Sie klingelten sogar beim Chef an der Tür: Deutsche Waffenschmiede wird mit Bewerbungen zugeschüttet

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Von Markus Klemm

Düsseldorf/Hamburg - Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall wird mit Bewerbungen geradezu überschüttet.

Rheinmetall-Chef Armin Papperger kann sich vor Bewerbungen nicht mehr retten.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger kann sich vor Bewerbungen nicht mehr retten.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, in denen das Unternehmen mit einem schwierigen Image zu kämpfen hatte, seien allein im vergangenen Jahr weltweit 350.000 Bewerbungen eingegangen, 250.000 davon in Deutschland, sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger (63) bei einer Veranstaltung des Clubs Hamburger Wirtschaftsjournalisten.

Es klingelten sogar Leute bei ihm zu Hause und sagten, dass sie bei Rheinmetall arbeiten wollten. Derzeit hat der Konzern etwa 44.000 Beschäftigte.

Rheinmetall sei zuletzt um 30 bis 50 Prozent pro Jahr gewachsen. In diesem Jahr sollen es etwa 40 Prozent werden. Den erwarteten Umsatz bezifferte der Chef des Düsseldorfer Rüstungskonzerns auf 14 bis 15 Milliarden Euro. 65 Prozent der Waren würden exportiert - vor allem in andere Nato-Staaten.

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Das Unternehmen habe in etwa 11.500 deutsche Zulieferer, rund 4500 davon stammten aus der Automobilindustrie. Wenn Rheinmetall bis 2030 auf bis zu 70.000 Beschäftigte angewachsen sei und etwa 210.000 weitere Menschen der Lieferkette zuzurechnen seien, dann entspräche das einem Drittel der gesamten Autoindustrie, sagte Papperger. 

Erst zwischen 2035 und 2040 rechnet er mit einem Abflauen der bislang stark steigenden Umsätze und Aufträge.

Rheinmetall erhöht Produktionskapazitäten bei Militärlastwagen

Der deutsche Rüstungskonzern hat seine Produktionskapazitäten bei Militärlastwagen erhöht.
Der deutsche Rüstungskonzern hat seine Produktionskapazitäten bei Militärlastwagen erhöht.  © Rheinmetall

Sofern es keine militärische Auseinandersetzung in Deutschland gebe, werde dann der Zenit überschritten, sagte Papperger, der auch Präsident des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) ist.

Seien die Rüstungsvorhaben abgearbeitet und funktioniere die Abschreckung wie geplant, werde es zu Überkapazitäten kommen. 

Dann seien die Regierungen gefragt. "Wir haben ja keine anderen Kunden." Bereits jetzt gebe es Gespräche mit Ministerien, was es bedeute, eine Kriegsreserve aufzubauen "in Jahren, wo wir das alles nicht mehr so brauchen".

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Aus Pappergers Sicht sollte es dann eine sogenannte Vorhalte-Charter wie in den 1950er und 1960er Jahren beim Aufbau der Bundeswehr geben. Das heißt: Der Staat beteiligt sich an den Fixkosten.

Bei Militärlastwagen habe Rheinmetall die Produktionskapazitäten inzwischen von 600 auf 4500 im Jahr erhöht, bei der Mittelkalibermunition von etwa 800.000 auf mehr als 4 Millionen Schuss und bei der Artillerie von 70.000 auf 1,1 Millionen Schuss. Bei konventioneller Munition verfüge Deutschland inzwischen über mehr Produktionskapazitäten als die USA, sagte Papperger.

Rheinmetall hatte Anfang März die Übernahme des Marineunternehmens NVL abgeschlossen, zu dem die Werft Blohm+Voss gehörte. Verkäufer war die Bremer Werftengruppe Lürssen.

Rheinmetall übernimmt komplette Belegschaft

Papperger sagte, es werde die komplette Belegschaft übernommen und zusätzliches Personal in einer Größenordnung von etwa 500 Menschen eingestellt.

"Es ist ja nicht so, dass wir jetzt sagen, wir kaufen eine Firma und dann stellen wir 2000 Mann ein, die vorher Gummibärchen produziert haben, und dann müssen die Marine-Schiffe bauen."

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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