Zwischen Luxus-Spiel und Rekordminus: So will sich die Porzellanmanufaktur neu erfinden
Dresden - Die Porzellanmanufaktur Meissen gibt es seit über 300 Jahren - und trotzdem oder gerade deshalb erfindet sie sich immer wieder neu. Die aktuelle Hausmesse überrascht etwa mit einer Spielesammlung für 36.000 Euro oder einem farbenfrohen Aschenbecher mit meditierendem Faultier von Designer David Torres für 229 Euro.
"Der Verkauf von 24er-Tafelservices geht zurück. Wir orientieren uns hin zu kleineren Sets mit Ergänzungsteilen und entwickeln porzellanbasierte Dinge fürs Wohnzimmer", erklärt Geschäftsführer Tillmann Blaschke (63) mit Blick auf Schachspiel, Kerzenständer, Duftstäbchen-Vasen oder Tischlampen.
"Aber wir bleiben beim Porzellan und zeigen, zu welcher herausragenden Meisterschaft es dabei unsere 480 Mitarbeiter bringen."
Das gilt für Tafelgeschirr wie auch Kunstobjekte. Enthusiastisch stellt Blaschke eine neue Pferdeskulptur (21.000 Euro) von Maximilian Hagstotz vor: eine Hommage an das schnellste Rennpferd der Welt - "Secretariat" (†1989).
Dessen bis heute ungebrochene Streckenrekorde verdankte das Vollblut einem dreifach vergrößerten Herzen. Auch neu ist eine Kooperation mit Designer Wolfgang Joop (81), die 2027 in Form eines kleinen Services und einer Skulptur Früchte tragen wird.
Manufaktur muss sich neue Absatzmärkte suchen
Was Liebhaber des edlen Porzellans nicht sehen: Die geopolitische Lage erschwert der Porzellanmanufaktur den Kampf um die schwarze Null.
Die amerikanische Zollpolitik, der Krieg in der Golfregion und der Ukraine, aber auch Kursverluste in China, Taiwan und Japan zwingen die Manufaktur zur Suche nach neuen Absatzmärkten.
"Die Produkte werden für die Käufer teurer, ohne dass wir die Preise anheben", erklärt Blaschke. Für den Jahresabschluss 2025 erwartet er ein leichtes Umsatzplus auf über 33 Millionen Euro und einen Verlust von rund drei Millionen Euro.
"Bei dieser Rechnung darf nicht vergessen werden, dass die Manufaktur wesentlich zur touristischen Attraktivität von Meißen und Umgebung beiträgt und dadurch Millionen in die Region bringt", so Blaschke.
Erst langsam erholt sich die Manufaktur von einem Kurs, mit dem Blaschkes Vorgänger Christian Kurtzke (2008-2015) den Luxussektor (Mode, Schmuck, Interieur) erobern wollte.
Der Versuch schlug fehl, verursachte 2019 eine Restrukturierung, bei der 200 Arbeitsplätze abgebaut wurden.
Titelfoto: Montage: Thomas Türpe (3)

