Von Sebastian Münster
Harzgerode - Der insolvente Gießereispezialist Bohai muss sein Stammwerk in Harzgerode bis Ende Januar schließen. Die rund 550 Beschäftigten des Unternehmens wurden am Montagnachmittag im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung vom Insolvenzverwalter informiert.
Die Bohai Automotive GmbH hatte im April Insolvenz angemeldet. Eine Investorensuche ist bis zuletzt erfolglos geblieben, teilte der Insolvenzverwalter mit. Ein Interessent, in den bis zuletzt noch Hoffnung gesetzt worden waren, war trotz intensiver Verhandlungen ebenfalls abgesprungen.
In den kommenden Monaten werde die Produktion heruntergefahren. Mit einer zu geringen Auslastung sei Bohai für die Auftraggeber dauerhaft nicht rentabel.
Die Produktion sei bis heute defizitär und konnte "nur durch erhebliche finanzielle Unterstützung der wesentlichen Auftraggeber in Höhe zahlreicher Millionen Euro" fortgeführt werden.
Bis zuletzt hatten Sachsen-Anhalts Landesregierung, der VW-Konzern als größter Auftraggeber des Standortes und der Landkreis zusammen mit dem Insolvenzverwalter nach Lösungen gesucht.
Auch die Belegschaft habe sich mit großem Einsatz eingebracht, so der Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann.
Aus bei Bohai: Auch Schlote Standorte betroffen
Mit dem Aus bei Bohai in Harzgerode und der erwarteten Schließung auch der Schlote Standorte in Harzgerode und Wernigerode sind nach Gewerkschaftsangaben allein in Harzgerode rund 700 Jobs betroffen.
"Das wird der Arbeitsmarkt in der Tat so schnell nicht aufnehmen", sagte IG Metall-Gewerkschaftssekretär Jan Tomaschefski der dpa. Entsprechend groß sei die Sorge bei den Betroffenen um ihre Zukunft. "Das ist für die Harzregion ein ganz, ganz schlechtes Signal."
Für die Gewerkschaft gehe es nun darum, zunächst über einen Sozialplan zu verhandeln. Voraussichtlich würden die Kündigungen während der Ausproduktion des Standortes in Wellen stattfinden. Es müsste geklärt werden, wie eine faire Verteilung gewährleistet werden kann.
Die Agentur für Arbeit habe nun geplant, in einem Nebengebäude der Werke Büros für eine Vor-Ort-Betreuung der Betroffenen zu betreiben, bestätigte eine Sprecherin auf Nachfrage.