Bio-Siegel im Vergleich: Was sie bedeuten und welchen du vertrauen kannst

Von Gina Gadis

Welt - Immer mehr Menschen versuchen, sich gesünder und umweltbewusster zu ernähren und greifen im Supermarkt zu Bioprodukten. Kein Wunder also, dass man mittlerweile sogar in Discountern jede Menge grüne Etiketten findet. Doch Bio ist nicht gleich Bio. Woran erkenne ich also nun wirkliche Bioprodukte und was bedeutet Bio eigentlich?

Beim konventionellen Anbau ist der Boden oftmals noch Jahre später mit Pestiziden belastet (Symbolfoto).
Beim konventionellen Anbau ist der Boden oftmals noch Jahre später mit Pestiziden belastet (Symbolfoto).  © 123rf/nikkiphoto

Wenn man Pflanzen biologisch anbauen möchte, dann bedeutet das, man verzichtet auf synthetischen Pflanzenschutzmittel/Düngemittel und sorgt für den Erhalt beziehungsweise die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit.

So bleiben die Böden auch weiterhin nutzbar. Denn beim konventionellen Anbau sind die Böden oftmals noch Jahre später mit Pestiziden belastet und Rückstände befinden sich selbst auf Obst und Gemüse.

Weiterhin müssen Tiere Auslaufmöglichkeiten und mehr Platz im Stall haben, bekommen ökologisches Futter (bestenfalls aus dem eigenen Betrieb) und dürfen nur sehr eingeschränkt mit Antibiotika behandelt werden. Außerdem ist die zulässige Zahl der gehaltenen Tiere streng an die Fläche gebunden. Die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen ist verboten und nur wenige Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe sind in den fertigen Lebensmitteln erlaubt.

All diese Vorgaben sollen für möglichst geschlossene betriebliche Nährstoffkreisläufe sorgen, ebenso wie den Schutz der Bodenfruchtbarkeit und eine besonders artgerechte Tierhaltung sicherstellen. So können wir die Umweltbelastungen niedrig halten und aktiven Natur- und Artenschutz betreiben.

Doch wie sieht das denn nun aus, wenn ich Bioprodukte kaufen möchte?

In Deutschland gibt es über 100 Bio- und Ökosiegel

Biosiegel im Vergleich.
Biosiegel im Vergleich.  © https://www.bund.net

In Deutschland gibt es mittlerweile über 100 Bio- und Ökosiegel. Dass man da schon mal den Durchblick verlieren kann, ist nicht verwunderlich. Doch im Gegensatz zu Kosmetik & Körperpflege, Kleidung & Textilien und Reinigungsmitteln, sind für Lebensmittel die Begriffe "Bio" & "Öko" geschützt. Das heißt, Lebensmittel in Europa können nur als "Bio" deklariert werden, wenn sie tatsächlich nach den Vorgaben der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurden. Das bedeutet, dass sie die oben genannten Kriterien erfüllen (Genaueres findet ihr hier).

Die gleichen Regeln gelten für die geschützten Begriffe "biologisch/ökologisch", "kontrolliert ökologisch/biologisch", "biologischer/ökologischer Landbau", "biologisch-dynamisch" und "biologisch-organisch".

Wiederum sind Aussagen wie "aus kontrolliertem Anbau", "ungespritzt" oder "aus alternativer Haltung" nicht geschützt. Immer wieder kommt es zum Missbrauch des Bio-Begriffs beziehungsweise der Täuschung des Konsumenten. In solch einem Fall kann man sich an das Portal "Lebensmittelklarheit" der Verbraucherzentrale wenden.

Um also wirklich sicherzugehen, achtet man am besten auf die Siegel. Alle verpackten Bio-Lebensmittel aus der EU müssen zum Beispiel das EU-Bio-Logo tragen. Das bedeutet, dass 95 Prozent der Inhaltsstoffe Bio-Qualität haben und die oben genannten Kriterien erfüllt wurden. Neben diesem steht auf manchen Produkten nach wie vor das sechseckige deutsche Bio-Siegel.

So erkennst Du einen Etikettenschwindel

Auf jedem Bioprodukt aus der EU muss das EU-Bio-Siegel und/oder das sechseckige Deutschland-Bio-Siegel gedruckt sein.
Auf jedem Bioprodukt aus der EU muss das EU-Bio-Siegel und/oder das sechseckige Deutschland-Bio-Siegel gedruckt sein.  © https://www.bund.net

Geschmacksverstärker, künstlich Aromen und Farbstoffe dürfen in Produkten mit dieser Auszeichnung nicht enthalten sein. Es ist in seinen Anforderungen vergleichbar und existierte schon vor dem EU-Bio-Logo. Dieses ist jedoch eine freiwillige Kennzeichnung. Aber immerhin zeigten bereits 76.000 Lebensmittel 2016 das staatliche Siegel. Wenn keines der beiden Siegel aufgedruckt ist und die Ware trotzdem als Bio deklariert wird, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Etikettenschwindel.

Neben diesen beiden Standardsiegeln gibt es auch noch Labels der deutschen Bio-Verbände. Solche haben meistens noch deutlich strengere Vorschriften. Wie zum Beispiel, dass wesentlich weniger Tiere pro Hektar gehalten werden dürfen (Details gibt es hier).

Gerade wenn es um Fleisch geht, sollte man sich lieber an diese Siegel halten. Allen voran ist das "Demeter-Siegel" sehr streng. Das Bio-Siegel gibt es nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Kleidung und Kosmetik. Aber auch das "Bioland", "Biokreis" und "Naturland-Siegel" wurden vom Bund für Umwelt und Naturschutz als besonders empfehlenswert eingestuft. Darüber hinaus gibt es noch ähnliche Siegel wie vom "GÄA e.V." und vom "Biopark" oder das "MSC-Siegel" für nachhaltigen Fisch.

Neben verschiedensten Bio-Supermärkten wie "Alnatura", "Bio-Company" und "dennis Biomarkt" führen aber auch normale Supermärkte und Discounter ökologische Lebensmittel. Die meisten der hauseigenen Bio-Lebensmittel halten sich an die gesetzlich vorgeschriebenen Standards, einige gehen aber noch weiter und kooperieren mit den Bio-Verbänden. So findet man beispielsweise im "Rewe" etliche Produkte, die zusätzlich mit dem Naturland-Siegel zertifiziert sind und im "Lidl" mit dem Biolandsiegel.

Doch selbst bei Bio-Produkten sollte man auf die Herkunft achten. Unter dem EU-Bio-Siegel muss die Angabe erfolgen, ob das Lebensmittel aus deutscher Landwirtschaft, aus EU-Landwirtschaft und/oder Nicht-EU-Landwirtschaft stammt. Bio-Äpfel aus Neuseeland weisen mit Sicherheit eine deutlich schlechtere Öko-Bilanz auf als solche aus Deutschland und sollten trotz Siegel besser nicht gekauft werden.

Du kannst Dir das alles nicht merken? Kein Problem, denn mal wieder gibt es ein paar nützliche Apps, die einem durch den Siegel-Dschungel helfen. Wie zum Beispiel die "NABU Siegel-Check"-App und mein persönlicher Favorit "CodeCheck". Mit der App vom NABU kann man Produktsiegel einscannen und bekommt sofort Information darüber, um was für ein Siegel es sich handelt und wie gut dieses für die Umwelt ist. "CodeCheck" geht noch weiter und zeigt einem detailliert, welche Inhaltsstoffe bedenklich sind und warum.

Mithilfe von Siegeln kann jeder wirkliche Bioprodukte von Etikettenschwindel unterscheiden. In diesem Sinne: viel Erfolg beim nächsten Einkauf!

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

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