Zwickauer Pfarrer schreibt Buch über seine Stasi-Spitzel

Zwickau - Edmund Käbisch (75) war Pfarrer am Zwickauer Dom - und Ziel der Stasi.

Edmund Käbisch (75) bei sich Zuhause.
Edmund Käbisch (75) bei sich Zuhause.  © dpa/Claudia Drescher

Auf der Suche nach Antworten sprach er mit vielen Spitzeln. Seine Recherchen hat er im Buch "Lange Schatten meiner Stasi-Bearbeiter" niedergeschrieben.

Ab 1984 geriet Edmund Käbisch ins Visier der Staatssicherheit. "In meinen Stasi-Akten haben zwischen 80 und 90 IMs (Inoffizielle Mitarbeiter, d. Red.) über mich Berichte geschrieben."

Grund: Der Pfarrer nahm sich unter anderem "Problembürgern" an. Mit 21 IMs hat der Zwickauer seit den 90er-Jahren gesprochen, ebenso mit ehemaligen Offizieren des Ministeriums für Staatssicherheit und einstigen SED-Funktionären. Mit ihnen tauschte er sich bei Kaffee und Kuchen aus.

Warum Käbisch das Gespräch mit seinen "Bearbeitern" suchte? Insbesondere nachfolgende Generationen sollten die Chance haben, aus erster Hand zu erfahren, wie das Leben in der DDR war - und dass "die langen Schatten mitunter bis heute nachwirken", so Käbisch.

Um das Hier und Jetzt mit Blick auf den Rechtsruck zu verstehen, müsse die Aufarbeitung der DDR-Geschichte weitergehen. Einsicht suchte er bei seinen Spitzeln aber vergeblich: "Kein Einziger hat sich entschuldigt."

"Lange Schatten meiner Stasi-Bearbeiter"im Handel

Ein Stück weit ist sein Buch auch eine Abrechnung mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen (EVLKS), die ihn 1999 in den Ruhestand versetzte. Käbisch nennt das "Entsorgung eines kirchenschädigenden Unruhestifters".

Mit seiner Aufarbeitung habe er sich bei vielen unbeliebt gemacht. Zudem hält er der EVLKS vor, sich nicht um eine Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit bemüht zu haben.

Dem widerspricht Pfarrer und Ex-Oberlandeskirchenrat Christoph Münchow. "Dass es noch den einen oder anderen blinden Fleck gibt, steht außer Frage", sagt er. Aber der Kirche generell den Willen zur Aufarbeitung abzusprechen, sei falsch.

Das Buch "Lange Schatten meiner Stasi-Bearbeiter" (452 Seiten) von Edmund Käbisch gibt es für 25 Euro im Buchhandel.

Seine Gesprächsprotokolle bewahrt er ordentlich auf.
Seine Gesprächsprotokolle bewahrt er ordentlich auf.  © dpa/Claudia Drescher

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