RP-Wahl: Debakel für SPD! Schnieder und CDU dürfen feiern, AfD fährt Rekordwert ein

Von Maximilian Hölzel, Jan Höfling, Wolfgang Jung, Birgit Reichert, Ira Schaible, Jenny Tobien, Ulrich Steinkohl, Verena Schmitt-Roschmann, Jörg Ratzsch

Mainz - Die ersten Zahlen sind überraschend deutlich! Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz steht auf dem Programm. Für die SPD ist es ein Abend zum Vergessen. Alle Informationen rund um die Wahl findet Ihr in unserem Ticker.

22. März, 21.49 Uhr: Protest in Mainz nach AfD-Erfolg bei der Landtagswahl

Wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale haben linke Gruppierungen in Mainz gegen den Wahlerfolg der AfD demonstriert. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 70 Menschen an der Versammlung teil.

Die Demonstration sei störungsfrei verlaufen. 

Mit dem entsprechenden Motto "Man bekämpft Faschisten nicht, indem man ihre Forderungen übernimmt" sollte ein Zeichen gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft gesetzt werden, hieß es auf der Demo am Sonntagabend. Zwischendurch wurden von den Menschen immer wieder Parolen wie "Ganz Mainz hasst die AfD" oder "Hoch die internationale Solidarität" gerufen.

Teilnehmer einer Demonstration protestierten gegen die AfD.
Teilnehmer einer Demonstration protestierten gegen die AfD.  © Philipp Rahn/dpa

22. März, 21.44 Uhr: AfD stärkste Kraft in Wahlkreis Kaiserslautern I

Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ist die AfD im Wahlkreis Kaiserslautern I stärkste Kraft geworden.

Dem am Sonntagabend vom Statistischen Landesamt in Bad Ems veröffentlichten Zwischenergebnis zufolge kam die Partei dort auf 26,1 Prozent der Zweitstimmen. Sie lag damit knapp vor der SPD mit 25,5 Prozent sowie der CDU mit 20,8 Prozent.

Das Direktmandat ging an den SPD-Politiker Andreas Rahm, der laut Zwischenergebnis 27,7 Prozent auf sich vereinen konnte. AfD-Kandidat Tom Kotzian kam den Angaben nach auf 26 Prozent, während CDU-Bewerber Marc Fuchs 21,4 Prozent erreichte.

22. März, 21.40 Uhr: Spitzengremien der Bundesparteien beraten über Ergebnis der Landtagswahl

Die Spitzengremien der Bundesparteien kommen am Montag in Berlin zusammen, um über das Ergebnis bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz zu beraten. Mit großer Spannung wird die Sitzung des Präsidiums der SPD erwartet.

Die Partei hat nach 35 Jahren ihre Rolle als stärkste Partei in dem Land an die CDU verloren. Die Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas kündigten an, sich einer Debatte über Kurs und Spitzenpersonal stellen zu wollen (PK Klingbeil 11.15 Uhr).

Bei der siegreichen CDU stellen sich nach den Gremiensitzungen Bundeskanzler Friedrich Merz und der erfolgreiche rheinland-pfälzische Spitzenkandidat Gordon Schnieder den Fragen der Hauptstadtmedien. Das soll ab 13.30 Uhr der Fall sein.

Pressekonferenzen der Parteispitzen planen auch die Linke (13 Uhr), die Grünen (14 Uhr) und die FDP (16 Uhr).

22. März, 21.33 Uhr: Wie haben die Wähler unter 25 Jahren gewählt?

Richten wir den Blick auf die jüngeren Wähler: Wie sehen die Stimmanteile bei den unter 25-Jährigen aus?

  • AfD: 21

  • SPD: 19

  • CDU: 15

  • Linke: 15

  • Grüne: 10

  • FW: 5

  • FDP: 4

Die Wahlbeteiligung liegt (vorläufig) bei 69,5 Prozent. Im Jahr 2021 waren es schlussendlich 64,3 Prozent.

22. März, 21.27 Uhr: Freie Wähler haben laut Joachim Streit den "Auftrag weiterzumachen"

Der rheinland-pfälzische Spitzenkandidat der Freien Wähler, Joachim Streit, bedauert das drohende Ausscheiden seiner Partei aus dem Landtag. "Es ist natürlich enttäuschend, wenn man im Landtag war und jetzt nicht einzieht."

Für die Freien Wähler sieht er dennoch den Auftrag weiterzumachen. Seine Partei habe gezeigt, dass sie echte Oppositionsarbeit leiste, betonte er vor seinen Anhängern. Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg sei jedoch alles auf einen Zweikampf hinausgelaufen. Dabei seien die kleinen Parteien unter die Räder gekommen, erklärte er. 

Für den Fall, dass der Wiedereinzug nicht gelingen sollte, rief Streit seine Partei auf, den Fokus auf die Kommunalwahlen zu richten und weiter möglichst viele Kreisverbände zu gründen, um die Freien Wähler auch in Zukunft "zu Gesicht zu bringen". 

Joachim Streit (Freie Wähler) sieht seine Partei in Rheinland-Pfalz weiter in der Pflicht.
Joachim Streit (Freie Wähler) sieht seine Partei in Rheinland-Pfalz weiter in der Pflicht.  © Michael Brandt/dpa

22. März, 21.20 Uhr: Alexander Schweitzer verteidigt Direktmandat bei Landtagswahl

Der SPD-Spitzenkandidat Alexander Schweitzer das Direktmandat in seinem Wahlkreis verteidigt.

Schweitzer wurde im Wahlkreis Südliche Weinstraße am Sonntag mit 41,4 Prozent gewählt, wie das Statistische Landesamt am Sonntagabend in Bad Ems mitteilte. Auf den Plätzen zwei und drei folgten laut Zwischenergebnis Sven Koch (CDU) mit 26,3 Prozent und Eugen Ziegler (AfD) mit 18,5 Prozent. Schweitzer hatte das Direktmandat bereits bei der Wahl 2021 gewonnen.

22. März, 21.11 Uhr: AfD-Erfolg basiert auf Unzufriedenheit und Überzeugung

Der Erfolg der AfD basiert demnach wie bei anderen Wahlen auch auf einem Mix aus Protest, Unzufriedenheit und Überzeugung, häufig begleitet vom Gefühl der Benachteiligung und ökonomischen Abstiegsängsten.

Für 95 Prozent ihrer Anhänger sei die AfD die einzige Partei, "die die wichtigen Probleme beim Namen nennt".

Aber nur 20 Prozent aller Befragten waren der Ansicht, dass eine Regierungsbeteiligung der AfD die Politik verbessern würde. Und eine CDU/AfD-Koalition werde klar abgelehnt. 78 Prozent der Befragten werteten ein solches Bündnis als schlecht.

Die AfD profitiert laut der Forschungsgruppe Wahlen von einem Mix aus Protest, Unzufriedenheit und Überzeugung.
Die AfD profitiert laut der Forschungsgruppe Wahlen von einem Mix aus Protest, Unzufriedenheit und Überzeugung.  © Daniel Karmann/dpa

22. März, 21.09 Uhr: Zufriedenheit mit Landesregierung in Rheinland-Pfalz auf Rekordtief

Der aktuellen Analyse der Forschungsgruppe Wahlen zufolge glauben außerdem nur noch 36 Prozent der Menschen in Rheinland-Pfalz (2021: 59 Prozent), dass das Land gut auf die Zukunft vorbereitet ist. Die Zufriedenheit mit der Landesregierung erreiche ein Rekordtief von plus 0,2 auf der +5/-5-Skala. 2021 sei der Wert noch bei 1,3 gelegen.

Für 75 Prozent der befragten Menschen habe die Ampel zu wenig für die Finanzausstattung der Kommunen getan, für 71 Prozent zu wenig für eine bessere Infrastruktur und für 73 Prozent zu wenig zur Verbesserung der Situation an den Schulen.

57 Prozent der Befragten bescheinigten Ministerpräsident Alexander Schweitzer eine gute Arbeit. Bei seinen SPD-Vorgängern Malu Dreyer und Kurt Beck seien dies vor Wahlen im Schnitt noch gut 75 Prozent gewesen. Dennoch favorisierten demnach 39 Prozent Schweitzer als Ministerpräsidenten, seinen nun erfolgreichen CDU-Herausforderer Gordon Schnieder 31 Prozent. 

22. März, 21.05 Uhr: Latente Wechselstimmung und SPD-Defizite sorgen für Debakel

Woran hat es gelegen? Eine latente Wechselstimmung und erhebliche Defizite bei der regierenden SPD haben nach einer Wahlanalyse zum deutlichen Sieg der CDU geführt. "Verantwortlich für den SPD-Einbruch sind eine schwache Regierungsbilanz, gesunkenes Parteiansehen und sachpolitische Defizite", schreibt die Forschungsgruppe Wahlen.

Ministerpräsident Alexander Schweitzer hatte demnach nur eine "begrenzte Zugkraft" und längst nicht die Überlegenheit früherer Regierungschefs in Rheinland-Pfalz. Er habe aber dank gutem Ansehen die SPD-Verluste noch einbremsen können.

Die CDU profitierte laut Forschungsgruppe außer von einer latenten Wechselstimmung auch von der ihr zugeschriebenen höheren Sachkompetenz in vielen Politikbereichen. Beide Parteien hätten keinen Rückenwind aus der Bundespolitik gehabt. 

22. März, 20.59 Uhr: Friedrich Merz gratuliert Gordon Schnieder nach Wahl in Rheinland-Pfalz

Der Bundeskanzler hat seinem Parteikollegen und den Christdemokraten in Rheinland-Pfalz zum Erfolg gratuliert.

"Nach mehr als 35 Jahren ist die CDU wieder die stärkste Kraft in Rheinland-Pfalz. Herzlichen Glückwunsch zu diesem großartigen Ergebnis an @GordonSchnieder und die ganze @cdurlp!", schrieb der CDU-Chef am Sonntagabend bei X.

22. März, 20.52 Uhr: Sabine Bätzing-Lichtenthäler verweist auf Bundestrend

Die rheinland-pfälzische SPD-Landesvorsitzende Sabine Bätzing-Lichtenthäler sieht die Verantwortung der Niederlage ihrer Partei bei der Landtagswahl nicht nur in Mainz. "Sicherlich ist dieser Bundestrend auch mitverantwortlich dafür gewesen, dass es am Ende so ausgegangen ist", sagte sie nach der Wahlschlappe der Deutschen Presse-Agentur.

Man habe im Wahlkampf auf die richtigen Themen gesetzt und "den besten Spitzenkandidaten" gehabt. "Aber wenn Sie von einem so niedrigen Level auf Bundesebene kommen..." fügte sie hinzu und sagte dann: "Also wir haben ja schon das Ergebnis verdoppelt, das muss man sich mal vorstellen." Die SPD müsse nun das Ergebnis "erst mal ein bisschen sacken lassen".

Titelfoto: Andreas Arnold/dpa

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