Ein Jahr Klinikreform in NRW: Das hat sich für Patienten geändert

Von Marc Herwig

Düsseldorf - Wer ins Krankenhaus muss, will am liebsten von echten Spezialisten behandelt werden. Aber längst nicht jeder Arzt hat auch bei jedem Eingriff die nötige Routine.

Krankenhäuser in NRW sind heute stärker spezialisiert als früher.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Seit einem Jahr krempelt die NRW-Landesregierung deshalb die Klinik-Landschaft um: Krankenhäuser müssen sich spezialisieren, benachbarte Kliniken dürfen nicht mehr identische Angebote vorhalten. Das hat spürbare Folgen für Patienten, Beschäftigte und die finanzielle Situation der Träger.

Krankenhäuser sind heute stärker spezialisiert als früher. Patienten sollen sicher sein können, dass Kliniken gerade bei komplexen Eingriffen nur Leistungen anbieten, für die sie ausreichend Personal, Erfahrung und Ausstattung haben. Das war das wichtigste Ziel der sogenannten Krankenhausplanung, die am 1. April 2025 in Kraft getreten ist.

Es gehe um mehr Qualität statt um die reine Zahl der Behandlungsplätze, sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (68, CDU).

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"Als erstes Bundesland setzen wir nicht auf Betten, sondern planen auf Basis des tatsächlichen Bedarfs, klarer Qualitätsstandards und eindeutiger Erreichbarkeitsvorgaben." Das habe für die meisten Krankenhäuser deutliche Veränderungen zur Folge gehabt.

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Welche Nachteile gibt es für Patienten?

Vor allem bei Krebstherapien sowie bei Knie- und Hüftprothesen hat die Landesregierung stark ausgesiebt. Dort müssen Patienten jetzt in weiter entfernte Kliniken fahren.  © Oliver Berg/dpa

Stärkere Spezialisierung heißt auch, dass einige Behandlungen nicht mehr im nächstgelegenen Krankenhaus angeboten werden - die Wege sind also weiter geworden. Das trifft die Bewohner von Städten natürlich weniger hart als die Menschen auf dem Land. 

Vor allem bei Krebstherapien sowie bei Knie- und Hüftprothesen hat die Landesregierung stark ausgesiebt. Dort müssen Patienten jetzt in weiter entfernte Kliniken fahren. Grundsätzlich gilt: Je seltener und spezialisierter eine Leistung ist, desto längere Anfahrtswege müssen einkalkuliert werden. 

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fürchtet, dass kleinere Kliniken dadurch noch stärker unter Druck geraten und letztlich schließen müssen. "Wie viele Hospitäler den Transformationsprozess überstehen können, ist noch nicht absehbar", sagt Stiftungsvorstand Eugen Brysch. 

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Bei einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt zählt jede Sekunde. Die Versorgung von Notfällen wird deshalb auch weiterhin flächendeckend von den Krankenhäusern vorgehalten. Das Gleiche gilt für einfache Erkrankungen wie eine Blinddarm-Entzündung oder einen gebrochenen Arm 

Was hat sich durch die Reform für die Beschäftigten verändert?

Für Beschäftigte in Kliniken hat die Krankenhausreform viele Nachteile mit sich gebracht.  © Marcus Brandt/dpa

Der Umbau oder die Schließung ganzer Abteilungen habe für viele Klinik-Beschäftigten Nachteile mit sich gebracht, sagt Susanne Hille, Fachbereichsleiterin Gesundheit bei der Gewerkschaft Verdi. "Viele müssen die Abteilung oder den Standort wechseln, manche sogar den Arbeitgeber."

Manche müssten dadurch weitere Strecken zur Arbeit pendeln und mit neuen Arbeitsbedingungen und Aufgaben klarkommen. "Die Belastung steigt - und das in einem System, das längst am Limit arbeitet", kritisiert Hille.

Gleichzeitig schwäche es Kliniken, wenn sie bislang lukrative Leistungen nicht mehr anbieten dürften. Dadurch seien auch finanziell wenig attraktive Angebote wie die Geburtshilfe plötzlich gefährdet - denn bislang hätten viele Kliniken sie quersubventioniert.

Wer eine Leistung nicht mehr anbieten darf, kann damit natürlich auch kein Geld mehr verdienen. Mit der Reform seien deshalb "durchaus schmerzhafte Einschnitte für einzelne Krankenhäuser verbunden gewesen", sagt Ingo Morell, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen.

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