ("Star Wars: Das Erwachen der Macht", "Star Trek", "Mission: Impossible III") leider erneut enttäuschend umgesetzt.

Diesmal ist besonders auffällig, wie sehr der Regisseur einen anderen Film drehen wollte, nachdem der nicht zu widerlegende Hauptkritikpunkt an der siebten Episode war, dass Abrams bei Episode IV abgekupfert hätte.

Doch seine verkrampften Bemühungen gehen nach hinten los, weil er die 144 Minuten viel zu voll mit viel zu vielen Handlungssträngen, Charakteren und Ideen packt.

Zwar kann man dem Geschehen durchgehend problemlos folgen, wird aber selbst als bekennender "Star-Wars"-Fan emotional nur stellenweise mitgerissen.

Denn der Film ist trotz guter Ansätze und mitunter großartiger Einzelszenen ein typischer Blockbuster der heutigen Zeit geworden, der zu oberflächlich ist, um tiefgehend zu fesseln.

Daran haben auch einige völlig unvorbereitete Story-Wendungen einen großen Anteil. Die dürfen/sollen an dieser Stelle nicht genannt werden - auf ausdrückliche Bitte von "Disney" hin, das Finale nicht zu spoilern.

Deshalb zu diesem Kritikpunkt nur so viel: Zwar taucht Episode IX tief in die Mythologie dieses fantastischen Universums ein, wirft dabei aber mehr Fragen auf, als Antworten zu geben. Einige behandelte Themen kommen schlichtweg aus dem Nichts, weshalb ihnen mitunter die Glaubwürdigkeit fehlt.

"Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" ist überfrachtet

Mehrfach kommt es zwischen Rey (l., Daisy Ridley) und Kylo Ren (Adam Driver) zum Kampf.
Mehrfach kommt es zwischen Rey (l., Daisy Ridley) und Kylo Ren (Adam Driver) zum Kampf.  © PR/Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

Dazu ist "Der Aufstieg Skywalkers" nicht komprimiert genug. Offenbar hatten Abrams und seine Mitstreiter unzählige Einfälle im Kopf, von denen gefühlt fast jede irgendwie im fertigen Film gelandet ist.

Einige davon sind zweifellos gut, doch diese sprudelnde Quelle übergießt einen geradezu, sodass man auch nach der sehenswerten letzten Sequenz unzufrieden zurückbleibt.

Denn selbst in der Science-Fiction-Welt, in der "Star Wars" spielt, wirken einige Wendungen weit hergeholt. Dieses Gefühl verstärkt sich durch den Mangel an Erklärungen noch.

So muss das Publikum hinsichtlich der Macht-Fähigkeiten einige neue Entwicklungen einfach hinnehmen. Fängt man an, sie zu hinterfragen, tun sich gewaltige Logiklöcher auf, was große Ernüchterung zur Folge hat.

Daran können auch (zu) viele Gastauftritte beliebter Figuren wenig ändern. Im Gegenteil: Verständnislos sitzt man im Kinosessel, weil ausgerechnet der Charakter, dessen Vermächtnis in der neuen Trilogie eine entscheidende Rolle spielt, kein Auftritt gewährt wird.

Dazu hetzt Abrams durch die Geschichte, ohne den Zuschauern und vor allem den Millionen Fans weltweit, Pausen zu gönnen, in denen die vielen Erlebnisse verarbeitet werden können.

Die beliebte Musik von John Williams funktioniert in "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" nur bedingt

Der neue Hauptstützpunkt der Rebellen befindet sich auf einem Dschungelplaneten.
Der neue Hauptstützpunkt der Rebellen befindet sich auf einem Dschungelplaneten.  © PR/Copyright 2019 Lucasfilm Ltd. & â„¢, All Rights

Ob er wohl selbst wusste, dass die Geschichte und die Dramaturgie dieser großen Saga nicht gerecht werden konnten und aus diesem Grund ein so atemloses Erzähltempo an den Tag gelegt hat, um von den vielen offenen Fragen abzulenken?

Dieses vorpreschende Pacing bedeutet übrigens nicht, dass der Film durchgehend spannend ist. Trotz der vielen Protagonisten, Locations und Wendungen hat "The Rise of Skywalker" nämlich auch seine Durchhänger.

Als wäre das noch nicht genug, muss man auch die so eingängige, geniale und beliebte Musikuntermalung von John Williams hinterfragen, da der Score zu sehr darauf bedacht ist, alle bekannten Melodien einzubauen und daher zu viel Raum einnimmt.

Dazu werden einige Themes auch noch an den falschen Stellen eingespielt, sodass man ob dieser Fehler nur entsetzt den Kopf schütteln kann, weil auch das den Erzählfluss stört.

Trotz all dieser Schwächen ist "Der Aufstieg Skywalkers" aber kein schlechter Film geworden. Dafür ist er zu atmosphärisch.

Wenn Kylo Ren zu Beginn die uralte, düstere Welt der Sith betritt und durch die bedrohlichen, von gewaltigen Statuen gesäumten Steinhallen schreitet, zeigt die Kamera die ganze Größe dieser unterirdischen Welt in beeindruckenden Einstellungen, während der unheimliche Gesang anschwillt, weshalb Sequenzen dieser Art visuell ganz großes Kino sind.

"Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" ist atmosphärisch und hat starke Einzelszenen

Finn (l., John Boyega) und Poe Dameron (Oscar Isaac) stehen Rey zur Seite.
Finn (l., John Boyega) und Poe Dameron (Oscar Isaac) stehen Rey zur Seite.  © PR/Disney/Lucasfilm

Wenn dann auch noch die schneidende Stimme von McDiarmid durch den Raum hallt, begeistert das neue "Star-Wars"-Abenteuer und sorgt hier, aber auch an anderen Stellen für Gänsehaut.

Denn Szenen solcher Qualität gibt es über die gesamte Laufzeit immer wieder. Doch sie fügen sich leider nur bedingt zu einem funktionierenden Ganzen zusammen.

Dafür gibt es einige zutiefst bewegende zwischenmenschliche Augenblicke, in denen das Potenzial erkennbar ist, das diese finale Episode hat. Des Weiteren überzeugen die wertvollen Botschaften rund um Freundschaft, Zusammenhalt und Hoffnung.

Auch die guten Leistungen der Darsteller, denen man allerdings ein wenig mehr Spielraum gewünscht hätte, tragen zur Stimmung bei. Zudem wurde das Archivmaterial der verstorbenen Fisher klasse eingebaut, sodass die Leinwandlegende einen würdigen letzten Auftritt spendiert bekommen hat.

Hinsichtlich der Spezialeffekte und der abwechslungsreichen Locations ist "Der Aufstieg Skywalkers" sogar "Oscar"-würdig. Was hier geboten wird, ist schlichtweg bombastisch! Auch die kontrastreichen Kostüme und das aufwendige Make-up zählen zu den Stärken.

Doch der Kernaspekt, die Story, funktioniert aus erwähnten Gründen nur bedingt und wird mit ihren Wendungen für viel Gesprächsstoff sorgen. Insgesamt lässt einen das große Finale trotz erstklassiger Einzelszenen enttäuscht zurück, weil der neunten "Star-Wars"-Episode die Ausgewogenheit fehlt und die Qualität daher schwankend ist.

 Die Geschichte von Kylo Ren (Adam Driver) und Rey (Daisy Ridley) ist eng miteinander verbunden.
Die Geschichte von Kylo Ren (Adam Driver) und Rey (Daisy Ridley) ist eng miteinander verbunden.  © PR/Disney//Lucasfilm

Titelfoto: PR/Disney//Lucasfilm

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