Waldbestattung gegen Friedhof: Geht jetzt das Ringen um die Toten los?

Possendorf - Immer mehr Menschen ziehen es vor, die letzte Ruhe nach ihrem Ableben in der Natur zu finden. Baumbestattungen sind im Trend, private Waldfriedhöfe schießen derzeit aus dem Boden. Das Problem: Sie spannen kirchlichen und kommunalen Friedhöfen die "Kunden" aus.

Der Possendorfer Kirchvorsteher Peter Behrendt (30) sorgt sich um die Zukunft kirchlicher Friedhöfe.
Der Possendorfer Kirchvorsteher Peter Behrendt (30) sorgt sich um die Zukunft kirchlicher Friedhöfe.  © Norbert Neumann

Der Possendorfer Kirchvorsteher Peter Behrendt (30) kann davon ein Lied singen. In der Grimmschen Heide, ganz in der Nähe der Kirchgemeinde, plant ein Privatunternehmer einen Bestattungswald. 

"Diese Unternehmen gefährden unsere Kulturlandschaft. Dass ein Privatunternehmer hier seine Vorstellungen durchsetzt, halte ich für bedenklich", findet Behrendt. "Ist es das wert?" Auf dem Friedhof in Possendorf gebe es bereits einige Überhangflächen.

Die Crux: Bestattungen im privaten Ruheforst kosten die Hinterbliebenen einmalig nur 500 Euro. Auf einem Friedhof muss man gut das Vierfache des Preises für das Begräbnis bezahlen. 

Hier kommt schließlich die Pflege der Anlage hinzu. Gebühren, die im Wald nicht anfallen. "Das ist unlauterer Wettbewerb", findet Behrendt. 

Der Kirchvorsteher hat bereits Einspruch beim zuständigen Landratsamt eingelegt. "Die beste Lösung wäre es, wenn der Bestattungswald einfach nicht genehmigt wird."

Begräbnisse auf Waldfriedhöfen liegen derzeit im Trend.
Begräbnisse auf Waldfriedhöfen liegen derzeit im Trend.  © Ove Landgraf

Neues Bestattungsgesetz soll kommen

Das Sächsische Sozialministerium weiß um dieses Problem. Das Sächsische Bestattungsgesetz enthält keine Regelungen zur Gebührenerhebung der Friedhofsträger. 

"Derzeit wird durch unser Haus ein Entwurf zur Novellierung des Bestattungsgesetzes vorbereitet", heißt es aus dem Sozialministerium. "Hierzu stehen wir mit den Gemeinden und Kirchenverbänden im engen Austausch."

Friedhofsträger können dabei Änderungsvorschläge und Stellungnahmen einreichen. Bis Ende des Jahres soll der Entwurf fertiggestellt und anschließend in den Landtag eingebracht werden.

Titelfoto: Norbert Neumann

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