Wilder Schlagabtausch im Wahlduell: Schulze und Siegmund diskutieren vor Landtagswahl
Magdeburg - Nur eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mussten sich der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze (47, CDU) und der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) im MDR-Wahlduell messen. Die Männer ließen einander kaum zu Wort kommen.
Die beiden Politiker, die nach aktuellen Umfragen die größten Chancen auf den Posten des Ministerpräsidenten haben, diskutierten am Mittwochabend in der MDR-Wahlarena über die Wahlprogramme ihrer Parteien.
Während des Schlagabtauschs drehte es sich vor allem um die Themen Arbeit, Wirtschaft und Migration.
Bei der Frage um den Arbeitskräftemangel setzte Siegmund auf Rückkehrer. Laut seiner Überzeugung würden, wenn die AfD an der Macht wäre, viele Auswanderer nach Sachsen-Anhalt zurückkehren, die dann leer stehende Stellen übernehmen würden.
Die beiden Kandidaten unterbrachen einander permanent, ließen kaum Diskussionsspielraum zu und hielten an den eigenen Wahlversprechungen fest.
Auffallend: Ulrich Siegmund von der vom Verfassungsschutz gesichert rechtsextremen AfD wurde mehrfach mit Versprechungen aus dem eigenen Wahlprogramm konfrontiert und zitiert, wie etwa zur Abschaffung der Schulpflicht oder zum "Experiment Inklusion", winkte dies aber mehrfach ab: "Das stimmt so nicht!"
Siegmund zu Weidels "Flachzangen"-Aussage: "Gut, dass klare Worte gefunden werden"
Als MDR-Moderator Gunnar Breske den AfD-Kandidaten auf seinen "rauen Ton" ansprach und ihn mit den Äußerungen von Parteispitze Alice Weidel (47) konfrontierte, die im ZDF-Sommerinterview alle Regierenden in Deutschland pauschal als "Flachzangen" bezeichnet hatte, konnte Siegmund nur schmunzeln.
Bei der Äußerung von Weidel gehe es "nicht um die Menschen, sondern um die Politik, die gemacht wird", und der 35-Jährige fände "es gut, dass klare Worte gefunden werden". Auf seine Frage, ob er seinen Kontrahenten Sven Schulze auch als "Flachzange" bezeichnen würde, antwortete Siegmund: "menschlich nicht, politisch ja".
"Ich habe kein Problem damit, hier mit Herrn Schulze zu stehen, ich würde mit Ihnen auch einen Kaffee trinken gehen", wandte er sich an den Gesprächspartner.
Schulze selbst hatte für diese Aussagen kein Verständnis. "Das ist eine Beleidigung, es gibt ein gewisses Niveau", so der 47-Jährige, "mir würde es nie einfallen, Sie als Flachzange zu bezeichnen."
Ist Ulrich Siegmund ein Rechtsextremist, Herr Schulze?
Schulze zeigte gegen Siegmund ebenfalls klare Kante. Er ermahnte den 35-Jährigen beispielsweise, realistisch zu bleiben. "[Siegmund] schafft ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich", so Schulze in der MDR-Wahlarena. "Das ist eine Aussage, die würde ich nie auf meine Plakate schreiben, weil es ist nicht alles möglich."
Auch würde die AfD laut Schulze "unser Land missbrauchen, um in Berlin mehr Einfluss zu gewinnen". Er selbst wolle nicht Politik aus Berlin in Sachsen-Anhalt umsetzen, sondern Politik aus Sachsen-Anhalt in Berlin einbringen.
Moderatorin Susann Reichenbach wollte von dem amtierenden Ministerpräsidenten wissen, ob er Ulrich Siegmund als Rechtsextremist ansehen würde.
"Ich will nicht beurteilen, was ihn als Person angeht, das kann ich auch gar nicht. Aber ich weiß, mit wem er sich umgibt", antwortete Schulze und bezog sich unter anderem auf den Hitlergruß-Skandal von Siegmunds Parteikollegen Martin Reichardt (56) und Hans-Thomas Tillschneider (48).
Darüber konnte Siegmund am Duellabend nur schmunzeln.
Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

