Lohnstreit spitzt sich zu: Rotkäppchen-Mitarbeiter legen Arbeit nieder

Von Daniel Josling

Freyburg - Im Tarifkonflikt der Ernährungsindustrie in Sachsen-Anhalt kommt es erstmals zu einem Warnstreik beim Sekthersteller Rotkäppchen-Mumm. Beschäftigte am Standort Freyburg sollen am Donnerstag zeitweise die Arbeit niederlegen, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilte.

Rotkäppchen-Mitarbeiter streikten am Donnerstag. (Archivfoto)  © Jan Woitas/dpa

Damit erreicht der Arbeitskampf eines der bekanntesten Unternehmen des Landes. Bei Rotkäppchen in Freyburg sind nach Gewerkschaftsangaben rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. 

Die NGG weitet ihre Warnstreiks zugleich auf weitere Betriebe aus. Bereits seit Mittwoch wird demnach in Werken der Schwarz-Gruppe sowie in einem Backwarenbetrieb in Halle die Arbeit niedergelegt.

Hintergrund ist das bisherige Angebot der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde. Dieses sieht eine Lohnerhöhung von insgesamt rund zehn Prozent in vier Stufen bis 2029 vor, beginnend mit 2,8 Prozent im Jahr 2026. Die NGG kritisiert dies als unzureichend und verweist auf weiterhin deutliche Unterschiede zu westdeutschen Standorten.

Sachsen-Anhalt Harzer Automobilzulieferer kurz vor dem Aus: Schulze sucht Gespräch mit VW-Vorstand

Der Arbeitgeberverband der Ernährungswirtschaft (VdEW) bezeichnet das Angebot dagegen als tragfähige Grundlage für eine Einigung.

Die vierjährige Laufzeit solle Planungssicherheit schaffen und eine schrittweise Annäherung der Entgelte ermöglichen.

Anzeige

Unterschiedliche Bewertungen und Streit um Lohnabstand

Der NGG-Verhandlungsführer Uwe Ledwig forderte eine Angleichung der Löhne. (Archivfoto)  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Für Fachkräfte bei Rotkäppchen würde die Erhöhung laut Gewerkschaft rund 86 Euro betragen. In einem westdeutschen Betrieb des Konzerns steigen die Löhne demnach um 101 Euro. Der monatliche Abstand liege bereits bei rund 800 Euro und könnte sich weiter vergrößern, hieß es. 

Der Arbeitgeberverband hält eine schnelle Angleichung der Löhne an das Westniveau zwar politisch für nachvollziehbar, wirtschaftlich aber für nicht leistbar. Viele Betriebe könnten deutlich höhere Abschlüsse in der aktuellen Lage nicht verkraften, erklärte der Verband.

Der VdEW kritisierte zugleich die Warnstreiks und forderte die NGG auf, ein verhandlungsfähiges Gegenangebot vorzulegen.

Sachsen-Anhalt Erhebliche Einschränkungen: A14 am Wochenende gesperrt

NGG-Verhandlungsführer Uwe Ledwig forderte eine Angleichung der Löhne und warnte vor einer weiteren Eskalation. Sollten sich die Arbeitgeber nicht bewegen, seien längere Arbeitskämpfe möglich.

Am Donnerstag ist die dritte Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt angesetzt.

Mehr zum Thema Sachsen-Anhalt: