Neben Öl und Gas: Iran-Krieg bringt neue Krise mit sich
Katar - Während die Welt auf steigende Öl- und Gaspreise schaut, braut sich im Schatten des Iran-Kriegs eine ganz andere Krise zusammen - eine, die viel näher am Alltag der Menschen ist, als viele denken.
Denn plötzlich wird ein Rohstoff knapp, über den kaum jemand spricht: Helium. Was nach Partyballons klingt, ist in Wahrheit ein unverzichtbares Edelgas.
Rund 30 bis 40 Prozent der weltweiten Produktion stammen nach Angaben des US Geological Survey aus Katar - genau diese Lieferungen sind durch den Konflikt erheblich beeinträchtigt.
Experten warnen deshalb zunehmend vor einem möglichen Engpass auf dem Weltmarkt, wie die Financial Times berichtet.
Dabei ist das Edelgas weit mehr als ein Nischenprodukt. Helium spielt eine zentrale Rolle in der Halbleiterproduktion.
Gerade in einer ohnehin angespannten Marktlage könnte das zum Problem werden: Seit Ende 2025 steigt die Nachfrage nach Chips stark an, nicht zuletzt durch den anhaltenden KI-Boom, der enorme Mengen an Speicher- und Rechenkapazität erfordert.
Ein zusätzliches Risiko: Flüssiges Helium hat eine sehr kurze Haltbarkeit. Deshalb lagern viele Chipfabriken nur Vorräte für zwei bis vier Wochen. Kommt es in dieser Zeit zu Lieferausfällen, drohen schnell Produktionsprobleme.
"Ein Vertrag garantiert noch lange nicht die Lieferung. Wenn die Container nicht ankommen, ist der Vertrag wertlos", erklärte ein Branchenexperte gegenüber der Financial Times.
Auch im Gesundheitswesen ist Helium unverzichtbar
Nicht nur die Tech-Industrie ist betroffen, sondern auch das Gesundheitswesen. Helium wird benötigt, um die Magnete in MRT-Geräten zu kühlen.
Diese erzeugen extrem starke Magnetfelder, die nur unter sehr niedrigen Temperaturen stabil funktionieren - Bedingungen, die derzeit praktisch nur mit Helium erreicht werden können.
Im Gesundheitssektor könnten längere Engpässe sogar dazu führen, dass einzelne MRT-Geräte vorübergehend nicht betrieben werden können.
Der Hersteller Siemens Healthineers gibt jedoch vorerst Entwarnung. Man habe bereits in der Vergangenheit ähnliche Situationen gemeistert und verfüge über Strategien zur Risikominderung.
Das grundlegende Problem liegt jedoch tiefer: Der Heliummarkt ist stark konzentriert und abhängig von wenigen Förderregionen.
Der Ausfall einzelner großer Produzenten kann das Gleichgewicht schnell kippen lassen.
Titelfoto: Montage: SIA KAMBOU / AFP, JADE GAO / AFP

